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Tierärztin: «Rettungsaktionen können schlimm enden»

Überhitzung ist eine von vielen Gefahren, die im Sommer auch Tieren zum Verhängnis werden können, sagt Tierärztin Petra Müller. In ihrer Praxis in Uster behandelt sie nicht nur kranke Tiere, sondern bereitet sie auch auf Ferien im Ausland vor.

Tierärztin Dr. med. vet. Petra Müller in ihrer Kleintierpraxis PetMed AG. (Bild: Seraina Boner), Im Sommer müsse man vor allem aufpassen, dass die Haustiere nicht überhitzen, erklärt die Tierärztin. (Bild: Seraina Boner)

Tierärztin: «Rettungsaktionen können schlimm enden»

In den Räumen der Kleintierarztpraxis Petmed an der Wagerenstrasse in Uster war früher ein Kinderarzt tätig, heute werden dort Hunde oder Katzen behandelt. Viele Patienten von Tierärztin Petra Müller haben im Sommer mit der Hitze zu kämpfen. Im Gegensatz zum Winter, wenn das grösste Problem der Kontakt von Streusalz mit den Pfoten ist, seien im Sommer die Gefahren grösser.

«Es kommt eher zu einer Überhitzung als zu einer Unterkühlung», sagt Müller. Während Katzen sich bei hohen Temperaturen selber an kühlere Orte zurück ziehen, seien Hunde oder Nagetiere auf die Reaktion ihrer Halter angewiesen. «Solange die Tiere keinen Stress sowie genügend Schatten und Wasser haben, sollten sie die Hitze gut aushalten können.» Wenn die Sonne aber auf den Käfig von Kaninchen oder Meerschweinchen scheint, helfe auch eine Schatten spendende Hütte nichts. «So etwas ist zwar gut gemeint, aber darin herrschen schnell Temperaturen wie in einem Backofen», sagt Müller.

Wenig Rüebli für Kaninchen

Überhitzung in abgeschlossenen Räumen wie in einem Auto ist oft eine Gefahr für Hunde, die von ihren Haltern zurückgelassen werden. In ihrer Zeit als Tierärztin musste sie aber noch keinen Hund behandeln, der diesem Schicksal ausgesetzt wurde. «Wir mussten einen Hund einschläfern, der von zu Hause ausgerissen ist, da er eine läufige Hündin roch. Trotz starker Hitze rannte er lange herum. Schliesslich wurde er in der prallen Sonne liegend gefunden», erzählt Müller. «Sein Kreislauf war kollabiert. Ihm konnten wir nicht mehr helfen.»

Ein ganz anderes Problem schaffe die Hitze Nagetieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen. Im Sommer leiden sie vermehrt an Durchfall, was den Beginn eines viel grösseren Übels darstellen kann: «Wenn ihr Hinterteil über längere Zeit feucht ist, legen gewisse Fliegen ihre Eier in die Wunde», sagt Müller. Die daraus schlüpfenden Maden würden sich in der Folge am Fleisch des lebendigen Tieres bedienen. «Eine solche Wunde zu behandeln, ist auch für einen hartgesottenen Tierarzt nichts Lustiges.» Solche Patienten müssten in den schlimmsten Fällen leider erlöst werden.

Tollwut als Gefahr

Die Haltung von Nagetieren würde oft als problemlos beschrieben, doch sei dies eine falsche Annahme, sagt Müller. Bereits beim Futter würden die Missverständnisse losgehen. «Rüebli sind nicht die Hauptnahrung für Kaninchen – im Gegenteil.» Nager essen von Natur aus viele Rohfasern, also Gras oder Heu, mit einem niedrigen Kaloriengehalt. Ihre Zähne, die stetig nachwachsen, ­würden durch die intensiven Kaubewegungen fortlaufend abgeschliffen. «Viele Halter verfüttern ihren Nagern aber Pflanzen wie Früchte oder Rüebli, die viele Kalorien enthalten. Davon müssen sie weniger essen, um satt zu sein. Die Zähne werden entsprechend weniger abgeschliffen und wachsen zu stark, sodass die Tiere gar nichts mehr kauen können.» Dann muss die Tierärztin die Zähne mit dem entsprechenden Werkzeug behandeln und kürzen.

In ihrer Tierarztpraxis bietet Petra Müller auch die Beratung über Prophylaxe vor Auslandsreisen an. «Oft werden Hunde mit in die Ferien genommen. Da ist es wichtig, sich zuvor über die Situation am Zielort zu informieren.» Gerade in Ländern, in denen die urbane Tollwut verbreitet ist, müsse ein halbes Jahr vor der Reise mit der Vorbereitung durch Impfungen und Titerbestimmungen begonnen werden. «Wenn ich merke, dass ein ungeimpftes Tier aus einem solchen Land zurückkehrt, bin ich verpflichtet, den Fall dem Veterinäramt zu melden», sagt Müller.

Mehr Rücksicht gefordert

Besonders grosse Probleme tauchen auf, wenn Hunde aus solchen Ländern ohne die nötigen Papiere in die Schweiz gebracht werden. «Im Extremfall müssen die Hunde unter Quarantäne gestellt, zurückgeschickt oder gar eingeschläfert werden. Rettungsaktionen können schlimm enden. Entweder sehr teuer oder sehr traurig.»

Petra Müller setzt sich dafür ein, die Menschen auf das Wohl der Tiere zu sensibilisieren, denn die Tätigkeiten der Halter entscheiden oft über Leben und Tod. Sei es bei Problemen mit der Hitze, beim Transport von Tieren über die Landesgrenzen oder auch bezüglich dem Feuerwerk am 1. August. «Man sollte auf zentralen Plätzen feiern und nicht verstreut in der Natur», sagt Müller. Das Anzünden von Feuerwerk wolle sie nicht verbieten. Aber wenn im Wald an jeder Feuerstelle Knallkörper abgelassen werden, seien auch Wildtiere nirgends geschützt. «Wir müssen uns einfach über die Folgen unseres Handelns bewusst werden.»

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