Mit 80 Farben zur Entspannung
Farbstifte haben einen einzigartigen Geruch. Für mich riechen sie nach Kindheit, nach stundenlangem Zeichnen, nach unendlich vielen Möglichkeiten und somit auch dem einen oder anderen Frust. Ich zeichnete immer gerne, wusste aber meistens nicht, welches Sujet es sein sollte. Bereits als Kind malte ich darum oft bestehende Formen aus. Am liebste geometrische Muster.
Als ich etwa zehn Jahre alt war, bekam ich von meinem Vater mein erstes Mandala-Heft. Kurz darauf kam die heiss ersehnte, grosse Farbstiftschachtel dazu. Welche Farben ich nehmen will, war mir überlassen. Die einzigen Grenzen waren die vorgezeichneten Linien. Für mich die perfekte Mischung von Freiheit und Kontrolle.
Seit meiner letzten Mandala-Malstunde sind schon viele Jahre verstrichen. Die Farbstiftschachtel liegt in der Schublade im Winterschlaf. In Papeterien findet man aber mittlerweile immer mehr Malbücher für Erwachsene – Mandala als Entspannung und Pause im Alltagsstress liegt im Trend. Entspannung? Da sage ich nicht Nein und reisse meine Farbstiftschachtel aus ihren Träumen.
Alles liegt bereit. Ich nehme mir vor, erst einmal etwa 20 Minuten zu malen, das Mandala fertigzustellen, ist bewusst nicht mein Ziel. Zu viel Frustrationspotenzial. Ich beginne an einer Stelle mit dunkelblau. Nun soll es im Kreis weitergehen, schön dem Farbverlauf folgen. Trotz 80 verschiedenen Stiften merke ich nach zwei Dritteln, dass ich zu wenige Farben für mein Muster habe. Doch ich finde schnell eine andere Lösung und vermische die Farben der einzelnen Stifte.
Am Schluss betrachte ich das – fertige – Mandala stolz. Ein Blick auf die Uhr bringt die positive Überraschung: Ich habe eineinhalb Stunden gezeichnet. Und ich fühle mich entspannt. Und jetzt laufen mir Kinderlieder nach.
