Auch nach 100 Jahren noch nervös
Der 6. Dezember wird gespannt von Kindern und Familien erwartet. Dann endlich kommt der Samichlaus vorbei. Mit seinem besten Freund Schmutzli zieht er durch Winterthur , hört sich Verse an und verteilt Nüsse, «Schoggi» und Mandarinen. So mancher fragt sich dann: Wie verbringt der Samichlaus seinen Sommer? Treibt er Sport? Dank der Winterthurer Chlausgesellschaft konnte der «Stadi» noch vor dem wichtigen Tag ein Interview mit dem dicken Mann in rot führen.
Am 6. Dezember steht der Samichlaus-Tag an. Hast du deine Säcke schon gepackt?
Samichlaus: Schmutzli und ich sind fast fertig mit dem Einpacken. Die letzten Tage waren ganz schön stressig, wir dürfen nichts vergessen. Bevor wir aber die Familien besuchen, überprüfen wir nochmal, ob wir an alles gedacht haben.
Hast du trotz jahrhundertlanger Erfahrung noch Lampenfieber?
Jedes Jahr kurz vor meinem Einsatz kommt die Nervosität. Es gibt Nächte, in denen ich kaum schlafen kann. Aber ich glaube, auch den Kindern geht es so.
Man hört oft das Sprichwort «Früher war alles besser.» Trifft das auch auf das Verhalten der Kinder zu?
Definitiv nicht. Die Kinder freuen sich jedes Jahr, dass ich vorbei komme. Wenn sie mich sehen, behandeln sie mich immer mit Respekt. Das war früher genau so wie heute.
Gibt es ein spezielles Erlebnis, an welches du dich gerne zurück erinnerst?
Es gibt so viele verschiedene Erlebnisse und Familien, die ich über den Winter besuche. Jedes Treffen ist speziell und eine besondere Erinnerung.
Was denkt Frau Samichlaus darüber, dass du im Winter so viel weg bist?
Schmutzli und ich sind nicht verheiratet. Wir wohnen das ganze Jahr in unserem Waldhaus, pflegen unseren Esel und bereiten uns auf den Winter vor. Manchmal fühlen wir und schon etwas einsam. Die Freude, im Winter endlich in die Stadt zu gehen, ist sehr gross.
Muss der Samichlaus auch die Schulbank drücken, um auf dem Laufenden zu bleiben?
Alle Dinge, die ich wissen muss, lerne ich im Wald. Ich bringe mir vieles selber bei, zum Beispiel durch das Lesen von Büchern. Ausserdem beschäftige ich mich sehr gerne mit den Tieren, die sich im Wald herumtreiben.
Wie entspannst du dich im Sommer von deiner harten Arbeit im Winter?
Zu Beginn meiner Sommerzeit schlafe ich sehr viel, um wieder fit zu werden. Da ich im Winter täglich mit Schmutzli und unserem Esel unterwegs bin, überkommt mich die Müdigkeit. Ansonsten lese ich viel, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.
Was sagst du den Kindern, die das Jahr über unartig waren?
Das gibt es zum Glück nur sehr selten. Wenn dies aber der Fall ist, nehme ich das Kind zur Seite und vereinbare mit ihm, dass das Mädchen oder der Bub sich bis zu meinem nächsten Besuch verbessert und artiger ist. Dieses Vorgehen hat bis jetzt immer geklappt.
Treibst du Sport, um die Winterpfunde loszuwerden?
Ich helfe Schmutzli dabei, neue Bäume im Wald zu setzen und die Natur von Abfällen zu befreien. Das kann ganz schön anstrengend sein. Aber es ist wichtig, dass die Wälder sauber sind.
