Gefährlicher Schleichweg offen für Verkehr
Die Anwohner der Egger Stegstrasse fühlen sich hintergangen: Im September beschloss der Gemeinderat, die Stegstrasse zu sperren, die von Autofahrern oft als Schleichweg benutzt wird. Der ZO/AvU berichtete am 17. November über die geplanten Massnahmen.
Was damals noch kaum jemand wusste, war, dass zu diesem Zeitpunkt bereits ein neues Bauprojekt zur Einsicht im Gemeindehaus auflag: eine Planvorlage der Forchbahn AG betreffend die Erneuerung der Haltestelle Egg. Aus dem 65-seitigen Projekt geht hervor, dass während der rund einjährigen Bauzeit die Forchstrasse nur einstreifig befahren werden kann, und zwar aus der Richtung von Hinteregg nach Esslingen. Der gesamte Verkehr in der Gegenrichtung wird in dieser Zeit umgeleitet – über die Stegstrasse.
«Die Nachricht ver breitete sich wie ein Lauffeuer»
Die Anwohner der Stegstrasse sind konsterniert. «Da die Haltestelle Egg rund 750 Meter von der Stegstrasse entfernt ist, war nicht damit zu rechnen, dass das Projekt unsere Strasse direkt betrifft», sagt Antelma Giger, die seit 37 Jahren an der Stegstrasse wohnt. Aus diesem Grund habe sie sich nicht weiter um die Bauausschreibung gekümmert, die bis am 13. Dezember im Gemeindehaus auflag. «Per Zufall habe ich dann am 6. Dezember von der geplanten Verkehrsführung erfahren.» Ein Telefonanruf bei Gemeindeschreiber Tobias Zerobin habe die Information bestätigt.
Innert zweier Tage formulierte sie eine Einsprache und verteilte diese mit Unterschriftenbögen versehen in rund 40 Briefkästen der näheren Nachbarschaft. «Die Nachricht ver breitete sich wie ein Lauffeuer», sagt Giger. Und die Anwohner wurden aktiv. Rund 220 Anwohner haben die insgesamt fünf Einsprachen unterschrieben, die dann am 13. Dezember an das zuständige Bundesamt für Verkehr abgeschickt wurden. Neben Anwohnern der Flur- und Glärnischstrasse haben auch rund 80 Anwohner der Flurstrasse mitunterschrieben. Diese Strasse wäre ebenfalls von einer Umleitung betroffen. Aus Richtung Meilen wird der Verkehr über die Flurstrasse via Pfannenstilstrasse und Neue Meilenerstrasse an die Forchstrasse geführt.
Enge Quartierstrasse
Dass der Gemeinderat die Umleitung der stark befahrenen Forchstrasse über die Stegstrasse – die an ihrer schmalsten Stelle nur vier Meter breit ist – führen will, erstaunt viele. Denn aus dem Gemeinderatsbeschluss vom 5. September geht hervor, dass eine Belastung der Stegstrasse mit noch mehr Verkehr «nicht geduldet werden kann». Und weiter: «Spätestens seit der Eröffnung der neuen Einkaufsmöglichkeiten im Zentrum wird die Strecke über Massen als Schleichweg benutzt. Diese Strassen weisen jedoch eine sehr geringe Breite auf und sind mit keinem Trottoir versehen.» Insbesondere auf Höhe der Liegenschaften 2, 4 und 6 könne kaum ein Fahrzeug mit einem Fussgänger kreuzen. Im ZO/AvU-Artikel vom 17. November kommentierte Gemeindepräsident Rolf Rothenhofer (parteilos) die Situation folgendermassen: «Es kommt fast täglich zu heiklen Situationen.»
Antelma Giger, die selber an der Stegstrasse 6 wohnt, kann dies nur bestätigen. «Die Strasse ist als Quartierstrasse konzipiert. Wird sie nur von den Anwohnern genutzt, genügt sie vollauf. Sie wäre aber bei einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von mehreren hundert Fahrzeugen täglich total überlastet und gefährlich.» In den Wintermonaten werde die Strasse wegen der Schneehaufen oft nochmals schmaler. «Wir haben den Eindruck, dass die zuständigen Behörden die Pläne für die geplante Verkehrsführung absichtlich bis zum Ablauf der Einsprachefrist unter dem Deckel gehalten haben», sagt Giger. Die Einwohner wären dann bei Baubeginn vor vollendeten Tatsachen gestanden. «Diese Herangehensweise ist nicht gerade vertrauensbildend. Sie verärgert und enttäuscht uns als Egger Steuerzahler – und wir fühlen uns veräppelt.»
Sperrung zeitweise aufgehoben
Im Egger Gemeindehaus spricht man von einem «Spezialfall», was die Stegstrasse angehe. «Die Strasse wird bald gesperrt, wie vom Gemeinderat geplant», sagt Gemeindeschreiber Tobias Zerobin auf Anfrage. «Bei Beginn der Bauarbeiten am Bahnhof Egg wird diese Sperrung für die Zeit der Umleitungen zwar zeitweilig aufgehoben, danach gilt sie aber wieder.» Den Vorwurf, die Gemeinde habe ungenügend informiert, weist er zurück. «Der Entscheid für die Sperrung der Stegstrasse hat nichts mit dem Bauprojekt der Forchbahn zu tun», sagt Zerobin. Daher habe es auch keinen Grund gegeben, im Zusammenhang mit der Sperrung auf die anstehende Umleitung hinzuweisen.
Dass sich die Anwohner gegen die Umfahrung wehren, kann er verstehen. «Niemand hat gern viel Verkehr vor der Haustüre. Aber der Bahnhof Egg muss behindertengerecht umgebaut werden, und als Konsequenz davon braucht es zeitweilig eine Verkehrsumleitung», sagt Zerobin.
Forchbahn AG sucht Gespräch
Laut Markus Amrein, Bereichsleiter Infrastruktur bei der Forchbahn AG, habe man im Vorfeld auch andere Lösungen für die Verkehrsführung geprüft. «Ein Ampelsystem wurde angedacht, doch besteht auch bei solchen Massnahmen immer die Gefahr vor Schleichverkehr, der sich seinen Weg durch die Quartiere sucht», sagt Amrein. «Auch eine grossräumige Umfahrung wurde geprüft, doch hätte dies das Verkehrsproblem innerhalb des Dorfs immer noch nicht gelöst», sagt er. Mit einer Gewichtsbegrenzung von 7,5 Tonnen für die Umleitungsstrasse könne man zumindest den Schwerverkehr von den Engstellen fernhalten.
Bei der Projektplanung sei die Gemeinde Egg involviert gewesen, sagt Amrein. «Von einer geplanten Sperrung der Stegstrasse hatten wir beim Abschluss des Auflageprojekts Ende August aber keine Kenntnis.» Wie viele Einsprachen eingereicht wurden, wisse er nicht. «Nun gilt es, die nächsten Schritte des Bundesamts für Verkehr abzuwarten», sagt Amrein. «Danach werden wir mit Anwohnern, die die Einsprache eingereicht haben, das Gespräch suchen», sagt Amrein.
