Politik

Das H2U-Festival hallt lautstark nach

Wegen diverser Lärmklagen nach dem H2U-Festival Ende August auf dem Zeughausareal gehen Veranstalter und die Stadt Uster nun über die Bücher.

Das H2U-Festival hallt lautstark nach

«Der Lärm in der näheren Umgebung war so unerträglich, dass ein normales Gespräch auf dem Balkon nicht stattfinden konnte.» «Die Lautstärke war schlicht unerträglich.» Oder: «Für uns Anwohner war das keine Musik zum Geniessen, sondern ein mit allen Mitteln der Technik auf die höchstmögliche Lautstärke organisierter Lärm.» Und: «Auch Kultur hat sich an Vorschriften und Gesetze zu halten und soll nicht zur Belästigung der Anwohner werden.» So tönte es in Leserbriefen, die nach dem H2U-Festival vom 19. bis 21. August auf der Redaktion des ZO/AvU eintrafen.

Auch bei der Stadt Uster gingen nach dem Festival mehrere Reklamationen wegen Lärm ein. Das bestätigt Christian Zwinggi, der Abteilungsleiter Präsidiales. «Es waren etwa ein halbes Dutzend Lärmklagen», sagt er, «das sind etwas mehr als nach anderen Anlässen im Zentrum.» Zwinggi hält fest, dass der Lärmgrenzwert während des gesamten Festivals nie überschritten worden sei.

Verunsicherte Nachbarn

In einer Stadt wie Uster sei Lärm eine Herausforderung und letztlich immer ein Abwägen der ­Interessen. «Die einen wollen Ruhe, andere wiederum wünschen sich ein belebtes Zen-trum», sagt Zwinggi. Hier einen Ausgleich herzustellen – das sei die Aufgabe von Politik und Verwaltung.

Er glaubt, dass bei den Reklamationen auch eine gewisse Verunsicherung mitspiele, was die Zukunft des Zeughausareals anbelange. «Wenn jemand fälschlicherweise glaubt, dass nun alle zwei Monate ein Riesenfest auf dem Areal steige, dann reagiert er natürlich sensibler auf eine Veranstaltung wie das H2U-Festival.» Das Zwischennutzungskonzept, welches voraussichtlich im Sommer ausgearbeitet sei, wird laut Zwinggi Antworten auf solche Befürchtungen liefern.

Nun bloss kein Schnellschuss

Man habe Verständnis für das Ruhebedürfnis der Bevölkerung, auf der anderen Seite wäre es laut Zwinggi nicht ökonomisch, wenn die Veranstalter nach der grossen Aufbauarbeit nicht ­weitermachen könnten. «Man muss den Leuten hinter einem solchen Anlass auch zugestehen, aus Fehlern zu lernen und Korrekturen anzubringen.»

Einen Schnellschuss gelte es nun aber zu vermeiden. Für einen Gesamtüberblick müssten erst einmal sämtliche Fakten zusammengetragen und geprüft werden, dazu gehöre auch ein Bericht der Veranstalter, der inzwischen eingetroffen sei. Nicht vergessen dürfe man zudem, dass die Hälfte des Areals im kommenden Sommer mit grosser Wahrscheinlichkeit der Armasuisse gehöre, was das Ganze sicher nicht unkomplizierter mache.

Der Stadtrat wird sich voraussichtlich nach den Herbstferien mit der Thematik auseinandersetzen.

Lob gibts nicht per Leserbrief

Die Veranstalter hatten die Bewohner der umliegenden Häuser einige Woche vor dem Tag X mit Handzetteln über das Festival und die zu erwartenden Lärmimmissionen informiert und Kontaktmöglichkeiten bei Fragen und Anliegen aufgeführt. Gemäss den Veranstaltern gab es darauf eine einzige kritische Reaktion. Und am Anwohnerapéro zwei Tage vor dem Anlass war die Stimmung dann sogar richtig gut.

Von den vielen Lärmklagen ist Rolf Heckendorn deshalb überrascht. Noch Mitte August war der Co-Gesamtleiter des H2U-Festivals in seiner Begeisterung für den Anlass zuversichtlich, dass es seitens der Nachbarn ­keine nennenswerte Probleme geben würde. Er möchte das Ganze aber auch differenziert betrachten: «Klar, es gab einige Reklamationen sowohl an die Adresse der Stadt als auch an unsere, aber die positiven Rückmeldungen überwogen eindeutig. Nur schreiben die Leute, denen es gefallen hat, in der ­Regel halt keine Leserbriefe.»

«Haben uns entschuldigt»

Man habe bewusst darauf geachtet, dass die Grenzwerte deutlich unterschritten würden. «Aber klar, es war laut.» Insofern äussert er auch Verständnis für die Nachbarn und räumt Versäumnisse ein. Ein Fehler sei etwa der Soundcheck am Freitag während der Mittagszeit gewesen, da habe man schlichtweg nicht dran gedacht. «Und dafür haben wir uns auch entschuldigt», so Heckendorn.

Ausserdem werde man künftig darauf achten, dass nach den eigentlichen Konzerten keiner der Standbetreiber mehr Musik laufen lässt, wie das in einem Fall geschehen ist. Zudem habe sich gezeigt, dass es wohl nötig sein werde, die Anwohner in einem weiteren Umkreis über das Festival zu informieren.

Warten auf den Entscheid

Im Hinblick auf die anstehenden Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt ist Heckendorn zuversichtlich. Seitens der Veranstalter sei ohnehin klar, dass es eine Fortsetzung des H2U-Festivals geben müsse. «Wir würden es uns lediglich dann überlegen, wenn wir seitens der Stadt nun plötzlich unverhältnismässig viele Einschränkungen und Auflagen hätten», sagt Heckendorn und hofft, nicht allzu lange auf die grundsätzliche Zustimmung aus dem Stadthaus warten zu müssen. «So langsam wäre es nämlich an der Zeit,
dass wir uns auf die Suche nach Sponsoren machen.»

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