Ein Prototyp für sichereres Arbeiten am Herz
Schon dass das GZO-Spital Wetzikon ein Elektrophysiologielabor hat, ist für ein Regionalspital in der Schweiz einmalig. In einem solchen Labor werden nicht irgendwelche chemischen oder elektrischen Experimente gemacht, sondern die Bezeichnung steht für eine Art Operationssaal. In diesem grossen Raum versuchen Spezialisten einerseits herauszufinden, an welcher Art einer Herzrhythmusstörung ihre Patienten leiden, andererseits werden diese Störungen dort auch behandelt.
Hilfe bei Millimeterarbeit
Ein Teil dieser Eingriffe zählt zur sogenannten hochkomplexen Medizin – einem Bereich, wie man ihn sonst nur an Zentrums- oder sehr grossen Privatspitälern findet. Doch es wird noch komplexer: in Wetzikon arbeitet man nämlich seit rund eineinhalb Jahren im Elektrophysiologielabor mit einem Gerät, das es bislang nur einmal auf der Welt gibt. Aeon Phocus heisst das Ding.
Das besondere daran: Mit ihm können Katheter magnetgesteuert und damit extrem zielgenau geführt werden. Katheter, die über einen Schnitt im Oberschenkel via Leistenvene in den Körper des Patienten eingeführt und dann zum kranken Herzen vorgeschoben werden. Dort eliminiert man schliesslich mit Strom Gewebe, das falsche elektrische Impulse sendet, oder produziert Narben, welche die Weiterleitung falscher Impulse unterbinden. Katheterablation heisst das Verfahren.
(Quelle: Youtube/GZO Spital Wetzikon)
Bisher machte der Operateur diesen heiklen Job von Hand: nun unterstützt der Aeon Phocus den Mediziner äusserst wirkungsvoll bei der Millimeteraufgabe, den Katheter an die richtige Stelle zu bringen. «Das Ziel ist es, mit dem System in Zukunft komplexe Herzrhythmusstörungen einfacher, besser und sicherer behandeln zu können», sagt Dr. Nazmi Krasniqi. Der Leiter Kardiologie, Rhythmologie und Angiologie in Wetzikon ist einer der wenigen, die mit dem Aeon Phocus, der in der «heissesten» Phase des Eingriffs via Joystick bedient wird, arbeiten darf.
Aufwendiger Einbau
Denn der Aeon Phocus ist nicht irgendein gängiges Gerät, sondern ein Prototyp, entworfen von einem Spin-off der ETH Zürich. Ein Prototyp, auf dem die erfahrensten Kardiologen des Spitals Wetzikon nun im Rahmen eines Testbetriebs Erfahrungen sammeln, die dann wissenschaftlich ausgewertet werden und letztlich dazu führen, dass das Gerät Marktreife erlangt.
Bei der GZO misst man dem Projekt grosse Bedeutung zu. Das zeigt sich auch im Aufwand, den man für die Installation des Aeon Phocus betrieb: Für die mehrteilige, acht Tonnen schwere Gerätekombination in der Grösse eines Vans und mit markanten, halbrunden Seitenelementen mussten die Notstrom- sowie die Kälteanlagen des Spitals erweitert werden, und in die Decke und Wände waren mehrschichtige Eisenplatten als Abschirmung gegen die Magnetstrahlen einzubauen.
«Erst am Anfang»
Die bisherigen Erfahrungen mit dem Gerät, das Krasniqi als «Hightech für Highend-Medizin» beschreibt, seien gut. «Doch wir sind erst am Anfang», gibt der Arzt zu bedenken. «Es braucht mehrere Dutzend Eingriffe», bis Aeon Phocus zum Standardtool für komplexe Katheterablationen werde. Eine Eingriffszahl, die man in Wetzikon noch bei Weitem nicht erreicht hat.
Kosten noch unklar
Was das ganze System bei seiner Marktreife kosten wird, das kann man laut Nazmi Krasniqi erst im Lauf dieses Jahres sagen. Da die GZO Testpartnerin ist, musste sie jedenfalls für die Neuheit noch nichts zahlen: «eine Win-win-Situation für Spital und Hersteller». Dass das System weitere hohe Kosten im Gesundheitsbereich bringt, soll jedoch vermieden werden, denn «wir wollen nicht eine teurere, sondern eine bessere Medizin machen».
