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Schwarzes Gold ins Gesicht geklebt

«Leben mit Stil» ist der Lifestyle-Blog von Züriost und behandelt Themen rund um Körper, Seele und Stil. Heute: Beauty-Hype Aktivkohle im Test.

Seit Jahrtausenden verwenden Menschen Kohle als Heilmittel. Ob sie auch als Schönheitsprodukt Wunder bewirkt? (Bild: Fotolia)

Schwarzes Gold ins Gesicht geklebt

Ich probiere gerne neue Ideen aus. Im Bereich Ernährung habe ich schon fast jeden Superfood getestet. Als Nächstes wage ich mich an innovative – am besten selbst hergestellte – Beautyprodukte. Aktivkohle heisst das Zauberwort. Seit Jahrtausenden wird sie als Heilmittel verwendet, da sie Gifte und Schadstoffe an sich bindet. Oder in Dunstabzugshauben unangenehme Gerüche. Ich will damit meinem Gesicht die reinste Haut bescheren, die es seit Babyzeiten erlebt hat.

Eine etwas fragwürdige Methodik, um sich das Zeug ins Gesicht zu schmieren, habe ich auf Youtube entdeckt. Man braucht einerseits einige Tabletten Aktivkohle aus der Apotheke. Diese werden für gewöhnlich als Mittel gegen Durchfall verkauft. So weit so gut. Andererseits braucht es Weissleim aus dem Baumarkt. Interessant.  

Ich mische den Leim und die Kohle, die ich aus den Tablettenhülsen befreite, mit einem Pinsel zusammen. Sofort beginnt der Leim an einigen Stellen zu trocknen. Das Ganze wird eine klumpige Angelegenheit. Trotzdem schafft es der Grossteil der schwarzen Masse auf meine Stirn, Nase, Kinn und die Wangen. Nach kurzer Zeit merke ich, dass ich meinen Mund nicht mehr öffnen kann. Die Haut steckt fest im schwarzen Gefängnis. Mir schwant Schlimmes, was das Entfernen der Maske betrifft.

20 Minuten später habe ich es geschafft. Die Maske konnte ich mir unter einigem Jaulen sogar in einem Stück vom Gesicht reissen. Ich betrachte das Resultat im Spiegel. Wie rosige Baby-Pobacken sehen meine Wangen noch immer nicht aus. Dann der Kontrollblick auf die Hinterseite der Maske. Wie es aussieht, habe ich mir einfach jedes noch so kleine Härchen im Gesicht ausgerissen.

Ob mir die Maske am Ende mehr geschadet als genützt hat, will ich von Silvia Jordan aus Uster wissen. Sie ist seit über 30 Jahren Kosmetikerin und Visagistin. Als ich ihr von meinem Experiment erzähle, scheint sie es fast nicht glauben zu können. «Leim würde ich auf keinen Fall empfehlen», sagt sie. Zudem sei Aktivkohle für sie ein Trend, der wohl bald wieder verebbt, nachdem er von allen ausprobiert wurde. «Die Kosmetikindustrie braucht solche Hypes. Erst waren es Goldpartikel, jetzt ist es Aktivkohle.» Sie vertraue lieber auf Produkte, die sich bewährt haben.

Ich fühle mich ertappt und schäme mich fast ein bisschen. Doch Silvia Jordan hat auch gesagt, dass man als Trägermittel für Produkte wie Aktivkohle lieber Vaseline oder Honig verwenden soll. Das werde ich auf jeden Fall ausprobieren.

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