Politik

Ustermer erobern das Zürcher Nachtleben

Das Kaufleuten ist eine Institution im Zürcher Nachtleben. Mitinhaber ist der in Uster aufgewachsene Mark Röthlin, der in diesem Frühling einen weiteren Ustermer mit an Bord geholt hat: Den «Poseidon»-Wirt Athanasios Dailianis. Er soll auf der Terrasse des Lokals für neuen Schwung sorgen.

Ustermer erobern das Zürcher Nachtleben

Auch in Uster dürfte das Zürcher Kaufleuten vielen Leuten ein Begriff sein: Von dort aus wird die Sendung «Giacobbo/Müller» in die Schweizer Wohnzimmer ausgestrahlt. Auch international bekannte Künstler und Schriftsteller sind im Kaufleuten regelmässig zu Gast. Andere assoziieren mit dem «Kauf» wahlweise die dekadente Seite des Zürcher Nachtlebens oder das Gegenteil davon, nämlich Partys für die breite Masse.

Was die meisten Ustermer nicht wissen dürften: In dieser Institution des Zürcher Nacht­lebens mischen zwei der ihren kräftig mit. Es sind Mark Röth­lin und Athanasios Dailianis, der Wirt des griechischen Ustermer Restaurants Poseidon.

Vom Kellner zum Mitinhaber

Der in Uster aufgewachsene Röthlin kennt das Kaufleuten in all seinen Facetten. Als Student («ich studierte alles Mögliche: Medizin, Jus, BWL») begann er dort vor über 20 Jahren nebenberuflich zu arbeiten. Er sei eine Art Allrounder gewesen, habe im Service, an der Bar und an der Tür gearbeitet. «Ich begann Partys zu veranstalten und rutschte ins Management hinein», schildert er seinen Werdegang. 2006 kaufte Röthlin Anteile und wurde Miteigentümer des Kaufleuten. Rund sieben Jahre später kam es zu einem öffentlichkeitswirksamen Zwist mit dem damaligen Hauptaktionär. In der Folge übernahm ein neuer Besitzer das Kaufleuten, Röthlin zog in den Verwaltungsrat ein und kann sich heute Mitinhaber und Clubchef nennen.

«Das Nachtleben ist im Laufe der Jahre viel professioneller geworden. Die Freude ging ein wenig verloren», sagt Röthlin. Als Beispiel nennt er den Umgang mit Künstlern und DJs. Früher habe man mit diesen noch unter vier Augen verhandeln können, heute sei immer ein Manager dabei. Auch die Konkurrenz sei im Laufe der Jahre massiv grösser geworden. «An einem normalen Wochenende gibt es in Zürich rund 500 Partys», sagt er. Das Kaufleuten könne sich in diesem Umfeld behaupten, weil es breit abgestützt sei: «Wir haben neben den wöchentlichen Partys rund 120 Konzerte und 60 Lesungen pro Jahr. Hinzu kommen Geschäftsanlässe», sagt Röthlin.

Spiesse und Tzatziki

Auch in gastronomischer Hinsicht setzt das Kaufleuten, zu welchem neben den beiden Clubsälen auch ein Restaurant, eine Bar, eine Lounge und eine Terrasse gehören, seit Neuestem auf Diversifizierung. «Wir hatten einen Wechsel in der Restaurantküche. Und um diese zu entlasten, wollen wir auch auf unserer Terrasse etwas zu essen anbieten», meint Röthlin.

Ein wichtiger Pfeiler in dieser Strategie ist Athanasios Dailianis. Er fungiert seit Anfang Mai jeweils am Mittwoch und am Freitag als Gastgeber auf der Terrasse – sofern es das Wetter zulässt. Der «Poseidon»-Wirt soll damit nicht nur für Entlastung im Betrieb sorgen, sondern auch «griechische Lebensfreude» in die professionalisierte Zürcher Gastro-Landschaft bringen.

Ein klassisches Restaurant ist die Kaufleuten-Terrasse indes nicht. Eher ein Ort für einen Drink nach der Arbeit oder zum «Chillout», wie Röthlin sagt. Dailianis, den alle nur «Athi» nennen, wird einige, einfache griechische Speisen aus dem «Poseidon» anbieten: Spiesse, Tzatziki und die üblichen Verdächtigen der griechischen Küche. «Wenn es warm ist, passt dieses Essen sehr gut zum Konzept. Es ist ungezwungen und gut», sagt Röthlin. Hinzu komme, dass Dailianis ein guter Gastgeber sei, der viele Leute kenne und mitbringe.

Griechische Kontakte

Kennengelernt haben sich Röth­lin und Dailianis über den griechisch-stämmigen Partyveranstalter Seigi Sterkoudis. Dieser steht unter anderm hinter den «Mykonos-Partys» – die Partygäste erscheinen an diesen jeweils allesamt in Weiss –, die ­regelmässig im Kaufleuten stattfinden. Röthlin sei nach dem ­ersten Aufeinandertreffen mehrmals im «Poseidon» zu Gast gewesen, sagt Dailianis. «So haben wir uns besser kennengelernt.» Zusammengearbeitet haben die beiden bislang noch nicht. Für Dailianis ist das Engagement in der stadtzürcher Gastronomie eine Premiere. Der «Poseidon»-Betrieb werde von seiner Tätigkeit im Kaufleuten nicht tangiert.

Ob das Konzept funktioniert, konnten Röthlin und Dailianis bislang nicht überprüfen. Aufgrund des schlechten Wetters blieb die Kaufleuten-Terrasse bislang oft auch an den Tagen geschlossen, an denen Dailianis als Gastgeber hätte wirken sollen. Obschon die Feuertaufe somit noch aussteht, kann Röthlin sich jetzt schon vorstellen, mit Dailianis längerfristig zusammenzuarbeiten. In dieser Saison endet «Athis» Engagement im Kaufleuten Ende August.

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