Wird der Insektenburger der neue Big Mac?
Meatballs und Burger sind beliebt. Ist dies aber auch der Fall, wenn nicht Rindfleisch oder Poulet, sondern Mehlwürmer, Heuschrecken und Grillen dafür verarbeitet werden? Dieses Szenario ist keine Zukunftsvision, sondern ab kommendem Mai Realität. Möglich macht das der Winterthurer Christian Bärtsch (kleines Bild) mit seinem Unternehmen Essento. Die Burger und die Meatballs aus Insekten sind ab diesem Frühling in ausgewählten Coopfilialen erhältlich, so wahrscheinlich auch in Winterthur.
Für die Legalisierung gekämpft
Dieses Ziel zu erreichen, sei harte Arbeit gewesen. Das grösste Hindernis bildete das Schweizer Lebensmittelgesetz: Bis anhin war es verboten, Nahrungsmittel aus Insekten zu verkaufen. Essento konnte dies nun ändern. «Mein Geschäftspartner Matthias Grawehr hat hart dafür gearbeitet und gekämpft. Mit Erfolg: Im Mai wird die neue Lebensmittelverordnung in Kraft treten», sagt Christian Bärtsch glücklich. Ab dann darf Nahrung, die aus der europäischen Wanderheuschrecke, der Hausgrille oder den Mehlwürmern hergestellt ist, offiziell verkauft werden. Dies sei ein grosser Schritt, um den Insektenmarkt in die Schweiz zu bringen. Christian Bärtsch will diesen in der Schweiz etablieren, um die Lebensmittelwelt nachhaltiger zu gestalten.
Positiv für Mensch und Umwelt
Denn das Essen aus verarbeiteten Krabbeltieren würde viele Vorteile mit sich bringen – für den Konsumenten und die Umwelt. «Ich beachte immer die folgenden drei Aspekte:
die Gesundheit, die Umwelt und den Geschmack», erklärt der ehemalige Volkswirtschaftsstudent. Insekten würden ähnlich viele Proteine wie Fleisch oder Fisch enthalten. Ausserdem bringen sie Vitamine und Mineralstoffe mit sich, die der menschliche Körper braucht. «Ein weiterer Pluspunkt sind die ungesättigten Fettsäuren, wie sie zum Beispiel in einer Avocado vorhanden sind», fügt Christian Bärtsch an. Ungesättigte Fettsäuren seien gesunde Fette, die der Körper benötige.
Werfe man einen Blick auf die Zucht der Insekten, sei diese viel nachhaltiger als für die gleiche Menge an Fleisch. «Der Ressourcenverbrauch ist minimal. Um die gleiche Menge Insekten wie Fleisch zu produzieren, verbraucht man zehnmal weniger Futtermittel», weiss Christian Bärtsch. Der letzte, aber wichtigste Aspekt für ihn sei der Geschmack: «Die Verarbeitung kann noch so umweltfreundlich sein – wenn etwas nicht schmeckt, wird es nicht gegessen.» Die Tiere haben alle einen Eigengeschmack, vom Haselnuss- bis zum Zitronenaroma. «Insekten werden in vielen Ländern als Delikatesse serviert, nicht einfach als Snack zwischendurch. Geschmacklich gibt es nichts auszusetzen», fügt der Winterthurer an.
Er selber hat das erste Mal auf einer Reise Insekten probiert. Es sei eine Erfahrung gewesen, ohne weitere Hintergedanken. «Ich erfuhr dann durch einen Bericht der Food and Agriculture Organization, welche Vorteile Insekten als Nahrungsmittel haben.» Diese hätten ihn zum Nachdenken angeregt. Er habe sich das Ziel gesetzt, durch Insektenfood die Lebensmittelwelt der Schweiz nachhaltiger zu gestalten.
Das Denken langfristig ändern
Das Essen von Insekten sei, vor allem in der Schweiz, trotzdem immer noch mit vielen Vorurteilen verbunden. Christian Bärtsch könne dies gut nachvollziehen. «Ob etwas gegessen wird oder nicht, hat sehr viel mit Kultur zu tun. Die Schweiz kennt die Kultur der Insekten nicht. Nur darum ekeln wir uns davor.» Dass Insekten lebenswichtig für die Umwelt seien, gehe dabei auch oft vergessen. Christian Bärtsch möchte das Denken der Menschen langfristig verändern. «Es ist eine grosse Mission. Doch mit dem Verkauf dreier Insektenarten ist ein guter Start möglich.»

