Wie tot ist das Grüninger Stedtli?
Jetzt also auch noch der «Hirschen». Der Satz geht dieser Tage wohl manch einem Grüninger durch den Kopf. Vergangene Woche schloss das über 500-jährige Traditionsrestaurant seine Türen. Es soll wieder aufgehen, wenn ein neuer Wirt gefunden ist. Aber fürs Erste ist das Leben aus der Gastwirtschaft gewichen.
Es wird leer im Stedtli: Dieser Eindruck kommt leicht auf, wenn man sich die jüngere Entwicklung vor Augen führt. Vor 20 Jahren gab es hier noch einen Volg, das Haushaltswarengeschäft Kessler, die Drogerie Fröhlich. Das Heimatwerk Bauma war mit einer Filiale präsent. Hans Salzmann führte ein Elektrogeschäft, Esther Steinmann einen Wolleladen. Zuletzt ging vor vier Monaten Sylvias Porzellanladen zu. Und es ist in Grüningen ein offenes Geheimnis, dass kommendes Jahr auch die ZKB ihre Filiale dichtmacht.
«Ich war überrascht, wie schnell der Wandel kam.»
Ernst Kessler
Der Krebsgang ist offenkundig – auch für Tina Kessler, ihren Ehemann Ernst und Werner Fröhlich. Die drei sitzen im Wohnzimmer des Altstadthauses der Kesslers und erzählen, wie sie den Wandel erleben. Die Gebrüder Kessler zügelten ihre Spenglerei 1998 aus Platzgründen in einen anderen Grüninger Ortsteil, nach Binzikon. Den dazugehörenden Haushaltswarenladen schlossen Ernst Kessler und seine Frau Tina 2004. Er sagt: «Ich war überrascht, wie schnell der Wandel kam.» Werner Fröhlich verleiht dem Nachdruck: «Ganz rapide hat es gewechselt.»
Verhängnis Wässeri

