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Politik

Wie sich der Fachkräftemangel im Oberland bemerkbar macht

Oberländer Firmen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Zu ihnen gehören der Getränkehof Oberland und die Howo Betriebs AG in Wolfhausen. Die Abwertung körperlicher Arbeit ist das Hauptproblem.

Wie sich der Fachkräftemangel im Oberland bemerkbar macht

Seit nunmehr 15 Jahren leitet Silvan Kuhnen die Getränkehof Oberland G. Kuhnen AG in Wolfhausen. Es ist ein kleiner Familienbetrieb mit 14 Angestellten. Die meisten von ihnen sind als Chauffeure im Einsatz. Sie müssen sich gut im Oberland auskennen, damit sie die Getränkeharassen pünktlich am richtigen Ort ausliefern. «Unsere Kunden befinden sich allesamt in der Region», sagt Kuhnen. Am liebsten würde er deshalb Mitarbeiter aus dem Oberland beschäftigen. Wenn er denn könnte. Fakt ist: Er findet praktisch keine mehr aus der Region.

Viele Leute würden zwar noch im Oberland wohnen, aber zum Arbeiten nach Zürich fahren. «Das Pendeln hat massiv zugenommen», sagt Kuhnen. Die Verbundenheit mit der Region sei im Gegenzug rückläufig. Eine fatale Entwicklung für Unternehmen wie den Getränkehof: «Das Regionale ist ein wesentlicher Teil unserer Firmenkultur. Unsere Fahrzeuge sind hier überall bekannt», sagt er. Wenn die Kunden die Chauffeure persönlich kennen, kann Vertrauen entstehen – und Bindung.

 

Als Kuhnens Grossvater und sein Vater den Getränkehof leiteten, lebten die meisten Chauffeure in der Gemeinde Bubikon. Oft stammten sie sogar aus Wolfhausen. Sie nahmen ganz selbstverständlich am Dorf- und Vereinsleben teil. Eine solche Allianz zwischen Region und Betrieb kann der 40-Jährige nicht mehr feststellen. Heute kommen die meisten Mitarbeiter von weiter her. Mit dem Oberland verbindet sie persönlich nicht mehr viel. Das Zugehörigkeitsgefühl ist entsprechend gering. Früher hätten sich die Mitarbeiter des Getränkehofs als Teil einer Community verstanden, sagt Kuhnen. Die Leistungsbereitschaft sei entsprechend hoch gewesen.

Diese Einstellung trifft der Geschäftsführer kaum noch an. Für Kuhnen ist das ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, kein Sonderfall in seiner Branche oder in seinem Betrieb. Viele Menschen würden die Arbeit oft nur noch als Vorlauf zum Feierabend ansehen. Identifikation mit dem Betrieb? – Fehlanzeige. Allzu oft musste Kuhnen erleben, dass neue Mitarbeiter schon nach kurzer Zeit das Handtuch warfen und zum nächstbesten Unternehmen wechselten. «Es ist schwierig geworden, neuen Mitarbeitern unsere Firmenkultur nahezubringen. Sie haben nicht die gleiche Einstellung und Arbeitsmoral wie die langjährigen Angestellten», sagt der Getränkehändler. In letzter Zeit habe er gezielt auch ältere Mitarbeiter gesucht. «Sie wissen, worauf es im Berufsleben ankommt, sind zuverlässig und bringen Erfahrung mit.»

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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