Ranger auf vier Pfoten
Baldur vom Zinnerhof. Diesen klangvollen Namen trägt das jüngste Mitglied der Greifensee Ranger, das grossen Einfluss auf deren Gespräche mit Hundebesitzern hat. Baldur ist ein Hannoverscher Schweisshund und stiess im Dezember gemeinsam mit seinem Hundeführer Jörg Hiltbrunner zum Ranger-Team. Damit sind die Greifensee-Ranger eine der wenigen Gruppen in der Schweiz, die mit einem Hund arbeiten.
Vorbild Greifensee
«Wir waren nicht gezielt auf der Suche nach einem Hundeführer», sagt Regula Hediger, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Greifensee-Stiftung. «Aber es hat sich als grosser Vorteil herausgestellt.» Die Missachtung der Leinenpflicht ist am Greifensee der zweithäufigste Grund für eine Verzeigung – hinter dem illegalen Fischen. «Die Hundehalter nehmen Kritik besser an, wenn sie sehen, dass auch ich mit einem Hund unterwegs bin», sagt Jörg Hiltbrunner.
Gemeinsam mit Urs Wegmann, dem Leiter der Greifensee-Ranger und Mitbegründer des Swiss Ranger Verbands, absolvierte er den Rangerlehrgang. Nebst dem Greifen- und Pfäffikersee ist er auch im Neeracherried und am Hallwilersee im Einsatz. «Die Ranger am Greifensee haben und hatten schon immer eine Vorbildfunktion», sagt Hiltbrunner. «Ich wollte gern ein Teil davon sein.» Ursprünglich hat er Zinngiesser als Beruf gelernt. «Da diese Arbeit kaum mehr gefragt ist, musste ich mich vor einigen Jahren neu orientieren. Da kam der Ranger-Lehrgang wie gerufen.»
Wildbestand bewirtschaften
Hiltbrunner war als ausgebildeter Jäger und Jagdaufseher zudem am Aufbau der Nachsucheorganisation des Kantons Bern beteiligt. «Wenn ein Jäger ein Tier schiesst, dieses jedoch nur verletzt ist und flüchtet, ist er verpflichtet, sich bei der Nachsucheorganisation zu melden. Diese spürt es mit ihren Schweisshunden auf.» Baldur suche grundsätzlich nur verletzte Tiere, in sehr vielen Fällen sind dies auch Unfalltiere. Dass er sich jetzt gemeinsam mit Baldur für den Natur- und Tierschutz einsetzt, ist seiner Meinung nach kein Widerspruch. «Leben und Tod gehören zusammen. Jäger bewirtschaften den Wildbestand wie die Bauern ihre Nutztiere», sagt der 53-Jährige. «Beides ist wichtig.»
Für die Arbeit als Ranger brauche es zuweilen eine dicke Haut. «Im Neeracherried wurde vor einigen Jahren ein grosses Stück Land dem Wasserzugvogelreservat zugeteilt. Viele Hundehalter liessen früher ihre Hunde dort frei laufen. Nun sind sie nur schwer zu überzeugen, dass sie die Tiere an der Leine führen müssen.» Er habe nach einer solchen Begegnung auch schon einmal sein Auto mit zerstochenen Reifen vorgefunden. Am Greifen- oder Pfäffikersee sei es jedoch noch nie so weit gekommen.
Trotz guter Ausbildung muss auch der vierjährige Rüde im Naturschutzgebiet immer an der Leine bleiben. «Der Jagdtrieb steckt in ihm», sagt Hiltbrunner. «Je nach Reiz gehorcht er nicht hundertprozentig. Es bleibt immer ein Restrisiko.» Dieses Risiko würden viele Hundehalter unterschätzen. «Genau das ist der Unterschied zwischen Hundehalter und Hundeführer: das Bewusstsein um die Natur des Tiers.» Er beobachte, dass sich immer mehr Personen einen Hund zulegten. «Vor allem die kleinen Hunde werden aber unterschätzt, auch in ihnen steckt ein Jagdtrieb.»
Verspielt und verfressen
Doch auch Baldurs Natur besteht nicht nur aus Jagdtrieb. Beim Fototermin wird deutlich, dass er ein lieber und verspielter Hund ist. «Da er nicht kastriert ist, schnüffelt er auch gern Hundedamen nach», sagt Hiltbrunner lachend. «Dazu ist er verfressen und sehr empfänglich für Leckerli.»
