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«Pfarrerknatsch» geht mit Flugblättern weiter

Im Streit um den Pfarrer der Katholischen Kirchgemeinde Egg taucht ein neuer Akteur auf: Edmund Chrobot will mit Flugblättern die Einwohner der Gemeinden Egg und Maur über die Mobbingvorwürfe informieren.

Die Egger Kirchgemeinde steht im Fokus der Rekurskommission der Katholischen Kirche. (Bild: Seraina Boner)

«Pfarrerknatsch» geht mit Flugblättern weiter

Die Situation in der Katholischen Kirchgemeinde Egg bleibt angespannt. Von diversen Seiten wird dem Pfarrer Fulvio Gamba Mobbing vorgeworfen. Momentan laufen die Untersuchungen im Zusammenhang mit der Aufsichtsbeschwerde, die der Mönchaltorfer Jürg Simeon bei der Rekurskommission der Römisch-katholischen Kirche des Kantons Zürich eingereicht hat. Die Betroffenen selbst, die nach eigenen Aussagen aufgrund Gambas Verhalten kündigten, haben sich erst anonym geäussert.   Nun taucht ein neuer Name in den Reihen derer auf, die sich für eine Aufdeckung der «Missstände» einsetzen, wie die Kritiker die Situation bezeichnen. Es ist Edmund Chrobot, der in der Region bereits während seines Engagements gegen einen Landverkauf in Maur an das Lycée Francais Schlagzeilen machte. Damals setzte er sich mit Flugblättern für sein Anliegen ein. Ein Werkzeug, an das er nach wie vor glaubt. «Das Flugblatt ist das stärkste Kampfmittel», ist sich Chrobot sicher. Und mit diesem stellt er sich nun an die Seite von Jürg Simeon.   Verteilaktion während Gottesdienst   Nachdem der ZO/AvU die Differenzen in der Kirche bereits in diversen Artikeln beleuchtet hat, griff auch der «Sonntagsblick» das Thema auf. Edmund Chrobot kopierte den Blick-Artikel, der Ende März erschien, auf ein Flugblatt. Im Text kommt unter anderem Ueli Vogel-Etienne, der Anwalt von Jürg Simeon, zu Wort. Er hält es für möglich, «dass die Rekurskommission im Rahmen ihrer Untersuchung Strafanzeige bei der staatlichen Justiz erstattet». Dies, so der «Sonntagsblick»,  könnte auch Konsequenzen für Generalvikar Josef Annen oder gar Bischof Vitus Huonder haben.   Anfang April verteilte Edmund Chrobot die Kopien des Artikels vor der Kirche Egg während eines Gottesdienstes. Zuvor hatte er diese bereits während eines Familiengottesdienstes auf dem Grund der Kirche in Ebmatingen verteilt. Dabei klemmte er die Blätter unter die Scheibenwischer der Autos, die vor den Kirchen parkiert waren. «Pfarrer Gamba rief mir aus einem Fenster der Egger Pfarrei zu, dass er mich anzeigen wird», sagt Chrobot. «Kurz darauf tauchte ein Mitglied der Kirchenpflege auf und versuchte, mir die Flugblätter zu entreissen.»   Warnung per Brief   Die Kirchgemeinde Egg wird mittlerweile vom Zürcher Anwalt Dario Zarro vertreten. Dass Gamba Chrobot angesprochen habe, bestätigt er. «Pfarrer Gamba hat ihn zunächst darauf hingewiesen, dass es auf dem Areal der katholischen Kirche nicht erlaubt sei, während der Gottesdienstzeiten Flyer zu verteilen.» Edmund Chrobot habe die Anweisung aber ignoriert. Darauf habe Gamba mit einer Anzeige drohte, sollte er nicht unverzüglich mit dem Verteilen der Flugblätter aufhören. Dieser habe seine Aktion aber fortgesetzt. In der Folge habe ein Kirchenpflegemitglied Chrobot ebenfalls aufgefordert, seine Flugblattaktion abzubrechen. Ein Körperkontakt habe nicht statt gefunden.   Als Reaktion erhielt er eine Woche später von Anwalt Dario Zarro ein Schreiben im Auftrag der Kirchenpflege. Darin ist festgehalten, dass der Artikel im «Sonntagsblick» einseitig verfasst sei. «Die Mitglieder der Kirchenpflege konnte sich zu den Vorwürfen nicht äussern, weil sie an das Amtsgeheimnis gebunden sind», schreibt Zarro. Man begrüsse, dass die Rekurskommission der Römisch-katholischen Kirche eine Administrativuntersuchung angeordnet habe, sei man doch an einer Klärung der Sache interessiert. Man habe nichts dagegen, dass Edmund Chrobot die Gottesdienste besuche. Es könne jedoch nicht toleriert werden, wenn diese dazu genutzt würden, Druckerzeugnisse zu verteilen, die im Zusammenhang mit dem laufenden Verfahren stehen.   Laut Zarro haben verschiedene Gottesdienstbesucher der Kirchen Egg und Ebmatingen ihr Befremden zu den Flyern unter den Scheibenwischern geäussert. «Die Kirchgemeindemitglieder fühlen sich belästigt und gestört», sagt Zarro. «Es musste damals davon ausgegangen werden, dass Edmund Chrobot sein Handeln trotz Warnung fortsetzen würde und ein ruhiges und besinnliches Osterfest stand in Gefahr.» Darum habe man entschieden, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma damit zu beauftragen, den Parkplatz- und Ordnungsdienst zu übernehmen, damit die Hauptgottesdienste ungestört durchgeführt werden könnten.   Motiv gesucht   Es kam zu keinen weiteren Flugblattaktionen auf dem Gelände der Kirchgemeinde. Aber die Flyer fanden ihren Weg in Briefkästen in Ebmatingen, Maur, Forch, Egg und Esslingen. Warum sich Edmund Chrobot überhaupt in den Konflikt einmischt, kann Dario Zarro nicht verstehen. «Er ist seit Längerem nicht mehr Mitglied der Kirchgemeinde. Es drängt sich daher die Frage auf, was er mit seinem Verhalten bezwecken will.» Bei dieser Ausgangslage sei es schwierig, seine Anliegen zu erkennen und darauf einzugehen.   Tatsächlich ist Chrobot nicht Mitglied der lokalen Kirchgemeinde und lebt nicht mehr in Maur, sondern in Zürich. Doch er besucht «wenn immer möglich» am Sonntag mit seiner Familie den Gottesdienst in Maur. Nach eigenen Angaben habe er sich bereits 2009 erfolgreich mit einem Flugblatt für die Absetzung einer Pastoralassistentin eingesetzt. «Danach habe ich versprochen, den Entwicklungen eine Chance zu geben und mich nicht mehr einzumischen», sagt er. Doch nachdem er das Ergebnis der Pfarrwahl erfuhr, sowie die Presseartikel und auch die Aufsichtsbeschwerde gelesen hatte, wollte er sich nicht mehr zurückhalten. «Dass die Betroffenen schweigen und leiden ist nachvollziehbar. Sie werden mit Schlagwörtern wie Redeverbot, Hinweise auf laufendes Verfahren oder das Amtsgeheimnis unter Druck gesetzt», sagt Chrobot. «Ich als regelmässiger Kirchgänger lasse mir das Wort aber nicht verbieten und trete für Recht und Gerechtigkeit ein.»   Keine Plattform bieten   Als es seiner Frau aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich war, den Gottesdienst zu besuchen, brachte ihr Edmund Chrobot die Krankenkommunion in einem speziellen Gefäss nach Hause. Als er dieses Ende April in der Sakristei zurückbringen wollte, traf er erneut auf Pfarrer Gamba. Dieser habe Chrobot verbal angegriffen und ihn beschuldigt, mit seinem Verhalten eine «Todsünde» zu begehen. «Danach habe ich erfahren, dass er alle Kommunionshelfer anwies, mir die Kommunion zu verweigern», sagt Chrobot.   Der Vorwurf der Beschimpfungen durch Fulvio Gamba weist Anwalt Dario Zarro zurück. «Edmund Chrobot wurde von Pfarrer Gamba darauf hingewiesen, dass er sein Verhalten für nicht korrekt halte und dass dieses nicht mit den christlichen Werten vereinbar sei», sagt Zarro. Die Ereignisse seien danach im Pfarreirat thematisiert worden. «Dieser musste zur Kenntnis nehmen, dass Edmund Chrobot mit allen Mitteln versucht, Unruhe zu stiften», sagt Zarro. Er habe darum beschlossen, ihm keine Plattform für einen Auftritt zu geben. Von einem Befehl Gambas, ihn nicht mehr mit der Kommunion zu bedienen, könne aber keine Rede sein. «Natürlich ist es Edmund Chrobot nicht verwehrt, in allen katholischen Kirchen zum Kommunionempfang zu gehen», sagt Zarro. Würde er dies weiterhin bewusst in der lokalen Kirchgemeinde tun, würde man sich nicht dagegen wehren. «Allerdings würde dies einer weiteren öffentlichen Provokation gleichkommen, was letztlich auch dem Grundverständnis der Kommunion widersprechen würde: mit Christus und der kirchlichen Gemeinschaft verbunden sein zu wollen.»   Momentan laufen die letzten Befragungen der Administrativuntersuchung der Rekurskommission.  

Im November 2016 wurde Fulvio Gamba mit 88 Ja- gegen 52 Nein-Stimmen zum neuen Pfarrer der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Egg gewählt. Zuvor arbeitete er zweieinhalb Jahre als Pfarradministrator. Zur Kirchgemeinde gehören auch die Orte Maur, Oetwil am See und Mönchaltorf.
 
Kurz nach der Wahl wurde von verschiedenen Seiten Kritik am neu gewählten Pfarrer laut. Die Vorwürfe reichen von Mobbing über Demütigung bis hin zu jähzornigen Ausbrüchen. Es sei darum in der Kirchgemeinde bereits zu Kündigungen von Mitarbeitern des Pfarramts gekommen. Auch Kirchenpflegepräsident Louis Landolt geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Dieser ist bereits seit 38 Jahren im Amt – zu lange, finden einige. Er würde die Augen vor der Situation verschliessen und den Pfarrer schützen, indem er das Problem verleugne. Sowohl Gamba als auch Landolt weisen die Vorwürfe zurück.
 
Der Mönchaltorfer Jürg Simeon reichte im März eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Kirchgemeinde bei der Rekurskommission der Römisch-katholischen Kirche des Kantons Zürich ein. Diese beinhaltet die Anträge, sowohl Fulvio Gamba als Pfarrer als auch Louis Landolt als Kirchenpflegepräsident ihres Amtes zu entheben. Im Moment laufen die Untersuchungen.

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