Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Notfallteams des Spitals im Hochleistungstraining

Die Behandlung von Notfallpatienten, deren Leben auf der Kippe steht, ist selbst für Profis immer wieder eine Herausforderung. Um dafür gerüstet zu sein, wurde im Spital Uster am Wochenende ein Training auf eindrückliche Art durchgeführt.

Notfallteams des Spitals im Hochleistungstraining

Stöhnen. Und ab und zu, aber eben viel, viel zu wenig atmen. Das ist das Einzige, was der 35-Jährige noch macht. Der Rettungsdienst hat den Fallschirmspringer, der am Bachtel ab­gestürzt ist, soeben ins Spital ­gebracht. Die Erstdiagnose der Retter: ein Schädel-Hirn-Trauma, schwere Verletzungen am Brustkorb und am Becken.

Mehrere Massnahmen parallel

Nun liegt der Mann, dessen Leben an einem seidenen Faden hängt, im Schockraum des Spitals Uster. In jenem Teil der Notfallstation, wo alle lebensgefährlich Verletzten oder Erkrankten hinkommen. Das Team, das den Sportler betreut, gibt ihm sofort Sauerstoff, parallel dazu werden Blutdruck und Herzfrequenz erhoben, und ein Ganzkörper-Check wird durchgeführt. Es zeigt sich, dass die Lunge nicht mehr richtig arbeitet. Eine Chirurgin legt eine Drainage, um die Lunge zu ent­lasten, gleichzeitig bereitet die Anästhesistin alles vor, um dem Mann einen Schlauch in die Luftröhre einzuführen, damit er effektiver beatmet werden kann.

Endlich, nach 19 langen Minuten, verbessert sich die Atmung. Und dann tritt jemand in den Schockraum und sagt laut: «Vielen Dank! Szenario Ende.»

Herausfordernde Bedingungen

Was sich am Samstag im Spital Uster abspielte, war nur ein Training. Das Ziel: möglichst gut vorbereitet sein für diejenigen etwa 170 von insgesamt 24 000 Notfallpatienten jährlich, die direkt in den Schockraum kommen.

Damit es dann auch klappt bei diesen nicht alltäglichen Einsätzen, wo es auf Minuten ankommt, muss man «üben, üben, üben», wie Dr. Chantal Breitenstein, stellvertretende Chefärztin Anästhesie, sagt. Denn diese Behandlung passiert unter sehr herausfordernden Bedingungen.

Diese interdisziplinären Schockraum-Teams sind immer mit den schwierigsten Fällen konfrontiert, es laufen im engen Raum in der Regel mehrere Arbeitsschritte parallel, und ob der Hektik darf man die wichtige Kommunikation untereinander nicht vergessen. Das bedeutet, man muss als Team funktionieren. Denn wer in den Schockraum aufgeboten wird, der «arbeitet in einem Hochleistungssystem», wie es Kai Kranz, einer der Instruktoren am Training, den über 70 Teilnehmenden in Erinnerung ruft.

Hightech-Puppe als Patient

Um in diesem Hochleistungs­system zu bestehen, gestaltete man verschiedene Trainingsszenarien, die laut Chantal Breitenstein «sehr nahe an der Realität» waren. Dass die inszenierten Fälle in der Tat «fast wie echte» wirkten, wie Teilnehmende nachher beeindruckt sagten, war ­primär darauf zurückzuführen, dass der externe Veranstalter des Trainings, das Schweizerische Institut für Rettungsmedizin (Sirmed), als Patienten eine Hightech-Simulationspuppe einsetzte.

Der 120 000 Franken teure Kunstmensch kann unter anderem sichtbar und hörbar atmen sowie sprechen, stöhnen oder schreien (durch eine nebenan im Regieraum sitzende echte Stimme).

«Mehr Sicherheit»

Nach jedem der Behandlungsszenarien, die mit mehreren Teams durchgespielt wurden, folgte eine Besprechung. Obwohl alle Gruppen gut gearbeitet hatten, fanden sich durchaus ein paar wenige Schwachpunkte – von der als ­untauglich eingestuften Schere zum Aufschneiden der Kleider des «Verletzten» bis zu hoch relevanten Schwachstellen in der Kommunikation und Führung. Oder wie es Chantal Breitenstein formuliert: «Man realisiert, dass Theorie und Praxis zwei Paar Schuhe sind.»

Das Erleben solcher Erkenntnisse für Ärzte und Pflegende lässt sich das Spital Uster mit dem Schockraumtraining mehr als 5000 Franken kosten. Eine Investition, die nach der Überzeugung von Breitenstein «jedem, der mitgemacht hat, wichtige Erfahrungen brachte und mehr Sicherheit gab – sowohl für die Mitarbeitenden selber wie auch für das Spital und vor allem für die ­Patienten.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns