Politik

Internetshops verdrängen Winterthurer Erotikladen

Der Erotikshop Libosan in Winterthur bekommt die Schattenseiten des Internets zu spüren: Er muss per 4. März seine Türen schliessen. Das physische Verkaufsgeschäft rendiert nicht mehr. Verkäuferin Fabienne Bösch erlebte in den sechs Jahren, die sie bei Libosan arbeitet, schräge Dinge. Wie Männer, die sich ihr nackt präsentieren.

Internetshops verdrängen Winterthurer Erotikladen

Zalando, Amazon oder Amorelie: drei von unzähligen In­ter­netdomänen, die zum Onlineshopping verleiten. Es gibt heutzutage praktisch nichts mehr, das nicht im Internet erhältlich ist. Dies gilt auch für den Erotikmarkt: Sexspielzeuge, Kleidung und Filme können bequem online bestellt oder heruntergeladen werden.

Das bekommt die Filiale der Erotikkette Libosan in Winterthur schmerzhaft zu spüren: Der Shop schliesst per 4. März 2017. «Das Internet hat uns überholt. Der physische Verkauf rendiert nicht mehr», begründet die Verkäuferin Fabienne Bösch. Das sei jedoch nicht immer so gewesen. «Ich begann vor sechs Jahren hier zu arbeiten. Das Geschäft lief besser als heute, das Internet schlich sich leise an.»

80 Prozent sind männlich

Heute gehört das Web zum Alltag dazu. Die Trends hätten sich dadurch in den letzten sechs Jahren aber nicht gross verändert. «Gerade wenn wie jetzt der Valentinstag vor der Tür steht, werden immer noch dieselben Geschenke wie in den letzten sechs Jahren gewünscht – ob im Internet oder physisch», erzählt Fabienne Bösch.

Männer würden oft Dessous für ihre Frauen kaufen oder wollen sie mit einem Vibrator überraschen. «Überhaupt besteht 80 Prozent unserer Kundschaft aus Männern», sagt die 29-jährige Winterthurerin. «Früher waren es einfach zehn, die vor Valentinstag zu uns kamen, heute sind es noch zwei.» Stammkunden hätte sie aber immer noch. «Dies sind vor allem Herren im Alter von 60 plus, die sich DVDs kaufen. Die jüngeren Generationen schauen sich die Pornos heute im Internet an», so Fabienne Bösch.

Fehlende Beratung

Mit Blick auf den Valentinstag: Werden beim Kauf von Geschenken, wie Kleidung und Spielzeuge, oft Fehler gemacht? «Fehlkäufe und Rückbringsel habe ich selten. Durch gute Beratung werden solche vermieden», sagt Fabienne Bösch. Dies sei bei Internetkäufen problematisch. «Keine Beratung führt zu schlechten Einschätzungen und so zu Fehlkäufen.

Rücksendungen häufen sich.» Vor allem Männer hätten oft keine Ahnung von Grössen, ob Dessous oder Spielzeuge. «Ein häufiges Kriterium, das sie bei einem Vibrator nennen: ‹Er darf nicht grösser als mein eigener Penis sein.› Das männliche Ego spielt eine Rolle beim Kauf eines Sexspielzeugs», erzählt die Verkäu­ferin schmunzelnd.

Ein Vorteil, den das Internet mit sich bringe, sei die Anonymität. «Die Kunden schämen sich nicht, online zu bestellen, sie werden nicht erkannt.» Hingegen im Shop komme Schamgefühl häufig vor. Dies hätte sich in den letzten Jahren nicht geändert. Oft werde der Satz «Es ist für einen Kollegen» als Erklärung gebraucht. «Völlig unbegründet. Ich denke nicht darüber nach, wem ich was verkaufe, sondern erledige meinen Job.»

Guter Kontakt mit der Polizei

Trotzdem brachten einige Kunden auch Fabienne Bösch schon an ihre Grenzen. «Ich hatte einige schräge Erlebnisse», erzählt die Winterthurerin. «Männer, die mitten im Laden ihr Glied rausholten, masturbierten oder nackt rumrannten – wenn sich Szenen wie diese abspielen, darf ich nicht unüberlegt handeln», weiss die Detailhandelsfachfrau.

In solchen Fällen würde sie den Betroffenen ermahnen. Einige Male sei auch schon ein Rauswurf nötig gewesen. «Freundlich, aber bestimmend fordere ich den Herrn auf, dass er den Shop verlassen soll. Das funktioniert eigentlich immer.» Und wenn nicht? Dann stehe Bösch in gutem Kontakt mit der Polizei. «Vor allem, wenn Junkies oder Alkoholiker im Laden Schwierigkeiten machen, diskutiere ich nicht. Die Polizei ist innerhalb von vier Minuten hier und klärt die Sache», erzählt die Winterthurerin.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.