Als erstes erwischt mich eine Brennnessel. Später gerate ich in einen Schwarm Mücken. Und dann sind sie auf einmal da. Und krabbeln zielstrebig an meinem rechten Bein empor.
In Afrika gibt es Löwen, in Indien Tiger, und in der Schweiz haben wir Zecken. Okay, die sind zwar etwas kleiner als die erwähnten Raubkatzen, aber wenn man sie unter einem Mikroskop betrachtet, sehen sie mindestens zehnmal so gefährlich aus: Ausserirdische, spinnenähnliche Monster mit groben Mundwerkzeugen, mit denen sie sich in die Haut bohren, um an Blut zu gelangen. Und wie eklig sie erst sind, wenn sie sich vollgesogen haben und ihr Hinterleib auf das Zigfache angeschwollen ist.
Sie mögen Schweiss
Ich befinde mich im Friedwald beim Parkplatz der Badi Waldacher in Kindhausen. Schätzungsweise 200, allerhöchstens 300 Meter habe ich auf einem lauschigen Pfad durch das üppige Grün des frühsommerlichen Waldes zurückgelegt. Lange Grashalme und Gestrüpp sind in den Weg hineingewachsen, ideal für Zecken, die an solchen Orten lauern, um sich von ihrem Wirt abstreifen lassen. Ich war mir der Gefahr bewusst, hab sie gar provoziert, indem ich ein Weilchen auf das Duschen verzichtete (Zecken stehen auf Buttersäure) und heftig ein- und ausatmete (Zecken erkennen am Kohlendioxid potenzielle Opfer).
Ich habe mich sicher gefühlt mit meinem Schutzanzug aus dichtem Polypropylen-Vlies. Doch als nach noch nicht einmal drei Minuten im Wald gleich fünf der kleinen Monster über mein Bein krabbeln, breche ich den Versuch rassig ab. Denn eigentlich wollte ich nur belegen, dass die Panikmache wegen angeblich Zecken-verseuchten Wäldern in der Schweiz völlig übertrieben ist. Dass ich dabei selber zum Opfer werden könnte, war so nicht geplant.

