Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Politik

«Ein Glas Wein pro Tag ist schützend für das Herz»

Er wünscht sich eine «magische Pille» gegen schädliche Ablagerungen in Blutgefässen, befasst sich mit Dingen wie c-Cbl-assoziierten Proteinen, aber auch mit der Wirkung simpler schwarzer Schoggi. Professor Urs Eriksson ist Chefarzt im Spital Wetzikon und engagierter Herzforscher.

Eine Arbeit, getaktet von den Herzen seiner Patienten: Urs Eriksson im Arztbüro der Intensivstation des Spitals Wetzikon. (Bild: Mano Reichling)

«Ein Glas Wein pro Tag ist schützend für das Herz»

Das Herz ist zusammen mit dem Hirn das wichtigste Organ des Körpers. Sind Sie als Kardiologe und Herzforscher zufrieden, wie gut wir zu unserer «Pumpe» schauen?

Urs Eriksson: Das Bewusstsein für Herz-Kreislauf-Krankheiten, aber auch für die Risiken, die einen empfindlich machen für solche Krankheiten, hat sich in den letzten Jahren ganz massiv verbessert. So sind wir sensibilisiert für Zeichen einer Herzkrankheit. Beispielsweise für die Angina Pectoris als Warnzeichen für einen Herzinfarkt, wo man rasch den Rettungsdienst verständigen oder ärztliche Hilfe aufsuchen muss.

Züriost-Redaktor Ernst Hilfiker interviewt Urs Eriksson. (Video: Ernst Hilfiker)

Weshalb hat dieses Bewusstsein zugenommen?

Ich glaube, weil das einerseits häufige Krankheiten sind und ihre Bedeutung zugenommen hat. Dies, da die Bevölkerung immer älter wird und Herzkrankheiten mit steigendem Alter vermehrt vorkommen. Und weil andererseits das Bewusstsein der Bevölkerung geschärft wurde durch Menschen aus dem Gesundheitssystem, die viel Aufklärung betrieben haben.

Erklären Sie einem Laien Ihr persönliches Forschungsgebiet!

Es geht dabei um entzündliche Vorgänge am Herzmuskel, um die Frage, wie beeinflussen Entzündungsreaktionen den Umbau des Herzmuskels, wie kommt es im Herzmuskel zur Narbenbildung, wie können Vernarbungen oder entzündungsbedingte Veränderungen am Bindegewebe eine Person anfällig machen, eine Rhythmusstörung zu entwickeln. Solche Formen der Herzschwäche sind ein sehr häufiges Krankheitsbild.

Und was ist heute der Stand der Dinge in der Forschung, weshalb Herze krank werden, und was kann man dagegen tun?

In der Herzforschung gab es gewaltige Fortschritte. Bemerkenswert ist, dass gerade unser Verständnis der Krankheiten – Welche Mechanismen beispielsweise sind schuld, dass eine Herzkrankheit entsteht, weshalb kommt es zu einer verstopften Kranzarterie? – extrem weit fortgeschritten ist. Wenn es um konkrete Behandlungsansätze geht, da haben wir im technischen Bereich sehr grosse Fortschritte gemacht, bei den medikamentösen Therapien geht das aber doch deutlich langsamer. Da ist noch sehr viel Potenzial vorhanden für bessere, wirksamere Medikamente.

Was ist die grosse ungelöste Frage in der Herzforschung?

Für mich ist der ganz grosse Challenge, ob man es einmal schaffen wird, Herzgewebe so zu regenerieren, dass man ein schwaches Herz nicht mehr transplantieren oder mit Geräten unterstützen muss. Da hatten wir eine Zeit lang grosse Hoffnungen – Stichwort Stammzellenforschung –, die sich leider alle ziemlich hart zerschlagen haben. Eine zweite grosse Frage, die ich mir stelle, ist, weshalb wir immer noch keinen sicheren Weg gefunden haben, damit sich die Ablagerungen und die Gefässveränderungen, die zur häufigsten Herzkrankheit führen, zurückbilden. Da sind wir noch weit weg, eine «magische Pille» zu haben.

Letztlich interessiert mich als Durchschnittsmensch, der statistisch gesehen höchstwahrscheinlich einmal im Leben mit Herzbeschwerden den Arzt aufsuchen wird, aber nur eines: Wie werde ich von all diesen Erkenntnissen profitieren?

Es gibt auf mehreren Ebenen einen Vorteil für den «normalen» Menschen. Einerseits ist es der Fortschritt selber, auch wenn das, was wir an Erkenntnissen gewinnen, relativ gross ist im Vergleich zu dem, was sich nachher tatsächlich in eine wirksame Therapie umsetzen lässt. Dennoch hat die Wirksamkeit der verschiedenen medikamentösen und interventionellen Therapien in den letzten Jahren deutlich zugenommen. So ist Herzschwäche nicht mehr in dem Mass ein Todesurteil wie vor 20 Jahren. Wir haben viele herzschwache Patienten, die mit Medikamenten oder Geräten wie Herzschrittmachern ein relativ normales Leben über lange Zeit führen können.

Sie sind Arzt, Geschäftsleitungsmitglied, Forschungsgruppenleiter, Lehrer, Gutachter, engagiert in fast einem Dutzend Expertengremien, Fachautor, Familienvater. Wie geht das, und wie hoch ist denn Ihr Ruhepuls?

Da ich regelmässig joggen gehe, ist mein Ruhepuls relativ tief … Der Tag hat nur 24 Stunden, und man muss Prioritäten setzen. Ich sehe halt die Forschung als mein Hobby an und meinen Job als Arzt als Beruf – oder umgekehrt. Das sind die Dinge, die ich mache und an denen ich Freude habe.

Ihre Frau ist ebenfalls Ärztin: Also gehts doch selbst zu Hause ohne Unterbruch mit Fachfragen weiter.

Nein. Wir bemühen uns, wenn immer möglich, die Arbeit nicht «heimzutragen».

Zum Schluss bitte noch ein Expertenrat für die Heerscharen der Verunsicherten, die immer wieder lesen, Vollkornbrot essen, ein Glas Rotwein pro Tag trinken und als Bettmümpfeli ein Reiheli schwarze Schoggi seien gut fürs Herz. Stimmt das?

Ja, das stimmt absolut. Ein Glas Wein pro Tag ist tatsächlich schützend für das Herz. Der Tipp mit der Schoggi stimmt auch. Und das mit dem Vollkornbrot ist ebenfalls richtig, denn je mehr Ballaststoffe – und Gemüse – wir in der Nahrung haben und je weniger reine Kohlenhydrate und Fett, umso besser ists.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns