Politik

Fusion fürs Ustermer Oktoberfest

Das laufende Oktoberfest in Uster wird seit diesem Jahr nicht mehr alleine von Veranstalter Daniel Frauchiger ausgerichtet. Neu sind die Event-Veranstalter Anyvents aus Gossau und Wiesn Events aus Zürich beteiligt. Wirtschaftliche Gründe für den Zusammenschluss bestünden nicht.

Fusion fürs Ustermer Oktoberfest

Die Optik ist wie immer volkstümlich: Biergarnituren und Masskrüge gehören neben Dirndl und Lederhosen zur Grundausstattung am sechsten Ustermer Oktoberfest in der Landihalle. Seit knapp einer Woche heisst es wieder: «O’zapft is!» Was man als Besucher nicht bemerkt: Hinter den Kulissen hat eine Neuorganisation stattgefunden. Seit diesem Jahr wird der Event von der neugegründeten VF Entertainment GmbH mit Sitz in Uster ausgerichtet.

Eröffnung Ustermer Oktoberfest 2016

Die Abkürzung «VF» steht für «Volksfeste». Namensgeber und Mitinitiator der Gesellschaft ist Daniel Frauchiger. Der Oktoberfest-Veranstalter wird von einem Joint Venture unterstützt: Die Wiesn Events GmbH aus Zürich, die das Oktoberfest Baden durchführt und schon im letzten Jahr am Ustermer Oktoberfest beteiligt war, kooperiert hierfür mit dem führenden Event-Veranstalter des Zürcher Oberlands: der Anyvents GmbH aus Gossau.

Beide Unternehmen sind jeweils zu 50 Prozent an der VF Entertainment GmbH beteiligt. Diese wird in einer Doppelspitze von Thomas von Allmen (Anyvents) und Simon van Voornveld (Wiesn Events) geleitet.

Zu viel Aufwand für Einzelnen

«Das Oktoberfest ist über die Jahre so gross geworden, dass der logistische Aufwand für einen einzelnen privaten Veranstalter wie mich kaum mehr zu bewältigen war», sagt Frauchiger. Schon im November des letzten Jahres seien deshalb die Anyvents-Geschäftsführer Päde Hofstetter und Thomas von Allmen auf Frauchiger zugegangen, um eine mögliche Zusammenarbeit zu erörtern.

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Zuletzt stand Frauchiger in der Kritik: Dienstleister aus Deutschland und Österreich hatten ihm vorgeworfen, ihre Leistungen an vergangenen Oktoberfesten nicht oder nicht vollständig bezahlt zu haben (wir berichteten). Deshalb stellt sich die Frage, ob die Zusammenarbeit mit VF Entertainment aus finanzieller Not zustande gekommen sei. Frauchiger winkt ab: «Aus wirtschaftlichen Gründen hätte ich keine Partnerschaft eingehen müssen.» Vielmehr habe eine strategisch sinnvolle Arbeitsteilung und eine Optimierung der organisatorischen Abläufe im Vordergrund gestanden.

Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen

Frauchiger sei es darum gegangen, das Oktoberfest langfristig abzusichern. Als er in diesem Frühjahr einen schweren Skiunfall erlitt und mehrere Monate ausfiel, sei ihm noch einmal deutlich geworden, dass die Verantwortung für einen solchen Event auf mehrere Schultern verteilt werden sollte.

Frauchiger behält weiterhin die Gesamtleitung und fungiert als Ansprechpartner für die Stadt Uster. Formal ist er kein Mitglied von VF Entertainment. Stattdessen wird sein Verein Oktoberfest Züri-Oberland von der neuen Gesellschaft als Mitveranstalter beauftragt.

Oktoberfest Uster 2016

Verzögerung durch Unfall

Offiziell gegründet wurde VF Entertainment am 13. September – zwei Wochen vor Eröffnung des Fests. Ursprünglich sollte das Joint Venture schon im April zustande kommen. Wegen des Skiunfalls verzögerte sich jedoch der Start. «Ansonsten hätten wir Daniel Frauchiger noch mehr entlasten können», sagt von Allmen. So musste der verunfallte Veranstalter den Vorverkauf in diesem Jahr nochmals komplett in Eigenregie durchführen.

Dennoch: An der Organisation des Fests waren beide Unternehmen gleichermassen beteiligt: Wiesn Events kümmerte sich um die Bereiche Catering und Personal, Anyvents um den Aufbau des Fests und die Bereitstellung der Sicherheitsdienste.

Verantwortlichkeiten neu regeln

Für die nächsten Oktoberfeste werden die Verantwortlichkeiten neu geregelt. Frauchiger plant einen schrittweisen Rückzug aus dem operativen Geschäft. Im Zuge dessen übernimmt Wiesn Events das Ressort Ticketing. Fürs Marketing wird Anyvents zuständig. «Dafür benötigen wir grössere Zeitspannen zur Vorbereitung, als wir sie in diesem Jahr hatten», sagt von Allmen.

Alle Beteiligten sind sich darin einig, dass man das Oktoberfest weiterentwickeln müsse, damit es «auch in Zukunft erfolgreich» sein könne. «Durch die Partnerschaft mit VF Entertainment ist es uns möglich, die Abläufe zu beschleunigen und Synergien zu nutzen», sagt Frauchiger.

Zudem hat sich der Veranstalter mit den beiden Unternehmen erfahrene Event-Veranstalter ins Boot geholt. «Wir bringen das entsprechende Know-how mit und haben bereits Ideen, wie wir den Event noch optimieren können», sagt von Allmen. «Die Besucher sollen sich ganz wie an einem bayerische Oktoberfest fühlen.» Demgegenüber erklärt Frauchiger: «Wir wollen aber auch mehr Swissness einbringen.» Wie dieser Spagat konkret gemeistert werden soll, bleibt abzuwarten.

Zu viel vorgenommen?

Mit Päde Hofstetter sitzt ein Event-Manager in der Anyvents-Geschäftsleitung, dessen Name über das Oberland hinaus bekannt ist. Er hat populäre Grossveranstaltungen wie das Open Air «Rock the Ring» aufgezogen. Ausserdem ist er mit Event-Lokalen wie dem Ustermer Porterhouse oder der Hinwiler Musikbar Pirates verbunden.

In diesem Jahr hat das Open Air, das hohe Investitionskosten erfordert, unter dem schlechten Wetter gelitten – weniger Zuschauer als geplant sind gekommen (wir berichteten). Zu fragen ist, ob sich Hofstetter mit dem Ustermer Oktoberfest zu viel aufs Mal vorgenommen hat und ein zu hohes Geschäftsrisiko eingeht. Diesen Einwand lässt er nicht gelten: «Das Pirates, aber auch Rock the Ring sind jeweils separate Rechtsformen. Sie hängen nicht mit unserem Engagement beim Oktoberfest zusammen.» Umsatzeinbussen bei einer der Unternehmungen würden somit nicht zu Lasten der anderen gehen, sagt er.

Weitere Projekte in Planung

Zusätzlich zum Oktoberfest will die VF Entertainment weitere kulturelle und kommerzielle Veranstaltungen organisieren und durchführen. Gegenwärtig gibt es Überlegungen für ein Frühlingsfest, das als Pendant zum Oktoberfest ebenfalls in der Landihalle stattfinden soll. «Denkbar sind aber noch andere Anlässe», sagt Geschäftsführer van Voornveld.

So träumt Frauchiger davon, einen Gewerbe- und Unternehmer-Anlass im Rahmen des Oktoberfests auszurichten – ein weiterer Programmpunkt neben dem Bräzel-Sunntig, der in diesem Jahr zum ersten Mal das Fest abschliesst. Seit einiger Zeit führe man deshalb Gespräche mit Wirtschaftsverbänden aus der Region.

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