Zu lautes Kirchengeläut nervt Anwohner
74 Dezibel – so laut ist das Frühgeläut der katholischen Kirche St. Andreas in Uster in einer dem Kirchturm zugewandten Wohnung in der Siedlung Im Werk. Diesen Durchschnittswert haben mehrtägige Messungen ergeben, welche die Kirchenpflege in Auftrag gegeben hat. Das ist einigen Personen der Wohnsiedlung zu laut. Die Gruppe gelangte deshalb im Frühling dieses Jahres mit einer Beschwerde an die Stadtverwaltung. «Man hat sie dort darauf hingewiesen, dass das Frühgeläut nicht gegen die geltende Läuteordnung verstosse», sagt Fredi Rechsteiner, der Präsident der Katholischen Kirchenpflege. Auch die Nachtruhe sei mit dem Geläut um 6.50 Uhr nicht tangiert. Diese endet um 6 Uhr.
Nicht aufs Geläut verzichten
Rechsteiner hat jedoch Verständnis für die Anwohner. Es sei nicht wegzudiskutieren, dass es wegen des morgendlichen Geläuts zu einer «Aufwachreaktion» kommen könne. Die Kirchenpflege sei deshalb der Meinung, dass man sich nicht einfach auf die Läuteordnung berufen könne, auch wenn diese breit abgestützt sei. Gleichzeitig wolle man auch nicht auf das Geläut verzichten, so Rechsteiner. «Das Läuten der Glocken ist Tradition und wird von vielen Menschen geschätzt.»
Schönerer Klang
Die Lösung? Ein Kompromiss. So beantragt die Kirchenpflege der Kirchgemeindeversammlung vom 29. November einen Kredit von 60 000 Franken für Schalldämpfungsmassnahmen. Ziel sei es, die Lautstärke um 10 Dezibel zu reduzieren. Zu diesem Zweck ist geplant, die sogenannten Schallaustrittsöffnungen rund um den Glockenstuhl mit einer Dämmung zu versehen – wenn auch nicht komplett. Um den Klang zu verschönern, möchte die Kirchenpflege ausserdem den Klöppel der «Frühgeläut-Glocke» auswechseln. «Die Klöppel verhärten mit der Zeit, was zu einem schrilleren Klang führt», erklärt Rechsteiner.
Auf gute Nachbarschaft
Der Kirchenpflegepräsident hofft, dass die Gemeindeversammlung das Vorhaben unterstützt. «Damit könnten wir im Sinne einer gutnachbarschaftlichen Beziehung eine sinnvolle technische Lösung zur Reduktion der Lautstärke umsetzen.» Gleichzeitig ist er froh, dass die geplante Massnahme im Plenum diskutiert werden kann. Damit sei der Entscheid demokratisch legitimiert.
