Politik

Wie an der Strandbar

Das Geschäft Tauchsport Uster existiert schon seit der Zeit, als Tauchen noch ein Nischensport für Abenteurer war. Nach einem Vierteljahrhundert am selben Standort ist es nun umgezogen.

Wie an der Strandbar

Die Frage, wie man einen Keller belüften soll, ist für gewöhnlich nicht besonders brisant. Im Zusammenhang mit dem Tauchsport aber kann die Antwort über Leben und Tod entscheiden.

Dies musste Sandro Scagliola berücksichtigen, als er mit seinem Geschäft Tauchsport Uster von der Brunnen- an die Apothekerstrasse umzog und das Lüftungsrohr zum Keller positionierte: «Wir produzieren im Keller die Luft für die Tauchflaschen. Das Zuluftrohr mussten wir deshalb zwingend fernab von der Strasse und einige Meter über dem Boden anbringen – so-dass möglichst wenig Fremdstoffe in die Luft gelangen. Unter Wasser und unter Druck würde die Luft sonst nämlich giftig.» Vielleicht pflegen sich Taucher auch wegen solcher Besonderheiten mit dem Ausspruch «gut Luft!» zu begrüssen.

Originelle Gestaltung

Die Gestaltung des neuen Ladenlokals war allerdings nicht nur eine todernste Angelegenheit: Scagliola, seine Mitarbeiterin Bettina Burkhalter und die rund 15 Helfer durften auch ihre Kreativität walten lassen, zum Beispiel bei der Errichtung der Strandbar-ähnlichen Verkaufstheke.

Oder beim Aushang einzelner Tauchzubehöre: Diese sind an den Steuerrädern alter Schiffe befestigt. Hand angelegt hat die Tauchsport-Uster-Crew bei der Einrichtung selbst, externe Hilfe habe man kaum beigezogen.

Besser beim Greifensee

Das Haus an der Apothekerstrasse 4 hat Tauchsport Uster gleich komplett erworben – zuvor war dort ein Blumenladen beheimatet. Dem Tauchgeschäft steht neu fast doppelt so viel Verkaufsfläche zur Verfügung wie am früheren Standort an der Brunnenstrasse, wo man während rund 25 Jahren zugegen war.

Noch früher, vor rund 35 Jahren, schlug Tauchsport Uster in Niederuster seine Zelte auf. Es war die Zeit, als dem Tauchsport die Faszination des Unbekannten anhaftete und er vor allem individualistische Abenteurer in seinen Bann zog. Entsprechend rudimentär war das Sortiment, das Tauchsport-Uster-Gründer Beat Luchsinger in seinem Kleinstladen anbot. Der Standort Uster drängte sich vor allem wegen seiner Nähe zum Greifensee auf – der Zugang zu diesem war leichter als zum Zürichsee. Auch gab es in der Region damals weit und breit kein anderes Geschäft, das Tauch-zubehör anbot.

Reisebüro und Medizin

Das ist mittlerweile anders, in der ganzen Schweiz gibt es gemäss Scagliola zwischen 40 und 50 Taucherläden. Doch den grossen Boom habe der Tauchsport hinter sich: «Kitesurfen, Wakeboarden, Stand-up-Paddling – es gibt auch im Wasser viele neue Trends. Die Taucherbranche muss darum kämpfen, ihren Stellenwert zu behalten», sagt Scagliola. Vor etwa 20 Jahren habe die Sportart wohl mehr Anhänger gehabt, die ihr Hobby regelmässig ausführten.

Kommt hinzu, dass Tauchen nicht eben eine unkomplizierte Freizeitbeschäftigung ist: Man muss es erst lernen und man braucht die geeigneten Gewässer sowie viel und technisch einwandfreies Material. Doch genau bei dieser Umständlichkeit will Tauchsport Uster ansetzen: So verkauft das Geschäft nicht nur Tauchzubehör, sondern begleitet seine Kunden auch bei der Ausübung ihres Hobbys: mit Schulungen, einer Dépendence im Strandbad Niederuster, einer Tauchplattform im Greifensee und Tauchreisen. Um Letztere kümmert sich vor allem Bettina Burkhalter. Sie hat zuvor 15 Jahre in der Reisebranche gearbeitet und führt nun eine Art eigenes Reisebüro für Tauchferien.

Ärztin steht bereit

Auch auf einen tauchmedizinischen Dienst kann Tauchsport Uster zurückgreifen. Diesen bietet die Ärztin Janine Schüepp an. Sie hat den Laden zuvor gemeinsam mit Beat Luchsinger geführt. Ein regelmässig erneuertes ärztliches Attest ist für Taucher zwingend.

Zur Stammklientel des Tauchsports Uster gehören unter anderen Behörden, zum Beispiel die Wasserschutzpolizei der Stadt Zürich. «Im Winter warten wir jeweils deren Material, im Sommer führen wir viele Kurse für Freizeittaucher durch. Somit haben wir einen regelmässigen Umsatz und wenig geschäftliche Schwankungen», sagt Scagliola.

Ansonsten sei die Kundschaft bunt durchmischt: «In diesem Jahr absolvierte gar ein 72-jähriger einen Tauchkurs», sagt Bettina Burkhalter. Viele der Kunden würden untereinander eine Art Community bilden und könnten sich eigentlich auch in einem Verein organisieren. Das neue Ladenlokal soll für diese Leute auch ein Treffpunkt in der Region sein. «Am alten Ort war der Platz dafür zu beschränkt», sagt Scagliola.

Selber tauchverrückt

Er selbst gehört natürlich ebenfalls zu Usters Tauchverrückten. Die Sportart hat er vor 13 Jahren entdeckt, mittlerweile geht die Identifikation bei ihm so weit, dass er in die Wohnung oberhalb des neuen Ladenlokals umgezogen ist. Über eine fehlende Work-Life-Balance dürfte er sich kaum beklagen – denn regelmässiges Tauchen, wie er es praktiziert, helfe auch hervorragend bei Stress.

 

Fehler gefunden?

Jetzt melden.