EM-Euphorie im Rotlichtmilieu
«Bei uns wird mit echten Bällen gespielt.» – Mit diesem zweideutigen Slogan wirbt ein Bordell in Oetwil am See während der Fussball-EM um Kundschaft. Die Besucher sollen dazu verführt werden, die ganze Partie mit einer Dame im Séparée zu verfolgen – Ablenkungsmanöver und Körpertäuschungen inklusive. Für die Besucher mit weniger Budget wird eine Halbzeit-Show angeboten.
Zu anstössig, finden Sie?«Nein», finden andere Etablissements in der Region.
Während es bei vielen Tippspielen ein Abendessen oder die gesammelten «Zehnernötli» der Arbeitskollegen zu gewinnen gibt, winkt dem Gewinner des Tippspiels im Schwerzenbacher Saunaclub Globe ein etwas anderer Preis: Wer auf den richtigen EM-Sieger tippt, nimmt an der Verlosung für einen kostenlosen Eintritt und einen halbstündigen Service mit einer Dame teil. Auch in der Dübendorfer «Bumsalp» können die Spiele auf Grossleinwand verfolgt werden.
Dass das Rotlichtmilieu die Königssportart für sich entdeckt hat, überrascht nicht. Schliesslich macht die Kombination Frau/Fussball viele Männer glücklich. Und wenn Bäckereien spezielle Team-Torten herstellen und Banken Fanartikel verteilen, dann dürfen auch Kontaktbars auf den EM-Zug aufspringen, oder?
Ausserdem wären wahrscheinlich viele männliche Fans während des Penaltyschiessens gegen Polen deutlich entspannter gewesen, hätten sie den Krimi in einer Kontaktbar geschaut. Immer mit dem Wissen im Hinterkopf: Es gibt so oder so ein Happy End. (mig/dak)

