Doppelter Anlauf für neue Beleuchtung
Im Advent bleibt es dunkel in Wetzikon. Seit zwei Jahren muss die 24 000-Einwohner-Stadt ohne Weihnachtsbeleuchtung auskommen. Ein Umstand, der viele Wetziker ärgert. Am Neujahrsempfang vor bald einem Jahr waren die fehlenden Lichter unter dem dunklen Winterhimmel jenes Thema, das den Besuchern am meisten unter den Nägeln brannte. Und in diesen Tagen, da die Absenz der bunten Lichter wieder augenfällig wird, dürfte es erneut vielen so gehen.
Doch so einfach, wie es scheinen mag, ist die Anschaffung einer Weihnachtsbeleuchtung nicht. Das zeigt das epische Seilziehen zwischen Stadtrat und Gewerbeverein um eine neue Beleuchtung, das so lange andauerte, bis die bestehende aus technischen Gründen ausgemustert wurde.
Jetzt wagen sich gleich zwei Parteien auf das schwierige Terrain. SVP und FDP haben je einen Vorstoss formuliert, der am kommenden Montag im Parlament vorgestellt wird. Die beiden Parteien verfolgen allerdings unterschiedliche Ansätze.
Klare Forderung
Die SVP fordert klipp und klar, der Stadtrat solle die Beleuchtung in eigener Kompetenz anschaffen. Dazu wählt Erstunterzeichnerin Susanne Poschung den Weg der Motion, der einem Auftrag gleichkommt. Die Kosten beziffert sie auf rund 150 000 Franken. Unterzeichnet ist die Motion von 13 der 36 Gemeinderäte. Darunter sind Parteivertreter von rechts bis links.
Die FDP wählt die mildere Variante der Interpellation und fragt beim Stadtrat nach, ob er zu einer Mitarbeit in Sachen Weihnachtsbeleuchtung bereit sei. Stossrichtung: Die Stadt soll die laufenden Kosten für Montage, Unterhalt und Energie bezahlen. Die Mittel für den Kauf der Beleuchtungsmodule aber sollen Private bereitstellen.
«Es ist nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, eine Weihnachtsbeleuchtung zu finanzieren», begründet FDP-Parteipräsident Stefan Lenz. Er ist zuversichtlich, dass man ausreichend Mittel fände. Ihm schwebt die Gründung einer Genossenschaft vor, die auf die Sponsorensuche geht. Er denkt an Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen mit lokaler Verankerung. Diese sollen im Rahmen des Projekts als Gönner bekannt gemacht werden. Erste Kontakte seien geknüpft. «Und wenn einer mitmacht, folgen andere nach.»
Die Stadt dürfte sich auch an der Genossenschaft beteiligen, müsste aber nicht. Klar sei, dass sie in Sachen Aussehen der anzuschaffenden Module ein Wort mitreden dürfe, sagt Lenz. Sie würde ja auch die laufenden Kosten tragen und den öffentlichen Grund zur Verfügung stellen. In der Vergangenheit hatte Uneinigkeit in Sachen Ästhetik auch schon zum Scheitern geführt.
Neuanlauf wird begrüsst
In der Vergangenheit war die Beleuchtung Sache von Stadt und Gewerbeverein gewesen. Nun steht der Gewerbeverein an der Seitenlinie. «Wir begrüssen den Neuanlauf, aber den Lead übernehmen wir nicht mehr», sagt Präsidentin Daniela Löffler. Man sei «immer, immer, immer» wieder gescheitert, nun habe man andere Prioritäten. Zumal nur ein Teil der Mitglieder direkt Interesse an einer Weihnachtsbeleuchtung habe. 80 Prozent der Mitglieder seien Handwerker ohne Läden.
Dass beim Ratsbüro gleich zwei Vorstösse zur Weihnachtsbeleuchtung landen, hat seinen Grund. Im Bestreben, dem Gewerbe zu einer neuen Beleuchtung zu verhelfen, sind sich die Bürgerlichen in die Haare geraten. Susanne Poschung erzählt die Geschichte so: Sie habe die IG Weihnachtsbeleuchtung jenseits von parteipolitischen Überlegungen gegründet. Daraus sei eine Gruppe aus Gemeinderäten, Bürgern und Vereinsvertretern entstanden, die sich wiederholt getroffen habe.
Zunächst habe man den FDP-Ansatz mit Konzept und Sponsorensuche verfolgt. Aber von dieser Idee sei man abgekommen. «Es ist in der heutigen Zeit schwierig, Sponsoren zu finden.»
Abgestimmt oder nicht?
Im September habe die IG deshalb einstimmig entschieden, den Weg der Motion einzuschlagen. Allerdings seien die beiden FDP-Gemeinderäte und IG-Mitglieder Stefan Lenz und Sandra Elliscasis an dieser Sitzung abwesend gewesen. Sie hätten sich übergangen gefühlt, vermutet Poschung, und hätten daraufhin ein Schreiben an einzelne IG-Mitglieder versandt. Inhalt: Der Weg über eine Motion sei mit den IG-Mitgliedern nicht abgestimmt worden, und mittlerweile habe die IG sich aufgelöst. Beides stimme nicht.
Nicht abzubringen
Stefan Lenz sagt, die FDP habe sich aus der IG, die wechselnd aus jeweils fünf oder sechs Personen bestanden habe, verabschieden müssen. «Dass die Stadt allein bezahlen soll, widerspricht unserem Gedankengut. Nur nach dem Staat zu rufen, greift zu kurz.» Leider sei Susanne Poschung von diesem Weg nicht abzubringen gewesen.
Poschung betont, sie habe nichts gegen ein Sponsoring. «Aber es ist besser, wenn der Stadtrat das direkt macht.» Und sollte ein Sponsoring tatsächlich schwer zu bewerkstelligen sein, sei mit der Motion sichergestellt, dass etwas gehe. «Das müsste eigentlich möglich sein. Für viel anderes geben wir auch Geld aus. Es wäre wunderschön, wenn wir wieder eine Weihnachtsbeleuchtung hätten.»
Eher unrealistisch ist, dass dies bereits auf den nächsten Advent hin möglich ist, wie von Poschung gefordert wurde. Bereits im März 2017 müssten Nägel mit Köpfen gemacht werden, sagt sie. Der Stadtrat hat aber allein neun Monate Zeit, zu entscheiden, ob er die Motion entgegennehmen will oder nicht.

