50 Meter vor dem Fussgängerstreifen geht der Lastwagenfahrer vom Gas. Am Strassenrand wartet ein kleiner Junge mit Leuchtstreifen und riesiger Tächlichappe auf dem Kopf. Der Lastwagen rollt auf den Übergang zu, wird langsam langsamer. Der Junge bleibt stehen, den Blick konzentriert auf die Front des Lastwagens gerichtet. Erst als der Lkw schnaufend zum Stehen kommt, hebt der Kleine mit ernster Miene die Hand zum Dank und überquert mit zügigen Schritten die Strasse.
Diese Szene an der Wilstrasse in Uster würde glatt als Werbefilm durchgehen für «Rad steht, Kind geht», die gemeinsame Kampagne von TCS, Polizei und der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU). Der Gedanke dahinter: Gerade kleine Kinder können Distanzen und Geschwindigkeiten von Fahrzeugen nicht abschätzen. Deshalb lernen sie, dass sie einen Fussgängerstreifen nicht betreten dürfen, bevor die Räder eines Fahrzeugs völlig stillstehen. Und die Fahrzeuglenker sollen lernen, am Fussgängerstreifen immer ganz anzuhalten.
Rumfuchteln und losfahren
So viel zur Theorie. Nur wenige Augenblicke nach dem vorbildlichen Dreikäsehoch spurten an der Wilstrasse zwei Mädchen laut kreischend über den Fussgängerstreifen, ein Mercedes kann gerade noch bremsen.
Dann fährt ein Lieferwagen einer Sanitärfirma heran. Der Fahrer geht vom Gas, deutet dem Mädchen am Fussgängerstreifen per Handzeichen an, dass es über die Strasse gehen soll. Dieses aber wartet, weil sich die Räder ja noch drehen. Der Fahrer verlangsamt weiter und fuchtelt wild mit den Armen rum. Die Kleine wirkt eingeschüchtert, bleibt aber stehen, worauf der Lieferwagenfahrer entnervt Gas gibt und davonfährt.

