65 Jahre für den Invaliden-Verein tätig
Der Invalidenverein Winterthur macht sich seit 1929 für körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen stark. Am längsten dabei ist Vereinsmitglied Cyprian Mani. Der 92-jährige Winterthurer half während 65 Jahren tatkräftig mit.
Für diesen Einsatz wird er an der Generalversammlung am Sonntag, 19. März, geehrt. «Es war selbstverständlich, mich für beeinträchtigte Menschen einzusetzen», gibt er sich bescheiden. Cyprian Mani weiss, wovon er spricht. Schliesslich leidet er seit seinem elften Lebensjahr selber an einem Handicap.
Nachkriegszeit mit Folgen
1936 erkrankte Cyprian Mani an Kinderlähmung. Diese Beeinträchtigung macht es ihm sein Leben lang schwer, richtig Anschluss zu finden. «Körperlich oder geistig beeinträchtigt zu sein, war zu dieser Zeit nicht leicht. Die Akzeptanz war praktisch nicht vorhanden», erinnert sich der 92-Jährige.
Als er 1946 in die Eulachstadt kam, seien die Jobs rar gewesen – eine Folge der Nachkriegszeit. Und mit seiner Beeinträchtigung sei es noch schwieriger gewesen. Aber Cyprian Mani hatte Glück: Als gelernter Schneider erhielt er eine Stelle bei der Firma PKZ. «Meine Schneiderkünste waren wohl gefragt», fügt er schmunzelnd an.
Durch Zufall wurde er 1952 auf den Invalidenverein Winterthur aufmerksam. Er entschloss sich, diesem beizutreten. «Ich besuchte daraufhin unter anderem kranke Menschen, die sich einsam fühlten, und sprach mit ihnen über Alltagsprobleme. Es bereitete mir eine grosse Freude, helfen zu können», erzählt der Winterthurer.
Über die Jahre hinweg habe er sich nach oben gearbeitet und sei schliesslich im Vorstand tätig gewesen. Nach dem Rücktritt des damaligen Präsidenten Fritz Roth im Jahr 1974 übernahm Cyprian Mani dieses Amt.
Spendenaufrufe für den Verein
Auch als Präsident führte er die Krankenbesuche fort. Nebenbei habe er sich um die Aufgabenverteilung der Mitglieder und um finanzielle Angelegenheiten gekümmert. «Der Verein musste über die Runden kommen. Das Geld von den Mitgliederbeiträgen allein reichte dafür nicht», erinnert sich Cyprian Mani.
Aus diesem Grund verschickte der Verein Spendenbriefe und sammelte Geld. «Man musste die Menschen damals aufrütteln, um ihre Augen gegenüber Beeinträchtigten zu öffnen», bemerkt der 92-Jährige. Heute sei die Akzeptanz grösser.
Das bestätigt auch die heutige Präsidentin des Invalidenvereins Winterthur, Rösli Sauter. «Verbesserungspotenzial gibt es nach wie vor. Der Invalidenverein steht mittlerweile finanziell aber auf sicheren Beinen. In Winterthur haben wir somit eine gute Entwicklungsgrundlage geschaffen.»
Eine prägende Zeit
Für Cyprian Mani seien die 65 Jahre beim Invalidenverein prägend gewesen. «Diese Zeit hat mein Leben lebenswert gemacht.» Er sei stolz darauf, einen sozialen Beitrag geleistet zu haben.
Mittlerweile wohnt der 92-Jährige Mani, zusammen mit seiner Frau Annemarie, im Pflegeheim Wiesengrund in Winterthur. «Hier komme ich zur Ruhe und blicke auf ein schönes Leben zurück.»

