Mehr Geld fürs Sauber-Team?
Es war Wasser auf die Mühlen der kleinen Teams. Als am letzten Montag der Besitzerwechsel in der Formel 1 vollzogen wurde und sich hernach das neue Management-Team von Liberty Media zu den Zukunftsplänen äusserte, sah sich Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn in ihren Hoffnungen auf fairere Wettbewerbsbedingungen bestätigt.
Die Lücke sei zu gross
«Wir müssen die kleineren Teams stabilisieren und sie auf eine bessere finanzielle Basis stellen», sagte Ross Brawn, einer von drei Nachfolgern Bernie Ecclestones. Die Lücke zwischen den kleinen und den grossen Teams sei zu gross. Seine Idealvorstellung: Ein kleines Team kann in einem guten Jahr mit einem guten Fahrer zum ernsthaften Herausforderer werden. Als Beispiel zieht er den Titel der Fussballer von Leicester City in der Premier League im letzten Jahr herbei. «Das ist in der Formel 1 im Moment nicht wirklich möglich.»
Chancengleichheit – das ist eine Forderung, die von den Privatteams in den letzten Jahren immer lauter gestellt wurde. Sie prangern die ungerechte Verteilung der Preisgelder an, bei der die grossen Teams privilegiert werden. Und sie fordern eine Budgetobergrenze, gerade Kaltenborn machte sich in der Vergangenheit immer wieder dafür stark.
Diskutiert wurde viel, getan nichts, weil die grossen Teams ihre Pfründe schützen wollten. Und Bernie Ecclestone reagierte auf solche Forderungen bisweilen mit flapsigen Bemerkungen wie: «Wer sich die Formel 1 nicht leisten kann, soll es bleiben lassen.»
Nicht mehr nur Einzelperson
Nun aber ist Ecclestone entmachtet, er wurde ersetzt durch Ross Brawn, Chase Carey und Sean Bratches. Nur schon die Tatsache, dass jetzt ein Dreigestirn die Geschicke der Formel 1 lenkt, ist ein positives Zeichen.
Mit einem einzigen Ansprechpartner sei es zwar einfacher, sagt Brawn in einem Interview mit «Auto Motor und Sport», «doch manchmal erreichen Organisationen eine Grösse, in der das nicht mehr so einfach geht. Dann kann es zur Schwäche werden. Zu dritt können wir mehr machen.»
Die Teams ins Boot holen
Machen wollen sie viel: Chase Carey, der im neuen Triumvirat den Vorsitz hat, bezeichnete die Formel 1 als «irgendwo zwischen ineffektiv und dysfunktional» Er liess durchblicken, dass der Entscheidungsfindungsprozess durchleuchtet werden soll. Derzeit spielt darin die «Strategy Group», in der lediglich die sechs grössten Teams vertreten sind, eine grosse Rolle, was von den kleineren Teams stets kritisiert wurde.
Auch hier wollen die neuen Besitzer offenbar für Gleichbehandlung sorgen. Wie Monisha Kaltenborn dem amerikanischen «Racer»-Magazin sagte, wurde sie bereits vom neuen Besitzer Liberty Media kontaktiert. «Sie kamen auf uns zu, was eine andere Art der Geschäftsführung ist.» Es sei gut zu spüren, dass «sie uns zusammen auf derselben Seite sehen.» Dazu passt, dass Liberty Media die zehn Teams – Manor hat nach der Konkursanmeldung vor gut drei Wochen sämtliche Tätigkeiten eingestellt – ins Boot holen will. Dies indem ihnen Anteile angeboten werden. Bis zu 20 Prozent sollen an die Rennställe gehen.
Auch dem Sauber Team wurde eine Offerte gemacht. «Wir haben unser Interesse signalisiert», wird Kaltenborn in der «Frankfurter Allgemeinen» zitiert. Ein erstes Angebot wurde von Sauber abgelehnt, weitere Verhandlungen dürften indes stattfinden.
Verteilkampf steht an
So optimistisch Kaltenborn sich zeigt und so vielversprechend die Stossrichtung der neuen Formel1-1-Machthaber ist: Kurzfristig wird sich nicht viel ändern. Einschneidende Korrekturen sind erst ab 2021 möglich. Bis 2020 gilt das Concorde-Agreement, bis dann ist also beispielsweise die Verteilung der Preisgelder in Stein gemeisselt. Deshalb sagt Brawn: «In Bezug auf die kommerziellen Verträge können wir sehr wenig unternehmen. Die Geldverteilung und Entscheidunsgprozesse sind festgeschrieben.»
Der Kulturwandel braucht also Zeit, und womöglich stehen harte Verteilkämpfe bevor. Liberty Media hat signalisiert, Teams nicht mehr mit Sonderzahlungen priviligieren zu wollen. Ferrari erhält heute neben den Preisgeldern jährlich einen Bonus von rund 100 Millionen Dollar. Dass dieser in Frage gestellt wird ist ebenfalls Wasser auf die Mühlen der kleinen Teams. Dass sich die betroffenen Rennställe aber mit aller Macht dagegen wehren werden, ist absehbar.
Widerstand der Grossen
Zu erwarten ist zudem, dass die von Liberty wieder ins Spiel gebrachte Budgetobergrenze von den Rennställen mit den höchsten Etats torpediert werden wird. Auf die Machbarkeit angesprochen zeigt sich Brawn immerhin verhalten optimistisch: «Bisher haben alle Leute immer gesagt: Das funktioniert nicht. Doch haben wir es jemals ernsthaft versucht?» Es habe ein freiwilliges Abkommen gegeben, doch «das können Sie in einer so konkurrierenden Welt vergessen.»
Seine Hoffnung: «Die Entscheidungsträger in den Teams haben sich seit unserer letzten Diskussion darüber geändert. Vielleicht auch ihre Meinungen dazu.»

