Abschied von 30 Jahren Zappa Doing
Besitzerwechsel im einzigen Comicladen Winterthurs: Zappa Doing-Gründer René Brügger tritt per Ende Dezember nach fast 30 Jahren als Inhaber zurück. Der Laden an der Obergasse bleibt aber in vertrauten Händen. Nachfolgerin ist die langjährige Mitarbeiterin Agi Schnyder. «Ich bin froh zu wissen, dass jemand mit Freude und Motivation den Laden übernimmt. Denn um hier zu arbeiten, muss man Fan sein», so René Brügger. Der Laden bleibt also ein Ort von und für Comic-Fans. «Eine Kasse gab es bisher nie und über Verkäufe wurde physisch Buch geführt. Vielleicht wirds hier zukünftig digitaler.»
Vom Hobby zum Vollzeitjob
1987 eröffnete der damals 32-Jährige den Zappa Doing hobbymässig an der Neustadtgasse. Als frisch gebackener Vater arbeitete Brügger hauptberuflich als Masseur und Pfleger. «Ich weiss nicht, wie ich das damals alles geschafft habe.» Von Zeiten, als es noch kaum Comics für Erwachsene gab, über die Etablierung des Internets bis zum Manga-Boom und den Graphic Novels hat Brügger mit seinem Laden viele Trends und einige Standortwechsel erlebt. Inzwischen seit 10 Jahren an der Obergasse, begrüssen Brügger und seine drei Angestellten schon Kunden der dritten Familiengeneration. «Die Begegnungen und Gespräche mit den Menschen sind mir wichtig» erklärt der 61-Jährige. Das Schild mit den Worten «Liebe gibt es hier umsonst, alles andere kostet» bleibt im Laden hängen und steht auch in Zukunft für die Philosophie von Zappa Doing.
Sich mit comics weiterbilden
Da seine Mutter in Seuzach einen Kiosk führte, ist Brügger früh in Kontakt mit Winnetou und Micky Maus gekommen. «Meine Motivation war stets die Comics selber zu lesen. Dies wirkte sich auch positiv auf die Schulnoten aus.» Damals noch als Schundware bezeichnet, wurde mittlerweile erkannt, dass Comics auch edukative Inhalte vermitteln können. «Comics verändern sich stets mit der Gesellschaft und dem Zeitgeist, das ist faszinierend. So sind zum Beispiel im Mainstream-Bereich europäische Comics tendenziell experimentell, amerikanische blutrünstig und japanische extrem schnell und meist eher oberflächlich.» Es verwundert auch nicht, dass momentan viele Comics zum Thema Flucht erscheinen.
Ein Umzug ins Kellergeschoss
Ganz loslassen wird ihn sein Comicladen aber nicht, denn in Zukunft wird Brügger sich im Kellergeschoss des Zappa Doing einnisten. Dort betreibt er ab Januar einen neuen Laden namens der Archivar, welcher sich ganz dem Verkauf von Comic-Raritäten und Sammlerstücken widmet. «Wenn oben Not an der Frau ist, werde ich auch mal einspringen.» – René Brügger bleibt sich also treu. Für die Kunden bedeutet der Umbau im Januar einen grossen Ausverkauf von allerlei Lagerbeständen
