Unerwünschte Konkurrenz für Traditionsmarkt
Es war die letzte Amtshandlung Rudolf Lochers (FDP) als Ustermer Gemeinderat, bevor er das Amt Ende letzten Dezember aufgab: eine Anfrage betreffend einen neuen Samstagsmarkt. «Der aktuelle Wochenmarkt findet freitags statt, sodass leider ein grosser Teil der Ustermer Bevölkerung nicht daran teilhaben kann», schrieb Locher. «Ein Markt am Samstagmorgen würde den gewandelten Gewohnheiten Rechnung tragen.» Dieser sollte nicht wie der Freitagsmarkt auf dem Stadthausplatz, sondern etwa auf der unteren Poststrasse stattfinden.
Umfrage bei Händlern
Nun liegt die Antwort des Stadtrats vor. Zwar könnte ein zusätzlicher Markt am Samstag zur Steigerung der Zentrumsattraktivität beitragen. «Eine solche Neuerung müsste mit den örtlichen Kooperationspartnern aus Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam entwickelt werden», heisst es in der Antwort.
«Die Veränderung von langjährigen Traditionen beinhaltet auch Risiken.» Darum hat er die Händler des aktuellen Freitagsmarkts eingeladen, sich zu einem möglichen Samstagsmarkt zu äussern. «Es hat sich gezeigt, dass praktisch alle Händler einen zusätzlichen Markt am Samstag ablehnen beziehungsweise wegen anderweitiger Verpflichtungen an einem Samstagsmarkt nicht teilnehmen können», schreibt der Stadtrat.
Dass die Händler von der Idee eines Samstagsmarkts nicht begeistert sind, zeigte sich bereits Anfang Jahr, als sie von Lochers Anfrage erfuhren. «Der Markt läuft bestens. Es kann nur schlechter werden», sagte etwa Thomas Wiesmann, der mit seiner Bäckerei Sundaram bereits seit vielen Jahren am Markt teilnimmt. Auch Blumenverkäufer Urs Ackermann ist mit dem Status quo sehr zufrieden. Lochers Argument, berufstätige Personen hätten nicht die Möglichkeit, auf dem Wochenmarkt einzukaufen, lassen beide nicht gelten. «Unsere Kunden nehmen sich bewusst Zeit, um bei uns einzukaufen», sagt er. «Wer wirklich will, der kommt auch.»
Erfolglose Suche
Eine erneute Umfrage vor Ort unterstreicht diese Aussagen. «Wir haben bereits einen wunderschönen Markt», sagt Felix Berger. Seine Familie ist seit der ersten Durchführung des Markts 1975 jede Woche mit Gemüse und Früchten vertreten. «Hier verkaufen nicht Zwischenhändler die Ware, sondern die Produzenten selber. Das schätzen die Kunden.» Er wisse von Märkten, die auf den Samstag verschoben würden, seitdem stehe es schlecht um sie. «Am Freitag kommen die Leute, um hier ihren Wocheneinkauf zu tätigen. Am Samstag schlendern alle nur durch die Stände und kaufen eventuell irgendwo eine Erdbeere – mehr nicht.»Sollte es einen zusätzlichen Samstagsmarkt geben, sieht Felix Berger den Freitagsmarkt nicht in Gefahr. «Unsere Stammkunden werden weiterhin kommen. Sollte unser Markt aber verschoben werden, gehen wir auf die Barrikaden.»
Auch Margrit Keller verkauft seit 40 Jahren ihr Gemüse auf dem Wochenmarkt. Dass überhaupt Händler interessiert wären, am Samstag ihre Waren zu verkaufen, bezweifelt sie.
Freie Marktwirtschaft
Alt Gemeinderat Rudolf Locher sieht das anders. Einen neuen zweiten Markt am Samstag von der Verfügbarkeit der Händler abhängig zu machen, hält er für Unsinn. Er habe darum vor dem Verfassen seiner Anfrage bewusst darauf verzichtet, die Marktfahrer um ihre Meinung anzufragen. Die Ustermer Bürger hätten befragt werden müssen.
«Bei uns herrscht schliesslich freie Marktwirtschaft. Warum müssen genau die Händler, die am Freitag ihre Waren verkaufen, auch am Samstag nochmals Vorrang haben? Besonders dann, wenn diese gar nicht wollen?», sagt er. Ein Frischmarkt am Samstag müsste auch nicht die gleiche Grösse bieten, wie der Wochenmarkt am Freitag.
Generell hätte Locher sich vom Stadtrat konkretere Antworten gewünscht. Der Stadtrat nennt als Argument gegen einen Marktbetrieb auf der Poststrasse, dass dort momentan ein reger Baubetrieb herrscht. Weiter verunmögliche der Umbau des Illuster räumlich eine Durchführung. «Aber es gäbe Möglichkeiten, bis zur Fertigstellung dieser Bauarbeiten auf ein anderes Gebiet auszuweichen», sagt Locher.
Als möglichen Ort schlägt er das Zeughausareal vor. «Alle reden von diesem Gebiet – dieses als Zwischenlösung für einen Markt zu benutzen, kommt aber niemandem in den Sinn. Es ist einfach kein guter Wille da.»
