Politik

«Wir sind immer mehr ins Dilemma geraten»

Nach neun Jahren geben Elvira und Gino Ramadani ihr Restaurant Toscana auf. Mit Gratis-Essen für Bedürftige hat das Wirtepaar landesweit für Aufsehen gesorgt. Doch die Aktion hat die Ramadanis viel Geld gekostet.

«Wir sind immer mehr ins Dilemma geraten»

Herr Ramadani, Sie haben Ende April Ihr Restaurant Toscana aufgegeben. Haben Sie die Gratis-Essen finanziell ruiniert?
Gino Ramadani: Nein, das nicht, aber in einem Jahr hat uns diese Aktion 60’000 Franken Umsatzverlust eingebracht, zuletzt waren es pro Tag durchschnittlich zehn Essen. Manchmal kamen ganze Gruppen, einige auch von weit her. Man kann also sagen, dass ich ein Jahr lang fast gratis gearbeitet habe.

Wurden Sie vom Erfolg der Aktion überrascht?
Ich hätte am Anfang nie gedacht, dass sich so viele Leute melden würden. Am Ende war es aber sicher an der oberen Grenze dessen, was finanziell möglich gewesen ist. Mehr als 3000 Gratis-Essen in einem Jahr – das merkt man natürlich. Das grösste Problem aber waren vor allem diejenigen, die unsere Grosszügigkeit ausnutzten.

Da kamen also Leute, die das Gratis-Essen gar nicht nötig hatten?
Ja, die hatten ganz offensichtlich genug Geld und es wurden mit der Zeit immer mehr. Die haben sich auch nicht vorhin angemeldet, wie das sonst die meisten Gäste getan haben. Und dann traten diese Leute häufig auch noch sehr fordernd auf.

Und die mussten trotzdem nicht bezahlen?
Nein, ich wollte nicht streiten oder diskutieren, das ist nicht meine Art. Ich habe einfach mitgespielt und so getan, als würde ich ihnen glauben.

Bereuen Sie es heute, die Gratis-Essensaktion überhaupt ins Leben gerufen zu haben?
Auf keinen Fall! Wir haben uns immer sehr gefreut, wenn Gäste zu uns gekommen sind, die sich sonst keinen Restaurantbesuch leisten konnten. Auch haben wir sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, die uns regelmässig aufs Neue bestätigt haben, dass wir das Richtig tun. Wir sind aber immer mehr in ein Dilemma geraten. Wegen des Verlusts und der unehrlichen Leute hätten wir eigentlich mit der Aktion aufhören müssen, doch aus Respekt gegenüber unseren vielen Gästen mit wenig Geld konnten und wollten wir das nicht.

War das schliesslich der Grund, weshalb Sie Ihr Restaurant Ende April aufgegeben haben?
Es war ein Grund, aber nicht der einzige. Wir brauchen jetzt einfach mal eine Verschnaufpause. Ein Restaurant zu führen, bedeutet sehr viel Arbeit, wenig freie Zeit, und selbst in den Ferien denkt man immer ans Geschäft und telefoniert.
Wie werden Sie jetzt beruflich weitermachen?
Das kann ich im Moment nicht sagen. Das Restaurant Toscana ist mein fünftes Lokal, die ersten vier habe ich in Berlin geführt. Als ich in Greifensee anfing, habe ich mir gesagt, dass ich das zehn Jahre machen werde. Jetzt sind es halt neun geworden, weil ich einen guten Nachfolger gefunden habe. Er ist mein Nachbar, ich kenne ihn gut. Er kommt auch aus der Gastronomie und ich bin mir ganz sicher, dass das Restaurant bei ihm in guten Händen ist.

Wird Ihr Nachfolger mit der Gratis-Aktion weitermachen? Es werden sich ja bestimmt weiterhin Leute bei ihm melden.
Das weiss ich nicht.

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