Politik

«So verhätschelt wurde ich noch nie»

Am Dienstag feierte Ruth Amrein ihren 100. Geburtstag im Bubiker Alterszentrum Sunnegarte. Dabei verriet die aufgeweckte Seniorin ihr Rezept, um ein solch hohes Alter zu erreichen.

«So verhätschelt wurde ich noch nie»

Am Dienstagnachmittag drehte sich im Alterszentrum Sunnegarte fast alles um sie: Ruth Amrein, die älteste Bubikerin, feierte ihren 100. Geburtstag. Zum Auftakt der Feier gab es für die Jubilarin, die früher selbst Handorgel spielte, ein Akkordeon-Ständchen. Amrein sass mit ihrem Rollstuhl am Tisch des Alterszentrums, hörte zu und schaute zufrieden in die Runde. Dass sie so alt werde, habe sie «im Leben nie» gedacht, sagt sie. «Ich habe es jetzt einfach so angenommen.» Ihr Rezept: «Viel arbeiten und nicht rumsaufen, wenn man frei hat.»

Zum Geburtstag wünsche sie sich, dass sie noch lange gesund bleibe. Es sei für sie schon ein besonderer Tag, sagt Amrein. «Ich bin mir so einen Haufen Leute nicht gewohnt. Es ist noch nie passiert, dass ich so verhätschelt wurde.»

«Toll, wie Sie noch zwäg sind»

Das Fest feierte Ruth Amrein vor allem mit den Bewohnern des Alterszentrums. Der Grossteil ihrer Familie ist bereits gestorben. Aus der näheren Verwandtschaft leben noch zwei Cousinen und ein Cousin. Zwei davon reisten am Dienstag nach Bubikon.

Zu den Gratulanten gehörten auch die Bubiker Gemeindepräsidentin Christine Bernet (FBV) und Gemeindeschreiber Matthias Willener. «Das ist toll, wie Sie noch zwäg sind», sagte Bernet. Im Namen der Gemeinde überreichten sie ihr Orchideen und einen Coiffeur-Gutschein. Auch Pfarrer Thomas Muggli habe ihr gratuliert, zur Feier war er jedoch nicht eingeladen. Amrein hat ihn dafür auf den 110. Geburtstag vertröstet.

An der Feier trug ein Bewohner ein eigens zum 100. Geburtstag geschriebenes Gedicht vor, in dem die wichtigsten Stationen von Ruth Amreins Leben vorkamen. Die meiste Zeit verbrachte sie in Zürich, wo sie im Restaurant der Eltern arbeitete. Ihr Mann war Hallenwart bei den SBB, Kinder hatten sie keine. Dafür sei sie viel gereist, erzählt die 100-Jährige. «Ich bin auf der ganzen Welt herumgekommen.» Am besten gefallen habe es ihr im hohen Norden.

Eine «coole Socke»

Seit fünf Jahren wohnt Amrein in Bubikon. Damals sei sie wegen ihres mittlerweile verstorbenen Bruders nach Wolfhausen gezogen. Den Umzug nach Bubikon habe sie selbst organisiert, und bis vor zwei Jahren habe sie sich noch selbst um die Finanzen gekümmert.

Seit viereinhalb Jahren wohnt sie im Alterszentrum Sunnegarte. Sie sei eine «coole Socke», sagte Zentrumsleiter Peter Grossholz in seiner kurzen Ansprache. Dass sie durch die Arbeit im Restaurant den Umgang mit Leuten gewohnt sei, merke man ihr auch heute noch an. «Mit ihr kann man gut schäkern.» Überhaupt sei die älteste Bewohnerin des Sunnegarte eine «ganz aufgeweckte» Frau. «Ein Heim voller Frau Amreins wäre der Hammer.»

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