Stefan Schättin sitzt an diesem grauen Nachmittag in einem Café in Uster, wirkt entspannt und glücklich. Auch sonst passt das schlechte Wetter so gar nicht zu seiner Erscheinung: pinkfarbener Pullover, aufrechte Köperhaltung, auf dem Gesicht ein grosses Lachen – der 54-jährige Ustermer strahlt eine Energie und Leidenschaft aus, die anstecken. Im Gespräch merkt man schnell: Was Schättin tut, macht er mit vollem Einsatz, oder er lässt es ganz bleiben. Letzteres trifft nun auf seine beiden Chöre in Uster zu.
Exakt 25 Jahre ist es her, seit Schättin die Kantorei übernommen und den Gospelchor Mezzoforte ins Leben gerufen hat. Nun gibt er diese beiden Chöre an seinen Stellenpartner Peter Freitag ab. «Auf dem Höhepunkt», wie Schättin betont. Aber man müsse aufhören, wenn es am schönsten sei.
Gut strukturierte Klangkörper
Beiden Chören gehe es hervorragend. Er hinterlasse zwei musikalisch hochstehende, gut strukturierte Klangkörper. «Hinter Mezzoforte steckt eine jahrelange Aufbauarbeit, und die Kantorei ist durch beharrliche und kontinuierliche Arbeit stets gewachsen.» Mit einem guten Gefühl trete er ab, weil er eine sehr schöne Zeit erlebt und viele interessante und freundschaftliche Begegnungen gemacht habe.
Anders sehen die beiden Chöre seinem Abschied entgegen. «Scheinbar fällt es ihnen sehr schwer. Aber sie haben sich inzwischen auch darauf einstellen können, schliesslich habe ich bereits vor zwei Jahren gekündigt.» Nur selten würden ihn melancholische Gedanken einholen. Dann werde auch er wehmütig, «aber das ist wirklich nur ganz selten», fügt er an und lacht. «Meine Tätigkeiten haben in den letzten Jahren ein immer grösseres Ausmass angenommen. Aber irgendwann ist das Mass voll», gesteht er.

