Liebhaber: «Oldtimer sind die wahren Autos»
Einpark-Assistent, eine Kamera am Kofferraum oder ein Spurhalte-Assistent. Viele sehen darin Vorteile. Lukas Pulvermüller und Gianni Piccinni haben aber ganz andere Präferenzen, wenn es um Autos geht. Sie haben beide eine Vorliebe für Oldtimer. Ihnen sind Eigenschaften wie Flair und Leidenschaft wichtiger als Fahrhilfen. «Oldtimer sind eben noch die wahren Autos», sagt der 30-jährige Pulvermüller. Doch die über 30 Jahre alten Fahrzeuge brauchen Fürsorge. Sie rosten schnell und benötigen eine sorgfältige Pflege.
Oldies als Lückenbüsser
«Seit der Kindheit wollte ich schon immer selbst ein Auto restaurieren», sagt Pulvermüller. Deshalb habe er den Spenglerberuf gewählt. Dies war ihm jedoch mit der Zeit nicht mehr genug. «Heute wechselt man als Spengler fast nur noch Teilchen. Der spannende, handwerkliche Aspekt rückt mehr und mehr in den Hintergrund.» Darum hat er sich vor einigen Jahren nach einem eigenen Oldtimer umgesehen, um ihn selbst wieder auf Vordermann zu bringen. Fündig wurde Pulvermüller in Deutschland. «Als ich einen 1969er Volkswagen Karmann Ghia im Internet entdeckt habe, wusste ich sofort: Den muss ich haben.» Er habe ihn als Ruine gekauft und seither stetig daran gearbeitet. Um einen Oldtimer zu restaurieren, brauche es sehr viel Zeit, wenn man es sauber machen wolle.
Während Pulvermüller als Spengler angestellt war, hat er sich in seiner Freizeit oft dem 69er VW gewidmet. Je länger er daran gearbeitet habe, desto stärker sei in ihm der Wunsch gewachsen, öfter geschichtsträchtige Autos zu reparieren. Vor vier Jahren hat er sich dazu entschieden, seine eigene Spenglerei aufzumachen. Mittlerweile wendet er 20 Prozent seiner Arbeitszeit für Oldtimer auf. Der grosse Teil bleiben Reparaturen an herkömmlichen Autos. «Die Oldies-Reparaturen sind im Moment noch Lückenbüsser. Es wäre schön, allein davon leben zu können.» Dies sei jedoch in den nächsten Jahren sicher nicht möglich. «Es ist immer noch mehr Hobby als Beruf.»
Hoher persönlicher Stellenwert
Die Garage teilt sich Pulvermüller mit Gianni Piccinni. Er führt eine Carrosserie und ein Autospritzwerk. Die Liebe zu Oldtimern verbindet die beiden. Piccinni ist ein grosser Fiat-500-Fan. Er besitzt fünf solche Fahrzeuge mit Jahrgang 1957. Der 48-Jährige ist Mitglied in dem Fiat 500 Club Schweiz und Sektionsleiter für Zürich. Doch auch für Piccinni bleiben die Oldtimer ein Hobby.
Jedoch eines mit viel persönlichem Stellenwert. «Ich restauriere fremde Fiats, damit ich das Geld in meine eigenen Wagen investieren kann», sagt Piccinni. Zu stark wachsen möchte Piccinni mit seinem Geschäft nicht. Was die Arbeit betrifft, gibt er sich bescheiden. «Wir wollen einfach weiterhin davon leben können.» Oft seien Pulvermüller und er auch an Samstagen zusammen im Betrieb und widmen sich den Oldtimern. Manchmal kämen Freunde auf einen Kaffee vorbei. «Es ist schon vorgekommen, dass wir die Arbeit dadurch vernachlässigt haben», sagt Piccinni. Dies dürfe aber manchmal so sein. Denn Oldtimer sind für sie immer noch vor allem eines. Ein Hobby. (Philipp Burkart)
