Spuren von 1816 auf Dachbalken im Zürcher Oberland
Die Inschriften auf den Vordachpfetten alter Bauernhäuser sind – zusammen mit den Flarzhäusern – typisch für das Zürcher Oberland. Sie kommen nur in den drei Oberländer Bezirken und vereinzelt in anstossenden Gebieten vor. Sie zeigen die Emanzipationsbestrebungen der bäuerlichen Oberschicht von der Vorherrschaft der Stadt Zürich.
Der Aufbau einer solchen Inschrift ist folgender: meist ein kurzer Segensspruch, dann folgt der Name des Bauherrn, allenfalls der Name von dessen Frau, Baumeister, genaues Aufrichtedatum, Angabe der Preise von Getreide und Wein. Darauf können weitere Angaben folgen, zum Beispiel Brandkatastrophen, Seuchen oder meteorologische Besonderheiten.
Zu den Jahren 1816 und 1817, den beiden Folgejahren des Tambora-Ausbruchs, gibt es im Untersuchungsgebiet drei Angaben.
Inschrift in Wildberg
(Das Haus ward aufgestellt) … den • 15 : Tag Heümonath (Juli) A° 1816 : Regen wetter war so gar, Daß noch nichts geheuet war • Der Mütt Kernen (57.4 kg gedroschener Dinkel) thu ich melden, Thut dis mahl 15 Gulden gelten. Dieser Bau steht auf vestem Grund, mein Ende nahet alle Stund
Folgen 1817: abgegangene Inschrift im Oberen Neugut (Maur)
Zum Angedenken diser Zeit, was hier steht geschriben, wie hoch die Lebensmittelpreis in disem Jahr gestiegen. Von folgenden Producten galt der Müt: Kernen 30 bis 40 fl., Bonen 28 fl., Erbsen 36 fl., Roggen und Gersten 24 fl., Hafer das Vrtl. 2 fl. 20 Sch. Erdäpfel 2fl. 20 Sch. Wem schauderts nicht von diser Zeit, Wer kaufen mus in solchem Preis! Und kein Verdienst in keinem Fall, das sich der Arm (der Arme) ernehren kann. Dieser Bau war aufgeicht den 9ten Augustmonet 1817
Zum Vergleich: Unteres Neugut: 1787: Ein Mütt Kernen galt 6 fl.
(Gulden)
Freudwil
… Zur selben Zeit ist der Mt Kr. Gestiegen bis auf 43. fl. … (15)
Peter Surbeck, Uster, Verfassser des mehrbändigen Standardwerks zu den Dachbalkeninschriften im Zürcher Oberland

