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Näniker Chilbi noch immer vor ungewisser Zukunft

Die Näniker Chilbi ist für die Stadt Uster ein Verlustgeschäft. Da der Anlass nur wenige Besucher ausserhalb des Dorfes anzieht, bleibt auch die Anzahl der Marktfahrer, die Standgebühren zahlen, Jahr für Jahr bescheiden. Mit einem Flohmarkt soll das Defizit nun in einem ersten Schritt geschmälert werden.

Neue Attraktivitäten sollen die Näniker Chilbi retten. Der Flohmarkt macht den Anfang. (Archivbild: Christian Senn)

Näniker Chilbi noch immer vor ungewisser Zukunft

Jedes Jahr reisst die Näniker Chilbi ein Defizit in Höhe von rund 5000 Franken in die Kasse der Stadt Uster. Die Stadt ist am Anlass für Strom, Wasser, Toiletten, Abfall, Werbung und Sicherheit besorgt. Die einzige Ein­nahmequelle, die Standgebühren, deckt diese Ausgaben nicht. Im letzten Frühling kommunizierte der Stadtrat, er wolle die Chilbi zwar «bis auf Weiteres» noch finanzieren, hielt aber auch klar fest, dass die Näniker Vereine in die Pflicht gezogen werden müssten. Diese sind in die Organisation der Chilbi einbezogen und betreiben eigene Stände.

Bereits vor zwei Jahren wurde das Problem bei einer Sitzung von Verwaltungspolizei und ­Näniker Vereinen thematisiert. «Dass die Stadt die Näniker Chilbi unterstützt, ist schliesslich auch ein gewisses Privileg», sagt Anita Keller, Chefin der Ver­waltungspolizei. «Andere Ustermer Quartiervereine werden bei ihren Anlässen nicht im gleichen Masse finanziell getragen.» Schon damals wurden die Nä­niker Vereine angehalten, sich über eine neue Attraktion Gedanken zu machen, um das Minus in der Kasse einzudämmen.

Kleiner Publikumsaufmarsch

Die darauf gegründete IG Näniker Chilbi – bestehend aus Vertretern des Frauenvereins und des Gemeindevereins – suchte das Gespräch mit dem Stadtrat. «Dass die Chilbi defizitär ist, können wir nicht schönreden», sagt Andrea Knoblauch-Niedermann vom Frauenverein Nänikon-Werrikon. «Mehr Marktfahrer zu verpflichten, die für mehr Standgebühren sorgen ­sollen, ist aber nicht so einfach.» Der Publikumsaufmarsch sei eher klein, da neben Nänikern meist nur Greifenseer an der Chilbi teilnähmen. «Und ein eher kleines Publikum ist nicht attraktiv für Händler», sagt Knoblauch-Niedermann. «Wir müssten unseren Besucherkreis erweitern.» Der Platz für die Chilbi und besonders die Anzahl an Parkplätzen seien allerdings limitiert.

Im letzten Herbst fand eine erneute Sitzung mit Stadtrat Jean-François Rossier (SVP), Marktchef Rudolf Harisberger, Anita Keller von der Verwaltungspolizei, der IG Näniker Chilbi und weiteren Vereinen statt. Um das Angebot der Chilbi weiter auszubauen und dadurch mehr Publikum anzuziehen, einigten sich die Verantwortlichen, einen Pilotversuch zu starten: Ein Flohmarkt soll den Chilbi-Betrieb ­ergänzen. «Die Stadt zeigte sich dazu bereit, Flohmarkthändler anzufragen, ob sie ihre Waren auch in Nänikon anbieten wollen», sagt Knoblauch-Niedermann. Rund zwölf Händler konnten für beide Tage verpflichtet werden. Der kleine Flohmarkt wird sich im oberen Teil der Stationsstrasse befinden. «Alle anderen rücken et-was näher zusammen, damit die Flohmarktstände Seite an Seite aufgestellt werden können», sagt Knoblauch-Niedermann.

Entlastung durch Sanierung

Durch den Flohmarkt wird das Minus in der Rechnung in diesem Jahr jedoch nur wenig ­geschmälert. Eine grössere Ent­lastung soll die Sanierung der unterirdischen Stromversorgung im Sommer bringen. «In den letzten Jahren wurden für die Chilbi mobile Versorgungsanlagen auf- und wieder abgebaut», sagt Knoblauch-Niedermann. «Dies verursachte grosse Kosten.» Durch die neue Stromversorgung fallen diese Kosten für die Chilbi ab 2017 weg. «Wir dürfen uns darauf aber nicht ausruhen», sagt Knoblauch- Niedermann. «Bis es so weit ist und wir weitere Attraktionen aus dem Ärmel zaubern können, müssen wir halt sparen. Wo auch immer es geht – etwa bei der Werbung.» Die Näniker Vereine lassen selber Flyer drucken, die sie im Dorf verteilen. «Es kommen vor allem Besucher aus Werrikon, Nänikon und Greifensee, nicht unbedingt aus Uster. Zusätzliche Werbekosten könnte sich die Stadt Uster also sparen.»

Dies sei laut Anita Keller aber nicht so einfach. «Das Budget für die Chilbi haben wir aus ebendiesen Gründen schon einmal von 4500 auf 3000 Franken ­gekürzt. Doch durch die An­sprüche der externen Markt­fahrer sind wir eingeschränkt.» Diese würden potenzielle Standorte unter anderem aufgrund der Werbepräsenz einschätzen. «Wenn wir keine Werbungen schalten, kommen irgendwann keine Auswärtigen mehr, und es gibt noch weniger Marktfahrer», sagt Keller. Das Werbebudget weiter zu kürzen, sei daher eher kontraproduktiv.

Kein Ultimatum

Neue Ideen sind also gefragt. Am Wochenende wird die Chilbi mit rund 30 Ständen, den Bahnen der Schausteller und dem neuen Flohmarkt durchgeführt. «Danach werden wir eine erste Bilanz ziehen, wie der Flohmarkt bei den Besuchern angekommen ist», sagt Andrea Knoblauch-Niedermann. «Aber wir über­legen weiter, ob etwa auch ein Handwerkermarkt irgendwie ­integriert werden kann.» Sollten alle Anstrengungen keine Früchte tragen, müsse man sich aber die Frage stellen: «Braucht es eine Chilbi, oder wäre ein Dorffest der bessere Weg?»

Diese Entscheidung stehe aber noch nicht dieses oder nächstes Jahr an. «Es gibt seitens der Stadt kein Ultimatum, wann genau die Chilbi schwarze Zahlen schreiben muss», sagt Anita ­Keller. «Einen Gewinn wird sie wohl niemals abwerfen – aber der Verlust sollte so klein wie möglich sein.»

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