In Geldscheine gekleidet
Vor einigen Tagen habe ich im Zug ein Modeheft gefunden und durchgeblättert. Die Models blickten mir mit einer Mischung von Langweile und Trauer entgegen. Die Kleider, die sie präsentierten, trugen die Labels Gucci, Dolce&Gabbana oder Giorgio Armani. So weit so schön, dachte ich mir, bis ich mir die Preise etwas genauer angeschaut habe. Dabei traf mich schier der Schlag.
Machen wir den Test: Was denken Sie, wie viel diese Tasche von Dolce&Gabbana kostet? Sie ist 20x15x6,5 Zentimeter klein und aus Leder.
(Screenshot: Dolce&Gabbana)
1200 Franken. Ich wiederhole: 1200 Franken.
Oder diese dezente rosa Bluse von Gucci aus 100 Prozent Seide.
(Screenshot: Gucci)
Für 960 Franken gehört die Bluse Ihnen. Läppische 960 Franken für eine Uni-Bluse.
Ich besitze kein einziges Kleidungsstück einer edlen Marke. Mein Kleiderschrank ist zu einem grossen Teil mit Klamotten aus dem H&M bestückt und dazwischen einige Teile, die ich von einer meiner Schwestern geklaut habe.
Dahinter steht kein Prinzip, Edelmarken grundsätzlich zu vermeiden. Ich habe nun einmal einfach einmal nicht das Geld, um mir eine Tasche für einige Tausend Franken zu kaufen. Aber fast noch wichtiger: Ich habe nicht den Wunsch, mir eine Tasche für einige Tausend Franken zu kaufen. Das wichtigste Kriterium bleibt doch, ob einem das Teil überhaupt gefällt. Und mir gefallen auch Taschen für unter 100 Franken.
Klar, Edelmarken sind teuer. Das ist nichts Neues.
Aber manche übertreiben die Designernummer völlig. Vor vier Jahren hat es der Rapper und Designer Kanye West doch tatsächlich geschafft, ein weisses T-Shirt für 120 Dollar zu verkaufen. Das Teil war innert Stunden vergriffen.
Ein weisses T-Shirt.
120 Franken.
Gratuliere Menschheit. Da rege ich mich auch nach vier Jahren noch darüber auf.