Stefan Büsser macht seinen Humor zur Medizin
Ob aus den Best-of-Videos der Kuppelsendungen «Bachelor» und «Bachelorette» oder als Moderator der Swiss Music Awards: Stefan Büsser ist ein bekanntes Schweizer Gesicht und hat eine genauso bekannte Stimme.
Der 32-Jährige begann seine Karriere 2008 als Moderator bei Radio Top und hat mittlerweile seine eigene «Büsser Show» auf dem nationalen Radiosender SRF 3. 2011 präsentierte er sein erstes Comedyprogramm «Der Büsser» und steht seither regelmässig auch als Comedian auf der Bühne.
Am Freitag, 28. April, tritt er mit seinem neuen Programm «Au(r)a» im Zentrum Oberwis in Seuzach auf. In «Au(r)a» behandelt er ein ernstes Thema mit Witz und Humor: die erbbedingte Stoffwechselkrankheit Cystische Fibrose. Stefan Büsser leidet selber seit seiner Kindheit daran.
Der Comedian verrät, warum Lachen die beste Medizin ist, und wie er gelernt hat, mit seinem Handicap umzugehen.
Am 28. April kommen Sie mit Ihrer Tour «Au(r)a» nach Seuzach. Wie blicken Sie dem Auftritt entgegen?
Stefan Büsser: Ich bin jetzt sozusagen im Schlussspurt meiner Tour. Ende Mai ist die grosse Derniere im Kaufleuten in Zürich. Die
Region Winterthur ist für mich natürlich speziell, weil ich hier meine Karriere als Radiomoderator gestartet hatte. Ausserdem ist der Saal in Seuzach mit fast 500 Plätzen einer der grössten auf dieser Tour. Umso schöner ist es daher, dass ich am 28. April vor vollem Haus spielen darf.
Was ist die Kernaussage von «Au(r)a»?
Dass Lachen die beste Medizin ist. Mein Programm ist in einer Zeit entstanden, in der es mir nicht sonderlich gut ging. Ich musste das erste Mal stationär behandelt werden. Aber gerade in solchen Situationen können sehr komische Sachen entstehen. Einige davon haben es jetzt auf die Bühne geschafft.
Im Programm «Au(r)a»behandeln Sie ihre Krankheit Cystische Fibrose mit Witz und Humor. Wie haben Sie gelernt, auf diese Weise mit Ihrem Handicap umzugehen?
Es ist einer der Wege damit umzugehen, ja. Es ist aber nicht so, dass dieses Programm für mich therapeutische Wirkung hat, und ich mir vom Publikum meine Behandlung in Form von Tickets bezahlen lasse. Es ist mein Naturell, in schwierigen Situationen mit Humor zu reagieren. Nicht nur bei gesundheitlichen Problemen.
Auf der Bühne sind Sie als Comedian bekannt. Welche Rolle nimmt Humor in Ihrem Alltag ein?
Ich lache gern und viel. Ich schaue pro Tag mindestens eine Stunde Late-Night-Shows und Stand-up-Comedians auf YouTube. Ich weiss gar nicht, wie andere Menschen den Tag ohne das überstehen können.
Sie beziehen Krankenhäuser und Facebook in Ihr Comedyprogramm mit ein. Welchen Hintergrund hat das ausgewählte Zusammenspiel zwischen Medizin und Social Media?
Etwas vom wenig Schönen im Spital ist das Mitleid, dass man kriegt. Das geht heute auf Social Media am einfachsten. Darüber hinaus streicheln wir unser Ego mit jedem Selfie, dass ein Like bekommt. Das hat eine therapeutische Wirkung. Gleichzeitig ist es gefährlich, wenn die Likes ausbleiben und die Online-Freunde-Blase zerplatzt. Im Spital und in den sozialen Medien sollte man sich nur auf echte Freunde verlassen.
Welche Publikumsreaktionen sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
Oft kommen Eltern von Kindern nach der Show, deren Nachwuchs an der gleichen Krankheit leiden wie ich. Das sind immer sehr schöne Begegnungen. Mein Auftreten macht ihnen Mut für die Zukunft ihrer Kinder, die von den Ärzten eher grau-schwarz gemalt wird. Dass ich für diese Eltern etwas Positives bewirke, gibt auch mir immer wieder Antrieb.
Erhielten Sie schon negative Reaktionen, weil Sie Ihr Schicksal auf der Bühne so locker hinnehmen?
Nein, das kam bisher noch nie vor. Die wenigsten trauen sich, solche Themen direkt anzusprechen. Wer will schon zu einem Kranken hingehen und sagen: «Ich find dich scheisse.» Ich bin sicher, einige sehen das kritisch. Das kann ich verstehen.
Haben Sie ein Rezept, wie mit einem Handicap am besten umzugehen ist?
Hätte ich das, wäre ich reich und müsste nicht mehr auftreten oder arbeiten. Die Rezepte sind wohl so vielfältig wie die Handicaps.

