Politik

Winterthurer und Eritreer tauschen Kulturen aus

Die Winterthurer Irene Willi und Sohn Philipp Maurer lehren dem Eritreer Habtom ­Tesfamikael Deutsch. Aus dem Projekt des Vereins Solinetz entstand eine Freundschaft zwischen zwei Kulturen.

Winterthurer und Eritreer tauschen Kulturen aus

Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten müssen. Menschen, die lebensgefährliche Wege auf sich nahmen, um an einen sicheren Ort zu kommen. Diese Schicksale berühren. So auch die 53-jährige Irene Willi und ihren Sohn Philipp Maurer.

«Als ich in den Medien von ­diesen Flüchtlingsströmen gehört hatte, war ich stark betroffen. Ich wollte etwas tun und nicht einfach wegschauen, wenn Menschen unter unmenschlichen Verhältnissen leben müssen», erzählt die Winterthurerin. Sie entschied deshalb im vergangenen Oktober, sich in der Schweiz eines Flüchtlings anzunehmen.

Die 53-Jährige meldete sich für das Tandemprojekt von Solinetz an. Seit vier Monaten treffen sie und ihr Sohn wöchentlich den 34-jährigen Eritreer Habtom Tesfamikael, um mit ihm Deutsch zu lernen und ihm die Kultur der Schweiz näher zu bringen. Was anfangs als Projekt startete, entwickelte sich zu einer Freundschaft.

Der Verein Solinetz setzt sich für Menschen ein, die aus politischer oder existenzieller Not Zuflucht in der Schweiz suchen. Durch verschiedene Projekte will das Solinetz zur Lebensverbesserung von Flüchtlingen und Sans-Papiers im Raum Zürich beitragen. Eines ­davon ist das 1:1-Tandem-Projekt. Einheimische Bewohner nehmen sich eines Flüchtlings an, um ihm das Leben und die Kultur der Schweiz näher zu bringen. Der ­regelmässige Kontakt soll helfen, das Zusammenleben zu fördern. Deutsch lernen, spazieren oder sonstige Aktivitäten sind Möglichkeiten, sich anzunähern.

Deutsch lernen, um zu arbeiten

Habtom Tesfamikael lebt seit einem Jahr und zehn Monaten in der Schweiz, zusammen mit seiner Freundin und zwei Kindern, in einer Wohnung in der Region. Es fällt ihm schwer, Deutsch zu sprechen. «Seine Muttersprache hat keinerlei Ähnlichkeit zu unserer», erzählt Irene Willi.

Laut der Winterthurerin haben sie mittels Smalltalk die ersten sprachlichen Barrieren abgebaut. «Wir unterhalten uns über das Kochen oder das Wetter. Dies sind Dinge, über die Habtom sprechen kann. Der deutsche Wortschatz wird auf- und ausgebaut», fügt Philipp Maurer an.

Auch Habtom Tesfamikael schätzt die Unterhaltungen und hofft, schnell Fortschritte zu machen. «Ich will mich integrieren. Ich will arbeiten. Jedoch ist es schwer, an einen Job zu kommen, wenn man fast kein Deutsch spricht», erzählt der zweifache Vater.

Kulturen austauschen

Doch auch neben dem Deutschunterricht tauschen die Winterthurer und der Eritreer über ihre Kulturen aus. Zum Beispiel haben Philipp Maurer und Irene Willi ihn, seine Frau und seine Kinder eingeladen, die Afropfingsten zusammen kennenzulernen.

«So wollen wir auch eine Beziehung neben den wöchentlichen Deutschstunden aufbauen», erklärt die 53-Jährige. Im Gegenzug würde die Familie Tesfamikael sie zu einem traditionellen Kaffee einladen. Auch für den Eritreer ist es schön zu sehen, dass man sich auf Augenhöhe begegnet. Irene Willi betont: «Wir arbeiten nicht unter Leistungsdruck.»

Es bereite ihr grosse Freude, die Dankbarkeit und den Willen von Habtom Tesfamikael zu sehen. «Ich möchte ­Menschen aus Krisengebieten eine Chance geben, hier ein Leben aufzubauen», erzählt sie. Deshalb will sie sich auch nach dem Tandemprojekt um Hilfe für Flüchtlinge bemühen. «Ich habe die Möglichkeit dazu. Dafür bin ich dankbar.»

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