Volg in Hinteregg in Gefahr
Einst gab es im Egger Ortsteil Hinteregg vier Restaurants, eine Bäckerei, eine Post und einen Volg mit integrierter Metzgerei. Heute sind davon nur noch das Restaurant Grütli und der Volg übrig – bei einem Umbau vor rund zehn Jahren wurde in diesem zwar eine Cafeteria eingebaut, die Metzgerei aber aufgehoben.
Umfrage für Metzg
Als vor zwei Jahren auch die Metzgerei Alder im Egger Dorfzentrum dichtmachte, wurde Ernst Schenk, dem das Gebäude, in dem der Volg eingemietet ist, gehört, mit einem Flugblatt aktiv.
In einer Umfrage rief er die Hinteregger dazu auf, die verbleibenden Angebote im Ortsteil stärker zu nutzen. Gleichzeitig startete er eine Umfrage, ob das Bedürfnis bestehe, die frühere Frischfleisch-Metzg im Volg wieder zu aktivieren.
Interessent aus Meilen
Mittlerweile wird die ehemalige Metzgerei Alder im Zentrum von einem neuen Betreiber geführt. Trotzdem: «Rund 80 Prozent sprachen sich für eine Metzgerei im Hinteregger Volg aus», sagt Schenk. Auch die Verantwortlichen der Landi Mittlerer Zürichsee, die den Volg in Hinteregg betreiben, begrüssten Schenks Einsatz und die Idee, wieder eine Metzg in den Volg zu integrieren.
«Darum fragte ich bei vielen Metzgern in der Umgebung an, ob sie an der Ladenfläche interessiert wären.» Fündig wurde er im Sommer 2015 bei einem Metzger in Meilen. Während rund eines Jahres hätten sie immer wieder Gespräche geführt, um die nächsten Schritte zu besprechen.
Auch das Lebensmittelinspektorat habe die Infrastruktur überprüft und grünes Licht für den Ausbau gegeben. Dann kam doch alles anders. «Im letzten Sommer zog sich der Metzger aus Meilen wieder aus den Verhandlungen zurück», sagt Schenk. Eine erneute Umfrage bei Geschäften in der Region ergab keine Ergebnisse. «Darum mussten wir die Variante Metzg im Volg begraben.»
Kundenzuwachs in Aussicht
Anfang Januar kam zudem eine Hiobsbotschaft von der Landi Mittlerer Zürichsee: Sie wird das Mietverhältnis im Sommer auflösen und den Volg Hinteregg nicht weiterbetreiben. «Am Telefon wurde mir der Rückzug damit begründet, dass man sich in Zukunft auf das rechte Zürichseeufer konzentrieren wolle», sagt Schenk.
Eine grosse Enttäuschung für den Hinteregger, hatte er sich doch erst vor Kurzem mit der Landi auf einen tieferen Mietzins geeinigt. «Natürlich müssen meine eigenen Kosten gedeckt sein», sagt er. «Aber bei mir steht nicht die Rentabilität an erster Stelle, sondern dass der Laden weiterexistieren kann.» Nun ist er mit der Landi Winterthur bezüglich einer Übernahme im Gespräch. Mitte Februar wird es ein erstes Treffen mit den Verantwortlichen und Ernst Schenk geben.
Hoffnung heisst Kundenzuwachs
Hinter dem Gebäude, in dem der Volg eingemietet ist, strebt die Gemeinde Egg im Gebiet Lindenhof verdichtetes Bauen an; ein Quartier- sowie ein Gestaltungsplan sind in Arbeit. In den nächsten Jahren sollen in diesem Gebiet mehrere Mehrfamilienhäuser entstehen und neue Einwohner nach Hinteregg ziehen. «Diese Tatsache war der Landi Mittlerer Zürichsee wohl zu wenig bewusst», sagt Schenk. Er hofft, dass der anstehende Bevölkerungs- und somit auch potenzielle Kundenzuwachs die Verantwortlichen der Landi Winterthur bei ihrer Entscheidung über eine Ladenübernahme positiv beeinflussen wird.
«Neue Einwohner sind immer auch eine neue Chance», sagt Schenk. «Man muss einfach auf die Kunden zugehen und auf sich aufmerksam machen.» Es sei schmerzhaft zu sehen, dass manche Hinteregger ihren Einkaufswagen am Volg vorbei in Richtung der Grossisten im Dorfzentrum zögen. «Auf dem Rückweg kommen sie nur im Volg vorbei, wenn sie vorher einen kleinen Artikel vergessen haben», so Schenk.
Grosse Konkurrenz
Der Zuzug von Migros und Coop in den letzten Jahren hat Auswirkungen auf das lokale Gewerbe in der ganzen Gemeinde. Im Egger Dorfzentrum schloss vor einem Jahr die PAM-Filiale, der Nachfolger Dubach Lebensmittel gab sogar nach nur einem Jahr den Standort wieder auf. Die Kundenzahl habe gemäss Inhaber Hans Christian Dubach zwar gestimmt, doch die einzelnen Personen hätten zu wenig eingekauft.
Käme der Vertrag zwischen Ernst Schenk und der Landi Winterthur nicht zustande, würde Hinteregg auch noch seinen letzten Lebensmittelladen verlieren. «Am Schluss steht und fällt alles mit der Bevölkerung», sagt Ernst Schenk. In Hinteregg brauche es nicht viel, keine eigene Kirche oder Bank. Aber: «Ein Laden und ein Restaurant sind wichtig. Ein weiterer Verlust wäre schmerzhaft.»
