Politik

Der stumme Begleiter

Mehrere Stunden täglich ist jeder unterwegs. Diese Zeit bietet die Chance auf viele Begegnungen - und manchmal kommt man trotz Navigationsgerät ans Ziel.

Der stumme Begleiter

Meine Eltern erzählen heute noch gerne die Geschichte, wie ich früher als Dreikäsehoch zielsicher auf die Landkarte zeigte und sagte «Da simmer», wenn wir mit dem Auto unterwegs in die Ferien waren und irgendwo in der Pampas Rast machten. Und ich erinnere mich, wie mein Vater jeweils eine minuziöse Routenplanung vornahm, bewaffnet mit Karten in Tapetengrösse, Massstab, Taschencomputer. Am Ende war alles immer zielführend.

Zielführend – das sollen ja eigentlich auch Navigationsgeräte sein. Meines ist vergleichsweise simpel und hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Es ist nicht superbenutzerfreundlich in den Bordcomputer integriert, sondern mit einem Saugnapf an die Windschutzscheibe montiert. Doch es erfüllt seinen Zweck, und die wichtigsten Funktionen kann es auch: Es zeigt Staus an (die grösseren wenigstens – die tägliche Stockerei im Aatal nicht), schlägt Umfahrungsrouten vor, es zeigt mir an, wann ich am Ziel bin, und es führt mich über die kürzesten Routen in die abgelegensten Ecken. Über Routen, die nicht ausgeschildert sind, Schleichwege abseits der stark befahrenen und stauträchtigen Hauptstrassen. Es gibt Momente, in denen ich wirklich froh bin um dieses Ding.

Es gibt aber auch Momente, in denen ich mich vor allem über eine Funktion freue: Man kann den Ton abstellen. Denn ich will nicht vorgeplappert bekommen, wo ich abbiegen muss – diese Information sehe ich auf dem Bildschirm selber. Und manchmal ist es auch besser, das Ding zu ignorieren. Wenn es mich etwa zur fünften (von vier) Kreiselausfahrten schicken will. Oder wenn es darauf besteht, ich müsse nun wenden. Dann kommt mir jeweils die Geschichte jener Fahrer in den Sinn, die mitten im Gotthardtunnel tatsächlich zu wenden versuchten, weil ihr Gerät meinte, es befinde sich auf der Passstrasse. Meines hat derzeit den Tick, dass es behauptet, im Zürcher Schöneichtunnel herrsche Fahrverbot. Navigationsgeräte sind eben auch nur Menschen.

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