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Nächstenliebe mit Integration vereint

Anfang März übernimmt Matthias Nussbaumer die Leitung des Migrantentreffs und der Migrantenhilfe von Kirchenpflegepräsident Markus Holzner. Das Angebot der Reformierten Kirche Mönchaltorf stösst im Dorf auf wachsendes Interesse.

Die Familie von Ali Mohamed wünscht sich einen eigenen Garten in Mönchaltorf. Dank der Migrantenhilfe wird dieser Wunsch bald erfüllt. (Bild: zvg)

Nächstenliebe mit Integration vereint

Markus Holzner, den Migrantentreff gibt es noch nicht einmal ein Jahr und schon gibt es einen Wechsel in der Leitung. Wie kommt es?

Markus Holzner: Ich baue gern Neues auf und gebe es auch gern in kompetente Hände weiter. Als Kirchenpflegepräsident habe ich viele Verpflichtungen und bin froh, dass ich auf engagierte Mitarbeiter zählen kann.

Wie entstand der Migrantentreff?

Holzner: Angefangen hat alles mit der Vermietung des Hauses an der Oberdorfstrasse für die Unterbringung von Asylsuchenden im Dezember 2015. Kurz darauf hat die Kirchenpflege zu einem Begegnungsanlass eingeladen, damit Anwohner, Mitglieder der Kirchgemeinde, Gemeindevertreter sowie der Betreuungsorganisation ORS mit den neuen Bewohnern aus dem Irak und Afghanistan ins Gespräch kommen sollten. Es gab viele positive Rückmeldungen, und im April hat ein Freiwilligenteam den ersten Treff durchgeführt, der seither monatlich jeweils am ersten Freitagabend im Monat in der Chilestube im Mönchhof stattfindet und jeweils bis zu 20 Migranten und 20 Personen aus dem Dorf und der Region anzieht.

Matthias Nussbaumer, Sie übernehmen die Leitung des Teams im März. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Matthias Nussbaumer: Ich bin überzeugt von der Idee der Beteiligung in der Kirche und arbeite gern mit Menschen zusammen. Ich nahm im Herbst zum ersten Mal an einem Migrantentreff teil und war vom Konzept sofort überzeugt. Beim zweiten Treffen hat mich Markus Holzner bereits angefragt, ob ich die Leitung des Teams übernehmen möchte – und nach einer kurzen Bedenkzeit habe ich gern zugesagt. Neben der persönlichen Beziehungspflege sollen bei den Treffs der Kulturaustausch und die Integration aktiv gefördert werden. Weiteres Ziel ist, Hilfe für die Alltagsbewältigung und Unterstützung beim Deutschlernen zu bieten.

Wie sehr spielt die Religion bei den Treffen eine Rolle?

Nussbaumer: Der Glaube an Jesus Christus spielt für einige von uns eine zentrale Rolle. Deshalb bete ich beispielsweise vor dem Essen. Die Migranten haben ganz unterschiedliche religiöse und kulturelle Hintergründe. Ihre Offenheit freut mich sehr.

Holzner: Die Migranten stammen oft aus muslimischen Ländern, es gibt in Mönchaltorf aber auch orthodoxe Christen aus Eritrea oder Tibeter, die noch einmal einen anderen Hintergrund haben. Sie kommen gern und haben selber viele Fragen zum Christentum und zur europäischen Kultur. Damit können viele Vorurteile aus dem Weg geräumt werden – von beiden Seiten. Das ist für mich ein wichtiger Aspekt der Integration.

Inwiefern ist der Migrantentreff mit der Migrantenhilfe verbunden?

Nussbaumer: Bei der Migrantenhilfe geht es um materielle Hilfe und Hilfe zur Bewältigung des Alltags. Oft äussern die Asylsuchenden bei der Teilnahme am Migrantentreff Bedürfnisse, was ihnen noch fehlt. Um sie zu unterstützen, hat die Kirchenpflege im letzten Sommer eine zweckgebundene Sonderrechnung eröffnet, und es wurden Gelder für konkrete Projekte gesammelt. Bereits konnten neue Betten für die Bewohner der Oberdorfstrasse gekauft werden – und sie haben ein eigenes TV- und Internetabo.

Holzner: Viele Wünsche können von einer Person erfüllt werden, für andere braucht es mehrere Spender. Bei der Migrantenhilfe laufen die Fäden zusammen. Momentan sammeln wir Geld für verschiedene Projekte wie beispielweise ein TV- und Internet-Abo für Asylsuchende an der Esslingerstrasse. Für manche mag ein solches Abo nach Luxus tönen, doch wenn ich die Asylsuchenden besuche, läuft öfters ein deutschsprachiger Sender. Sie lernen dadurch also auch schneller Deutsch. Die momentanen Projekte sind auf der Website der Reformierten Kirche aufgeschaltet. Da ist auch die Rede von einem Gemüsegarten für eine irakische Familie.

Nussbaumer: Leider sind die Asylsuchenden dem Beschäftigungsverbot unterstellt, also dürfen sie keiner Arbeit nachgehen. Vor allem der Vater der irakischen Familie leidet sehr darunter. Ein Teammitglied der Migrantenhilfe schlug darum einen Garten vor. Der Vater war von dieser Idee sehr begeistert. Nun suchen wir Spender für das nötige Startkapital von 1000 Franken, um den Schrebergarten mit Geräten auszustatten und das Gartenhäuschen instand zu setzen.

Holzner: Dass er für seine Familie aktiv etwas tun kann, wird ihm sicher gut tun. Er hat schon viele Ideen – doch den Wunsch Reis anzubauen, mussten wir ihm bereits wieder ausreden, dafür ist der Mönchaltorfer Boden einfach nicht gemacht!

Nussbaumer: Diese Familie ist ein gutes Beispiel, wie Integration funktionieren kann. Sie bringen sich aktiv ein und kommen an jeden Migrantentreff. Die vier Kinder gehen bereits in Mönchaltorf zur Schule.

Holzner: Eine enge Zusammenarbeit mit den behördlichen Stellen und Aufsichtspersonen ist dabei sehr wichtig. Für uns gehört das soziale Engagement zur praktischen Nächstenliebe, die wir in der Reformierten Kirche pflegen. Zu helfen ist manchmal auch die grössere Freude als Hilfe empfangen zu dürfen.

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