Politik

«Eine Katze ist viel zu schnell für einen Dachs»

Ein Anwohner findet seine tote Katze mit abgebissenem Kopf auf dem verwilderten Nachbargrundstück. Der konsultierte Tierarzt macht dafür einen Dachs verantwortlich. Doch Urs Philipp, der Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung, zweifelt an dieser Version.

«Eine Katze ist viel zu schnell für einen Dachs»

Für den Nachbarn eines verwilderten Grundstücks am Blumenweg in Uster war es der Schock seinen Lebens. Erst vor einigen Monaten zugezogen, liess er seine Katze Schina vorletzte Woche das erste Mal ins Freie. Als sie nicht nach Hause zurückkehrte, machte er sich auf die Suche nach ihr – und fand sie schliesslich auf dem angrenzenden Grundstück, halb eingegraben und mit abgebissenem Kopf.

Auf dem brach liegenden Areal leben mehrere Füchse, über deren Uringestank sich die Nachbarn ärgern. Gemäss einem Bericht im «Regio» ordnete der beigezogene Tierarzt den Vorfall jedoch einem anderen Wildtier zu: dem Dachs.

Für Urs Philipp, den Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich, wäre es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass ein Dachs eine Katze erwischt.

Urs Philipp, kann es sein, dass ein Dachs in einem Wohnquartier eine Katze tötet und ihr den Kopf abbeisst?

Urs Philipp: Es wäre doch sehr aussergewöhnlich, wenn ein Dachs seinen Bau mitten in einem Siedlungsgebiet hätte. Und Katzen entsprechen auch gar nicht dem Beuteschema von Dachsen. Diese fressen Schnecken, Würmer, Käfer und auch mal eine Maus. Katzen sind für sie viel zu schnell. Möglich wäre es nur, wenn eine Katze verletzt ist, weil sie vielleicht von einem Auto angefahren wurde und nicht mehr flüchten kann.

Was für ein Tier könnte die Katze den sonst getötet haben?

Ich tippe eher auf einen Fuchs; der abgebissene Kopf könnte darauf hinweisen. Gerade junge oder kleine Füchse beissen Beutetieren, die sie aufgrund ihrer Grösse nicht abtransportieren können, gerne ein Körperteil ab, das sie zu tragen imstande sind. Und beim Kopf geht das am leichtesten. In dieser Jahreszeit haben Füchse richtig Kohldampf, da sie Junge im Bau haben, die gesäugt werden wollen, und dafür braucht es viel Energie. Letztlich ist eine gesunde Katze aber auch für einen Fuchs zu schnell und zu beweglich. Ebenso gut könnte es sein, dass es in diesem Fall ein frei laufender Hund war, der die Katze getötet hat.

Welche Wildtiere, die im Siedlungsgebiet leben, können Hauskatzen denn überhaupt gefährlich werden?

Ausser einem Fuchs oder einem herumstreunenden Hund gibt es kein Tier, dass eine gesunde, ausgewachsene Katze erbeuten könnte. Für Marder zum Beispiel sind Katzen viel zu gross. Und Katzen würden sich auch nicht auf einen Kampf mit einem Marder einlassen, sondern davonrennen. In der Nachbarschaft des Besitzers der getöteten Katze gibt es ein verwildertes Grundstück, auf dem mehrere Füchse leben. Das wird von einigen Anwohnern als massiv störend empfunden.

Werden Füchse in solchen Fällen auch mal geschossen?

Wenn das wirklich gravierende Probleme sind, können sich die Anwohner in der Regel an die örtliche Jagdgesellschaft wenden, und diese muss dann die Sachlage beurteilen. In einem Wohnquartier, wo nur in absoluten Ausnahmefällen gejagt wird, muss dabei zuerst die Frage nach der Sicherheit geklärt werden. Ohnehin ist bis Mitte Juni Schonzeit. Und es kommt auch immer drauf an, ob das Land eingezäunt ist oder was der Besitzer des betreffenden Grundstücks dazu sagt.

Gibt es eine Alternative zum Abschuss von Füchsen?

Am besten wäre es, schon viel früher Massnahmen zu ergreifen. Dazu gehört zum Beispiel, sie nicht zu füttern und kein Katzenfutter nach draussen zu stellen. So werden die Tiere in die Wohnquartiere gelockt, wo sie mehr Nahrung finden als im Wald. Wer einen Fuchs im Quartier sieht, sollte ihn verscheuchen.

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