Ein Schaumbad in der Holz-Gondel
Ein zwei Meter langes Holzobjekt thront imposant auf einem Chromstahlsockel. Mehrere Eschenholzschichten wölben sich zu einer überdimensionalen Schale, die an eine grosse Muschel erinnert.
Zu sehen ist die Holzmuschel nicht etwa in einem Museum oder einer Kunstausstellung, sondern in der Schreinerei von Norbert Lohrer in Bäretswil. Bei der überdimensionalen Schale handelt es sich um eine Badewanne, die Lohrer und sein Geschäftspartner, der Walder Hansruedi Büchler, herstellen.
Von der Natur abgeschaut
Die beiden Schreiner produzieren unter dem Namen Traumbad seit zwei Jahren ganz spezielle Holzbadewannen. Eine davon ist das Muschelmodell namens Nautilus. «Damit die langen Hölzer für dieses Modell an einem Stück verwendet werden können, müssen sie mit Dampf aufwendig gebogen werden», erklärt Büchler. Der 53-Jährige entwickelte den «Nautilus». «Ich wollte von der ovalen herkömmlichen Form von Holzbadewannen wegkommen und mich an einer Form aus der Natur orientieren.»
Das Wissen für den Bau von Holzbadewannen haben Lohrer und Büchler vom Walder Hans Jakob Wetli, der die Holzbadewannen vor 13 Jahren als erster Schweizer wiederentdeckte. Neben dem Modell Nautilus bietet die Firma Traumbad aber noch andere Holzbadewannen. Wie etwa das schiffchenartige Modell Gondola.
Wasser bleibt länger warm
Holzwannen gab es früher zuhauf, heute sind sie eine Seltenheit. Dabei brächten die Holzwannen Vorteile gegenüber den Stahl-, Blech- und Acrylmodellen mit sich. «Der Hautkontakt mit dem weichen Holz ist irrsinnig beim Baden. Ausserdem bleibt das Wasser in der Holzwanne viel länger warm. Nachfüllen erübrigt sich», sagt Büchler.
Man müsse zudem auch keine Bedenken haben, dass eine Holzwanne weniger wasserdicht sei als eine Stahlwanne. «Durch das Verleimen und das Ölen des Holzes wird die Wanne dicht. Die länglich verlaufenden Holzfasern beim Nautilus-Modell sorgen zudem für eine gute Dichte», so Büchler, der in jungen Jahren für den verstorbenen Skulpturenkünstler Bruno Weber arbeitete.
Bis 5 Monate für eine Wanne
Büchler und Lohrer, die bereits früher zusammenarbeiteten und sich vor 15 Jahren eine Schreinerei in der Kulti in Wetzikon teilten, brauchen für die Herstellung einer handgefertigten Holzwanne etwa einen bis fünf Monate. «Wir müssen das Holz einkaufen, biegen, verleimen, schleifen und lackieren», erklärt der 51-jährige Lohrer. Nicht vergessen dürfe man auch das Probe baden, fügt Büchler an und lacht. Die Schreiner prüfen jede ihrer Wannen selbst und merken schnell, ob sie für den Alltag taugt oder nicht. Auch die Kunden können die Wanne testen.
Eine gute Idee, denn die Holzwannen sind nicht ganz billig. Mit 12 000 bis 30 000 Franken müsse man rechnen. «Es handelt sich um Liebhaberwannen», sagt Büchler. Die extravaganten Badebottiche kommen gut an – vor allem bei gut Betuchten und Holzliebhabern. «Gerade stellen wir eine Wanne für einen Drechsler her», so Büchler. Die Schreiner konnten sogar schon Badewannen nach Österreich liefern.
Eine Wanne pro Monat
«Unser Ziel ist es, dass wir vom Wannenverkauf leben können», sagt Lohrer, der in Russikon wohnt. Dazu müssten sie eine Wanne im Monat verkaufen können. Dieses Jahr hätten sie sechs Stück verkauft. Wichtig ist ihnen jedoch nicht nur der finanzielle Erfolg.
Lohrer und Büchler sind sich einig: «Wir haben Freude an den Produkten, die entstehen, und es macht uns Spass zusammenzuarbeiten. Das steht für uns im Vordergrund und nicht ein möglichst hoher Umsatz.»
