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Eine Kirche als Event-Lokal

André Keller baute die reformierte Kirche in Kappel zu einem Event-Lokal aus. Nun können dort auch gleichgeschlechtliche Trauungen durchgeführt werden.

André Keller in der erworbenen Kirche, als sie gerade umgebaut wurde. (Archivbild: David Kündig), Hochzeiten sind laut André Keller im «Dömli» weiterhin möglich – nur muss der Pfarrer selber organisiert werden. (Archivbild: David Kündig)

Eine Kirche als Event-Lokal

Am Anfang war die Skepsis, erinnert sich André Keller. Dass er die reformierte Kirche kaufen wollte, kam im sankt-gallischen Ebnat-Kappel nicht überall gut an. Doch durch die Fusion der beiden Dörfer gab es schlichtweg zu viele Kirchen in der Gemeinde. Im März 2014 genehmigte die Kirchgemeindeversammlung schliesslich den Verkauf an den Mönchaltorfer Unternehmer, vor einem Jahr eröffnete er das zum Event-Lokal umgebaute «Dömli».

Teurer Unterhalt

Zwar sei der Kaufpreis von 230 000 Franken relativ günstig gewesen. Aber: «Der Unterhalt der Kirche kostet rund 30 000 bis 50 000 Franken im Jahr», sagt Keller. «Darum wollte sie die Kirchgemeinde ja auch verkaufen.» Für den Umbau hat er zusätzlich rund eine Viertelmillion investiert. Noch wirft die Vermietung der Kirche nicht genügend Geld ab, um die anfallenden Kosten zu decken.

«Dass es das Angebot überhaupt gibt, muss erst einmal die Köpfe der Leute erreichen», sagt Keller. Im letzten Jahr habe es rund fünf Vermietungen an Privatpersonen gegeben. «Aber wir führten zehn Eigenproduktionen wie Theater oder Konzerte durch, bei denen wir durch Billettverkäufe Einnahmen hatten», sagt Keller. Auch wenn nicht immer alle Veranstaltungen ausverkauft waren, ist er mit dem bisherigen Interesse am «Dömli» zufrieden und optimistisch, dass die Nachfrage weiter steigen wird.

Hochzeiten möglich

André Keller hatte schon lange den Wunsch, einmal ein eigenes Theater zu besitzen. «Richtig auf der Suche war ich aber nicht», sagt er. Als er für die Betriebserweiterung seiner Frike Group mit Sitz in Mönchaltorf ein Stück Land in Ebnat-Kappel erwarb, bot ihm der Verkäufer halb im Scherz auch noch die Kirche an. «Da dachte ich mir: Warum eigentlich nicht?»

Kritik daran, dass eine geweihte Kirche in private Hände fällt, kann André Keller verstehen. «Für viele Familien ist diese Kirche ein Teil ihrer Geschichte, ihrer Tradition», sagt er. «Hier wurden Ehen geschlossen, Kinder getauft und Verstorbene verabschiedet.» Der Friedhof, der an die Kirche angrenzt, wird weiter von der Gemeinde gepflegt.

Von den ehemaligen Skeptikern im Dorf erhalte er heute aber positives Rückmeldungen, Reklamationen seien bisher keine eingegangen. Hochzeiten sind zudem im «Dömli» weiterhin möglich, sogar gleichgeschlechtliche Trauungen sind willkommen. «Im Kaufvertrag ist genau festgehalten, was möglich ist und was nicht», sagt Keller. So dürfen etwa keine sektiererischen Gemeinschaften die Kirche mieten, und auch ein Erotikzentrum ist nicht gestattet. Ansonsten sei von der normalen bis zur skurrilen oder bizarren Feier vieles möglich.

Weiterhin kultureller Ort

Noch musste er keine Anfragen für Events ablehnen, zumindest nicht aus ideologischen Gründen. Wenn, dann habe die Infrastruktur nicht zum Anlass gepasst. Sogar das Schweizer Fernsehen habe das «Dömli» schon einmal für eine Durchführung des «Samschtig-Jass» geprüft, sich schliesslich aber für einen anderen Ort entschieden. «Eine Kirche ist ein kultureller Ort», sagt Keller. «Das soll sie auch in ihrer neuen Funktion bleiben, einfach etwas erweitert.»

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