Den Preisen auf den Zahn fühlen
Ein Besuch beim Zahnarzt ist für viele Menschen der Horror. Noch grösser wird die Angst, wenn man über eine verordnete Behandlung unsicher ist. Muss ich wirklich meine Weisheitszähne entfernen lassen? Braucht mein Zahn tatsächlich eine Krone? Ist eine Zahnspange so teuer?
Für Fragen wie diese haben die Winterthurer Lena und Peter Zuber im Februar eine zahnärztliche Beratungsstelle in Winterthur eröffnet. Sie helfen den Patienten, Unsicherheiten zu klären, um mit ihnen einen Behandlungsvorschlag zu erarbeiten und damit die Angst vor dem Zahnarzt zu mindern.
Sie arbeiten seit langer Zeit in der Zahnmedizin. Wie erlebten Sie in dieser Zeit die Entwicklungen in der Welt der Zahnärzte?
Peter Zuber: Im Lauf der letzten Jahre hat sich die Medizin, auch die Zahnmedizin, immer mehr zu einem gewinnorientierten Geschäft entwickelt, und das medizinische Anliegen ist oft in den Hintergrund gerückt. Dort sehe ich nebst der technischen Entwicklung die grösste Veränderung.
Lena Zuber: Wir wechselten sozusagen vom Bleistift zum Computer, trotzdem hat sich der administrative Aufwand vervielfacht. Zudem werden die Vorschriften, zum Beispiel im Bereich der Hygiene, immer vielfältiger und aufwendiger in der Umsetzung. In diesen zwei Bereichen hat für mich die grösste Veränderung stattgefunden.
In Ihrem Flyer erwähnen Sie, dass Patienten oft kostspielige und nicht angepasste Massnahmen empfohlen werden. Was sind die grössten Irrtümer, die Sie zu sehen kriegen?
P.Z.: Viele Patienten, die zu uns in die Beratung kommen, sind verunsichert. Es geht oft um die Frage, ob eine aufwendige und teure Behandlung notwendig und die vorgeschlagene Lösung die einzig Richtige ist, oder ob es auch eine kostengünstigere Möglichkeit gäbe, ihr Problem zu lösen. Zudem sind wir oft mit der Frage konfrontiert, ob die gestellte Rechnung korrekt ist.
L.Z.: Viele Ratsuchende fragen sich, ob die ihnen empfohlenen Massnahmen wirklich so teuer sind. Durch das Einholen einer Zweitmeinung kann ihnen Sicherheit gegeben werden, dass ihr Zahnarzt sinnvoll handelt oder ob noch einmal darüber gesprochen werden muss.
Ihre Beratungen und Zweitmeinungen bieten Sie nicht aus finanziellem Interesse an. Weshalb?
P.Z.: Während meiner langjährigen Tätigkeit als Zahnarzt kamen immer häufiger Patienten, die über vorgeschlagene Behandlungspläne und gestellte Rechnungen verunsichert waren. Die Nachfrage um eine Zweitmeinung stieg in den letzten Jahren deutlich an. Diese soll aber für den Patienten zahlbar und die Kosten kein Hindernis sein, sich diese Zweitmeinung einzuholen.
L.Z.: Es ist uns ein grosses Anliegen, dass sich jeder Mensch eine solche Beratung leisten kann. Wir möchten unser Fachwissen und unsere langjährige Erfahrung auch Patienten mit einem tieferen Einkommen zur Verfügung stellen. Da wir nicht mehr davon leben müssen, ist es uns möglich, eine solche Beratungsstelle zu führen.
Sie haben Panik- und Angstzustände bei Patienten erlebt. Wie helfen Sie solchen Menschen?
P.Z.: Es gibt verschiedene Gründe, warum Patienten beim Zahnarzt Ängste haben. Viele Menschen haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen auf dem Zahnarztstuhl gemacht, oder sie haben in ihrem Leben Grundängste, die dann in einer Behandlung zum Vorschein kommen können. Auf jeden Patienten muss individuell eingegangen werden.
L.Z.: Angstpatienten können Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene sein. Mein Mann und ich haben uns in medizinischer Hypnose ausgebildet. Dort haben wir gelernt, solche Patienten anders wahrzunehmen. Wir nehmen uns gerne Zeit, gemeinsam mit dem Patienten Methoden zu entwickeln, die es ihm möglich machen, mit seiner Angst besser umgehen zu können.

