«Ich bin hier der offizielle Reklamateur», sagt Daniele Corciulo und lacht. «Ich werde fürs Motzen bezahlt.» Corciulo ist von Geburt an fast blind und arbeitet für die Stiftung Zugang für alle, wo er Websites auf deren Barrierefreiheit untersucht. «Das Internet ist für uns Fluch und Segen zugleich», sagt er.
Durch die technische Entwicklung können Menschen mit Behinderungen neue Wege begehen. «Früher waren die beruflichen Möglichkeiten limitiert. Korbflechter, Klavierstimmer, Masseur – viel mehr gab es nicht», sagt Corciulo. Heute sei es dank dem Internet für Blinde sogar möglich an Universitäten zu studieren. Aber: Über 90 Prozent der Internetseiten sind nach wie vor nicht barrierefrei.
Programm kommt an Grenzen
«Dass die Websites nach einem bestimmten Muster aufgebaut sein müssen, damit sie von den Hilfsprogrammen gelesen werden können, ist den meisten Betreibern nicht bewusst», sagt Andreas Uebelbacher, Leiter Bereich Dienstleistungen bei Zugang für alle. Mit einem Bildschirmleseprogramm, das den Text auf der Website laut vorliest, orientiert sich auch Daniele Corciulo im Internet. «Wenn die Struktur fehlt, muss ich mir auf jeder Seite alles von Anfang an vorlesen lassen, bis ich das Feld finde, das mich interessiert», sagt er.
Manche Formularfelder seien aber ungenügend oder gar nicht beschriftet. So müsse etwa bei einem Suchfeld unbedingt der Begriff «Suche» vorhanden sein, was aber nicht überall der Fall sei. Noch prekärer werde die Situation, wenn ein «Captcha» gelesen werden müsse. Diese Bilder, die meist verzerrte Buchstaben oder Zahlen zeigen, werden dafür verwendet, um zu prüfen, ob ein Mensch oder eine Maschine ein Internetformular ausfüllt. «Da kommt das Bildschirmleseprogramm natürlich an seine Grenzen», sagt Corciulo.

