Zecken auch in der Stadt aktiv
Auf den Niederschlag folgt Sonnenschein, auf die warmen Temperaturen folgen Schneefälle. Während wir Menschen uns am ständig wechselnden Wetter nur mässig freuen, bringt das Klima die besten Lebensbedingungen für ein kleines, aber nicht ungefährliches Spinnentier: die Zecke.
Auch in den Städten zu Hause
Gemäss Werner Tischhauser, Zeckenforscher an der ZHAW, bietet die Mischung zwischen milden Temperaturen und Niederschlägen die optimale Startbedingung für die neue Zeckensaison. Zudem habe sich das Lebensumfeld der Tierchen weiterentwickelt.
«Mittlerweile halten sie sich nicht mehr nur in Wald- und Wiesengebieten auf, sondern auch in der Stadt», erklärt er. Christoph Bovet, Arzt in der Praxis «Ärzte am Rosenberg» in Winterthur, warnt von den Folgen eines Zeckenstiches. «Dieser kann langjährige Folgen mit sich bringen.»
Von Viren und Bakterien
Die häufigsten Krankheiten, die auf einen Zeckenstich folgen können, sind die Viruserkrankung Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die bakterielle Erkrankung Borrelliose. Beide zeigen sich zu Beginn harmlos. Christoph Bovet erzählt: «Ein Zeckenstich gleicht optisch einem Mückenstich. Die betroffene Person sieht eine kleine Einstichstelle.»
Sobald sich aber eine Rötung um die Stichstelle ausbreite, solle man schleunigst zum Arzt: Diese deutet auf die bakterielle Erkrankung Borreilose hin. Sicher sagen, ob man sich infiziert hat, könne man aber nur durch eine Blutkontrolle.
Anschliessend werde der Patient mit Antibiotika behandelt. So würde das Risiko auf Spätfolgen verringert werden.
Eine un- oder zu spät behandelte Borreilose kann zu Gelenk-, Nerven- oder Herzmuskelentzündungen führen.
Christian Bovet führt aus: «Diese Leiden ziehen sich dann meist über mehrere Wochen oder Monate hin. Daher rate ich, sich immer genau auf Zecken zu untersuchen und lieber einmal zu viel zum Arzt zu gehen.»
Bei der Viruserkrankung FSME zeigt sich der Befall in einer anderen Form. Harmlose Grippesymptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen breiten sich aus. Das körpereigene Abwehrsystem wehrt sich gegen den Virus und scheidet diesen durch Fieber aus. Meist liegt der Betroffene zehn bis vierzehn Tage im Bett und seucht die Viruserkrankung durch.
«Schlimme oder sogar tödliche Fälle durch die Frühsommer-Meningoenzephalitis sind selten», weiss Christoph Bovet. Jedoch rät er klar zur Impfung gegen die Viruserkrankung. «Jede vorbeugende Behandlung kann helfen.»
Weiterhin Freude an der Natur
Auch Werner Tischhauser hat sich mit den Folgen von Zeckenstichen auseinandergesetzt. Dabei entstand in Zusammenarbeit mit dem Winterthurer App Entwickler Andreas Garzotto GmbH die Präventions-App «Zecke».
Diese beinhaltet Informationen über die Tierchen sowie Tipps, wie man sich vor ihnen schützen kann. Das Wichtigste sei aber, sich nicht von medialer Hysterie anstecken zu lassen. «Wir dürfen uns nicht die Freude an Outdooraktivitäten vermiesen lassen, sondern sollen uns weiterhin an der Natur erfreuen.»

