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Wenn das Idol zum Geschäftspartner wird

Elia Binelli ist 21 Jahre alt und Chefredaktor des Magazins «Lyrics». Dass seine Matur­arbeit ein Bestandteil der Schweizer Hip-Hop-Szene sein wird, hätte er niemals gedacht.

Wenn das Idol zum Geschäftspartner wird

Fard, Sido und Cro – Namen von deutschen Rappern, in denen Jungs ein Vorbild sehen und welche Mädchen meist wegen ihrer tiefgründigen Texte lieben. Doch was ist mit den Namen Mimiks, Möchtegang und Freezy? Lösen die Schweizer Rapper auch solche Fanreaktionen aus? Diese Frage stellte sich der Winterthurer Elia Binelli vor zwei Jahren und merkte, dass es zwar Fan-Gemeinden gab, aber durchaus noch Platz nach oben sei. Der heute 21-Jährige entschied sich damals, als Maturarbeit ein Magazin zu schreiben, welches die Schweizer HipHop-Szene bekannt machen soll. Es war die Geburtsstunde der Zeitschrift «Lyrics», welche inzwischen viermal im Jahr erscheint und am Kiosk erhältlich ist.

Viel Herzblut investiert

In diesem Magazin verbindet Elia Binelli zwei seiner Leidenschaften: das Schreiben und die Musik. Im Rahmen seiner Maturarbeit an einer Winterthurer Kantonsschule entstand das erste «Lyrics». Dass sein bester Freund Severin Gamper zeitgleich die Vertiefungsarbeit in der Lehre als Polygraf machen musste, passte für beide perfekt. Die Freunde stellten das Projekt gemeinsam auf die Beine. «Ich übernahm den journalistischen Teil, Severin kümmerte sich um die Marketingarbeit des Magazins».

Es dauerte acht Monate, bis die ­Winterthurer das fertige «Lyrics» in den Händen hielten. «Das war ein tolles Gefühl. Wir haben sehr viel Herzblut investiert», beschreibt Elia Binelli seine Emotionen. Den Lesern gefiel die Arbeit. Dass das Magazin plötzlich einen solchen Anklang finden würde, hätte Elia Binelli nie gedacht. «Ich war der Meinung, nachdem die Lehrer das Heft gelesen hatten, sei das Projekt abgeschlossen.» Sie hätten nie über eine Fortsetzung der Ausgabe nachgedacht. Doch Severin Gamper hätte das Produkt so gut vermarktet, dass es Fans gab, die begeistert waren über die Inhalte des Magazins und mehr davon wollten. «Von einem Tag auf den anderen haben wir erneut mit der Arbeit begonnen», erinnert sich der 21-jährige Elia Binelli. Es sei ein «crazy Gefühl» gewesen, endlich am Ziel angekommen zu sein.

Die Fans unterhalten

Nach wie vor übernimmt Severin Gamper die gestalterischen Arbeiten. Fünf Journalisten helfen aus Freude Elia Binelli an den Beiträgen für «Lyrics» mit. Alle Mitarbeiter seien journalistisch interessiert und Fans der Musik. Durch die Arbeit am «Lyrics» wurden sie zu Freunden. «Da ich keine Löhne bezahlen kann, ist der Spass an der Arbeit umso wichtiger. Zudem sammeln sie so Erfahrung für das spätere Berufsleben», sagt er.

Die Rapper würden im Fokus stehen. «Wir wollen diesen Musikbereich pushen. Da das «Lyrics» das einzige Medium in der Schweiz mit diesem Ziel ist, wurden wir schnell bekannt», erklärt er. Das Printmagazin sei zwar der Kern der ganzen Redaktion, trotzdem werde viel Wert auf Social Media gelegt. «Auf Facebook müssen wir jeden Tag ­etwas liefern. Dort befindet sich die grösste Zielgruppe», sagt der Winterthurer. «Die Printausgabe ist innert einem Monat geschrieben. Die grösste Schwierigkeit besteht im Business rundherum: Verlagstermine, Inserenten anwerben und die Terminkoordination.»

Einmal nicht darüber reden

Sein Hobby wurde für Elia Binelli zum Beruf. Doch die Arbeit habe auch Schattenseiten. «Früher waren die Rapper ein Idol für mich und wurden als unerreichbar angesehen. Heute habe ich täglich mit ihnen zu tun. Die Idolfunktion ging leider verloren.» Da er sich in der Hip-Hop-Szene mit dem «Lyrics» einen Namen gemacht habe, werde er öfter in diesem Umfeld erkannt. Er habe immer im Hinterkopf, dass er das Magazin präsentiere. «Das kann manchmal nervig sein», sagt er lachend. Zudem sähen ihn die meisten Menschen nur noch durch eine «Lyrics»-Brille. «Smalltalk ist fast unmöglich, ohne dass mich jemand auf meine Arbeit anspricht. Klar fühle ich mich geehrt – trotzdem denke ich mir, dass es schön wäre, einmal nicht dar­über reden zu müssen», erzählt er.

Die positiven Aspekte würden aber die negativen überwiegen. «Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass das «Lyrics» sich zum ­relevantesten Hip-Hop-Medium der Schweiz entwickelt, hätte ich ihn vermutlich ausgelacht.» Doch für Elia Binelli sei nicht nur die Un­terstützung der Fans wichtig, sondern auch jene von seiner Familie und der Freundin. «Sie stehen voll hinter meiner Arbeit. Das bedeutet mir sehr viel», schwärmt Elia Binelli.

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