Matthias Mölleney, in der TV-Sendung «DOK» vom Donnerstagabend sprechen Sie sich für eine spezielle Art der Frauenquote aus.
Matthias Mölleney: Genau. Statt einer Frauenquote bei der Besetzung von Stellen rate ich Unternehmen, einen bestimmten Prozentsatz an Bewerbungen festzulegen, die von qualifizierten Frauen stammen müssen. Dies zwingt die Unternehmen dazu, die Stellen so auszuschreiben, dass sich Frauen vermehrt angesprochen fühlen. Ich setze damit also einen Schritt früher an.
Und was spricht Frauen an?
Das sind Arbeitszeitmodelle, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Auch firmeninterne Kinderkrippen können eine Rolle spielen.
Um das zu vermitteln, reicht ein einfaches Stelleninserat?
Nein, denn dann glaubt das natürlich keiner. Die Firmen müssen ihre Unternehmenspersönlichkeit insgesamt verändern und das im öffentlichen Auftritt auch zeigen.
Viele Firmen haben sich bezüglich flexibler Arbeitszeit ja erst wegen des Fachkräftemangels bewegt. Wie hoch ist derzeit der Anteil an Teilzeitstellen?
In der Schweiz sind es 36 Prozent der Angestellten, die 90 Prozent oder weniger arbeiten, Tendenz steigend. In traditionelleren Branchen sind Mitarbeiter mit Teilzeitpensen noch Exoten. Anders ist es zum Beispiel in IT-, Telekom- oder Medienunternehmen, wo Teilzeitanstellungen längst der Normalfall sind.
Teilzeit ist also die Zukunft?
Man sollte sich künftig vermehrt fragen, was die Bedeutung von Arbeitszeit ist. Ein Tramchauffeur ist in acht Stunden doppelt so produktiv wie in vier. Hier macht die Messung der Leistung in Zeit durchaus Sinn. In vielen Berufen könnte man aber auch einfach quantitative und qualitative Ziele vereinbaren. Danach wäre es Sache des Arbeitnehmers, ob er gerne ein paar Pausen einlegt, oder ob er schneller macht und dann vielleicht die Kinder von der Schule abholt. Wenn die Leistungsziele klar sind, dann ist die Arbeitszeit nur noch sekundär.

