Politik

Wir bezwangen den Strongmanrun

Talina Steinmetz und Michael Hotz stellten sich der Herausforderung des Strongmanruns. Die beiden Redaktoren brachten am Samstag 18 Kilometer und 40 Hindernisse hinter sich. Ein Erlebnisbericht.

Wir bezwangen den Strongmanrun

Es ist der 3. Juni 2017. Nach eineinhalb Stunden Autofahrt begrüsst mich das Ortsschild von Engelberg im Kanton Obwalden. Noch zwei Stunden bleiben mir, bis der Startschuss zum diesjährigen Fishermans Friend Strongmanrun um 14 Uhr fällt. 18 Kilometer und 40 Hindernisse aller Art erwarten mich, unter anderem eine Skisprungschanze.

Die Highlights des Strongmanruns (GoPro-Video: Michael Hotz, Musik: Dominik Perino):

Zum Glück konnte ich meinen Kollegen Michael Hotz überreden, mitzukommen: Das gegenseitige Motivieren hilft, die Nervosität zu vergessen. Wir starten unter den ersten 50 Läufern. Ich dehne meine Beine ein wenig. «Noch eine halbe Minute», verkündet der Speaker des Strongmanruns. Okay, nun gibt es kein Zurück mehr. «Zehn. Neun. Acht…» Der Countdown läuft. Und ich gleich auch. 

Schaulustige und eine Schneekanone
Schon kurz nach dem Start der ersten Runde werde ich von vielen Läufern überholt. Doch davon lasse ich mich nicht verunsichern. Schnell habe ich meinen Rhythmus gefunden und laufe mit konstanter Geschwindigkeit. Die Strecke führt mich durch einen Dorfteil von Engelberg zum ersten Hindernis: Holzböcke, über die man klettern muss.

Während links und rechts Athleten waghalsige Sprünge machen, steige ich langsam herunter. Schaulustige, die an der Rennstrecke stehen, applaudieren und spritzen uns mit Wasserpistolen und Schläuchen ab. Als nächste Etappe steht mir ein Berghang bevor. Um etwas Kraft zu sparen, verlangsame ich mein Tempo. 

Simon Ammann lässt grüssen
Oben angekommen, bleibt mir ein kurzer Moment, einen Blick ins Tal zu werfen. Die Aussicht auf die umliegenden Berge ist atemberaubend. So auch die nächste Hürde, die zu bewältigen ist: Ein Tunnel, auf dessen anderen Seite einen Schneekanone steht. Aus dieser schiesst Wasser wie aus Pistolen. Augen zu und durch! 

Kaum bin ich wieder aus dem Tunnel draussen, geht es bergab. Die Strecke führt den Hang hinunter, wieder durch das Dorf. Ich kann mein Tempo halten. Für das nächste Hindernis begebe ich mich auf die Knie und krieche unter einem Netz durch Schlamm, der voll mit kleinen Kieselsteinen ist. Mit offenen Knien und völlig verdreckt komme ich auf der anderen Seite an. Ob das wohl das Schlimmste war?

Nein, wie ich kurz darauf feststelle. Ich stehe nämlich am unteren Ende einer Skisprungschanze. «Komm, wir schaffen das», höre ich Michael Hotz sagen. Gesagt, getan. Ich begebe mich auf alle Viere und klettere den Hang hoch, auf dem sonst Simon Ammann landet. Als ich keuchend ankomme, kann ich meine Freude nicht zurückhalten. Ich habe gerade eine Skisprungschanze bewältigt! 

Kondition ist gut, aber die Muskeln schmerzen

Weiter führt die Strecke durch den Wald. Hindernisse wie Bäumstämme oder ein Netz bewältige ich ohne grosse Mühe. Auch die Kondition lässt noch nicht nach, eher die Muskelkraft in den Oberschenkeln. Doch die Gedanken daran verschwinden, als mich eine schwarze Röhre nicht weiterrennen lässt. Mit meiner Grösse von nur 1.62 Meter tue ich mich schwer, darüber zu springen. Ich hole viel Anlauf und versuche, möglichst elegant über die Röhren hinweg zu kommen.

Noch beflügelt vom Erfolg komme ich zu einem der letzten Hindernisse: Dem Fluss von Engelberg, der zu diesem Zeitpunkt 7 Grad misst. Schwimmend und watend bahne ich mir einen Weg durch das eiskalte Wasser zum anderen Ufer, wo die zweite Runde à 9 Kilometer beginnt. Also alles nochmals von vorne. 

Jubeln über Erfolg
Nach 3 Stunden und 23 Minuten komme ich im Ziel an. Zum Vergleich: Der Erstplatzierte schaffte es in 1 Stunde und 37 Minuten. Triefend nass, total kaputt, aber jubelnd fallen Michael Hotz und ich uns in die Arme. Ich bin stolz auf mich, den Lauf unter vier Stunden beendet zu haben. Und bin mir sicher, dass es nicht der letzte gewesen ist.

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