Wie viel Politik hat Platz in der Kunstkiste?
«Vision Schifflände» heisst das Projekt, das die Gruppe Eisvogel im März in der Kunstkiste in Uster präsentierte. Es soll das vom Stadtrat ausgearbeitete Konzept für die Gestaltung der Schifflände konkurrenzieren, über das schliesslich der Gemeinderat entscheiden wird (wir berichteten). Dass ein politisches Projekt in der Kunstkiste ausgestellt wurde, stösst den beiden BPU-Gemeinderäten Werner Kessler und Paul Stopper sauer auf. Es sei nicht neutral. «Auf den Plakatwänden wurde offen dazu aufgerufen, den Richtplan zur Schifflände abzulehnen. Dabei tritt die Gruppe anonym auf», kritisiert Kessler. Dazu sei das Projekt nicht transparent. Als Kontaktangabe für die Gruppe ist einzig die E-Mail-Adresse von Kaspar Thalmann angegeben, der Bruder von SP-Stadträtin Barbara Thalmann und SP-Gemeinderat Balthasar Thalmann.
Forderung nach Transparenz
Eine Anfrage an den Stadtrat mit der Forderung zu mehr Informationen über die Gruppe habe dieser laut den beiden Gemeinderäten ungenügend beantwortet. Als weiteres Mitglied nannte der Stadtrat einzig Roger Moos – dieser wiederum sitzt im Vorstand des Vereins «Künstler Atelier Uster akku», der für die Kunstkiste verantwortlich ist. «Bei zusätzlichen Fragen über die Ausstellung verwies der Stadtrat fast gänzlich auf den Verein», sagt Kessler. Da die Stadt Uster vom Verein namentlich als einer der grössten Sponsoren genannt wird, fordern sie von ihm direkt mehr Transparenz und mehr Kontrolle.
Darum reichten Kessler und Stopper eine weitere Anfrage ein, in der sie zusätzlich die politische Agenda der Verantwortlichen der Kunstkiste und die finanzielle Unterstützung an den Verein durch die Stadt hinterfragen. Auf der Website des Vereins heisst es, die Kunstkiste sei «ein kleiner, mobiler Ausstellungsraum, der die Idee umsetzt, die Kunst in den öffentlichen Raum zu tragen». In ihrer Anfrage wollen Kessler und Stopper darum auch wissen, ob der Stadtrat die Ausstellung der Gruppe Eisvogel als Kunst einstuft.
Kunstkiste als Nebenprodukt
Werner Reichle, Präsident des Vereins, sieht die Vorwürfe der Gemeinderäte gelassen. «Landschafts- und Städtebau kann man ohne Weiteres zu Kultur und Kunst zählen», sagt er. «Auch die Stadt Uster hat schon einige Ausstellungen bezüglich der Zentrumsentwicklung in der Kunstkiste durchgeführt.» Zwar sei die Stadt eine der grössten Sponsoren des Vereins, «sie hat aber keinerlei Einfluss auf die Wahl der Ausstellungen in der Kunstkiste», stellt er klar. «Die Hauptsponsoren sind die Mitglieder unseres Vereins. Er kümmert sich in erster Linie um das Künstleratelier, das wir jährlich an zwei Stipendiaten vergeben.» In dieses fliesse auch der grösste Teil der finanziellen Mittel. «Die Kunstkiste ist ein Nebenprodukt unserer Arbeit, sie entstand, weil es in Uster keine Ausstellungsmöglichkeiten mehr gab.» Wer in ihr ausstellen darf, entscheide der Vorstand des Vereins.
Pro Jahr werden zwei Ausstellungen von den Stipendiaten gemacht, eine von einem ehemaligen Stipendianten und die vierte von einem Künstler aus der Region, im aktuellen Fall von der Gruppe Eisvogel. Zwar habe man in der Vergangenheit schon Anfragen abgelehnt, es sei aber noch nie eine Anfrage aus politischen Gründen abgewiesen worden. «Die Qualität genügte in diesen Fällen nicht», sagt Reichle. Die Kritik der ungenügenden Transparenz weist er zurück. Da dem Vorstand zwei der Mitglieder der Gruppe Eisvogel bekannt waren, habe ihnen dies genügt.
Aus der Bevölkerung habe er aufgrund der Ausstellung keine Rückmeldungen erhalten, aus der Ustermer Verwaltung hingegen schon. «Es wurde zum Ausdruck gebracht, dass das Thema der Ausstellung nicht sehr geschätzt wird», räumt Reichle ein. «Gerade weil es sich um ein Projekt handle, das sich gegen die Pläne des Stadtrats richte.» Konkrete Konsequenzen würde es aber keine geben – auch nicht für zukünftige Ausstellungen.