Vom Bubentraum zur neuen Verantwortung
Der neue Dienstchef der Gemeindepolizei Egg heisst gleich wie der alte: Zimmermann. Vor einem Monat übernahm der 38-jährige Oliver Zimmermann den Posten von Peter Zimmermann, der zur Gemeindepolizei Zollikon wechselte. «Ich träumte schon als kleiner Junge davon, einmal Polizist zu werden», sagt Oliver Zimmermann. Nach einer Lehre als Elektromonteur erfüllte er sich den Wunsch nach Anstellungen in Baden und Kloten kam er 2008 in die Gemeinde Egg und wurde stellvertretender Dienstchef. Die Entscheidung, sich im Frühling für die frei gewordene Stelle zu bewerben, fiel ihm darum leicht.
Ängste abbauen
Als Eigensicherungsinstruktor ist er bereits seit Längerem für die Selbstverteidigungsausbildung der Polizisten der Region zuständig – er selber wohnt in Bremgarten. «Als Polizist ist es von Vorteil, ausserhalb der Gemeinde, in der man arbeitet, zu wohnen», sagt der dreifache Vater. «Sonst kann man nie abschalten.»
Das Polizeiteam der Gemeinde Egg besteht momentan aus drei Personen, die sich Büro- und Aussendienst teilen. «Genau diese Mischung macht den Beruf aus», sagt Zimmermann. «Wenn man lange im Büro sitzt, kann man danach auf der Patrouille den Kopf wieder lüften. Die Gemeinde Egg sei allerdings schlicht zu klein, als dass eine Patrouille als Polizist in Zivil funktioniert. «Auch wenn ich meine Uniform nicht trage, werde ich von fast allen mit ‹Grüezi, Herr Zimmermann› begrüsst.»
Es seien auch immer wieder die gleichen Personen, die er auf solchen Rundgängen antrifft. Doch das sei die schöne Seite am Beruf als Polizist: «Wenn man einmal eine negative Erfahrung mit einer Person gemacht hat – zum Beispiel mit einem Jugendlichen – und dann sieht, wie er doch seinen Weg findet, ist das eine grosse Freude.» Den Kontakt zur Bevölkerung sucht Zimmermann aktiv. «Wir wollen bewusst Berührungsängste abbauen, damit wir als Teil der Bevölkerung wahrgenommen werden und Vertrauen entstehen kann», sagt Zimmermann.
Einsatz am See
Doch es gebe auch schwierige Momente. «Es ist fast unmöglich, es allen recht zu machen», sagt Zimmermann. Bei einem Vorfall höre er meistens mindestens zwei verschiedene Geschichten über den Tathergang. «Zum Glück müssen wir nur die Informationen sammeln und nicht über die Personen richten.»
Die Gemeinde Egg ist aufgrund ihrer geografischen Lage dem Verbund der Polizeiposten des Bezirks Meilen angeschlossen. Das Egger Team absolviert pro Monat sechs Nachtdienste in den Seegemeinden. «Der grösste Unterschied zwischen Egg und diesen Gemeinden ist der Seeanstoss», sagt Zimmermann. «Gerade in den warmen Monaten sind wir meist am See und werden etwa wegen Ruhestörung durch Menschen oder Musikanlagen aufgeboten.»
In Egg gebe es zum Glück nicht viele schwerwiegende Vorfälle. «Natürlich sind gelegentliche Lärmbeschwerden und Sachbeschädigungen sehr ärgerlich, welche auch geahndet werden müssen. Doch wenn dies unsere grössten Probleme sind, können wir uns nicht gross beschweren», sagt Zimmermann Der Überfall auf die Egger ZKB im März letzten Jahres, der ein grosses Polizeiaufgebot forderte, sei zweifellos das aufregendste Verbrechen der letzten Jahre gewesen.